Stadtohr

Stadtrundgang Magdeburg · Station 12 von 16

Kloster Unser Lieben Frauen

um 1015 · kloster, romanik, prämonstratenser, pädagogium

Ausführlich

Sie stehen am Kloster Unser Lieben Frauen, auch Marienstift oder Liebfrauenstift. Es zählt mit seinen Gebäuden zu den bedeutendsten romanischen Anlagen in Deutschland und liegt in unmittelbarer Nähe zum Dom. Heute ist hier das städtische Kunstmuseum. Das Haus hat im Lauf der Jahrhunderte viele Aufgaben gehabt. Gegründet wurde es um 1015 bis 1018 vom Erzbischof Gero als Kollegiatstift. Die vermeintliche Gründungsurkunde ist eine spätere Fälschung. Erzbischof Werner ließ ab 1063/64 eine dreischiffige Basilika errichten, in der er 1078 beigesetzt wurde. 1129 übereignete Erzbischof Norbert von Xanten das Stift dem neu gegründeten Prämonstratenserorden. Nun entstand ein zweigeschossiger Kreuzgang, dazu Refektorien und Kapitelsaal. 1134 wurde Norbert hier vor dem Kreuzaltar beigesetzt. 1180 unterhielt das Kloster bereits Verbindungen zu 16 Tochterklöstern. Dann kam der Karfreitag 1207: Der alte Dom brannte. Die Marienstiftskirche wurde eilig zur Kathedrale erhoben, schon zu Ostern feierte Erzbischof Albrecht I. von Käfernburg hier die Messe. In der Reformation blieb das Kloster katholisch. Am 25. März 1591 hielt der evangelische Domprediger Siegfried Sack die erste evangelische Predigt in dieser Kirche. Die Gebeine des 1582 heiliggesprochenen Norbert blieben zurück, als die katholischen Ordensleute 1601 das Kloster verließen. 1626 reiste der Abt der Prämonstratenserabtei Strahov, Caspar von Questenberg, nach Magdeburg und überführte sie nach Prag, obwohl Truppen Wallensteins die Stadt gerade belagerten. Als kaiserliche Truppen unter Tilly am 10. Mai 1631 Magdeburg weitgehend zerstörten, wurde das Stift nur verhältnismäßig gering beschädigt. Die Angreifer behandelten es gesondert und schützten es vor Plünderungen. 1689 wies man die Stiftskirche westeuropäischen Glaubensflüchtlingen aus der Pfalz zu. Auf Vorschlag ihres Predigers entstand am 1. Juni 1698 eine Klosterschule, 1700 kam die Klosterschulbibliothek hinzu, die bis heute besteht. 1718 erhielt die Schule den Namen Pädagogium. Zu den Absolventen gehörten die Schriftsteller Carl Leberecht Immermann und Friedrich Wilhelm Genthe sowie der Dramatiker Georg Kaiser. Von 1880 bis 1913 wirkte hier Christian Georg Kohlrausch als Turnpädagoge. Seine Studien zum Diskuswurf von 1882 machten ihn weltweit bekannt und ermöglichten die Wiedereinführung dieser Disziplin 1896 bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit. Auch den Fußball führte er in Magdeburg ein. 1814, unter französischer Besatzung, diente die Anlage als Kavalleriekaserne und Hospital, die Kirche als Viehstall.

Kurzfassung

Sie stehen am Kloster Unser Lieben Frauen, einer der bedeutendsten romanischen Anlagen in Deutschland. Um 1015 bis 1018 gründete es Erzbischof Gero, seit 1129 gehörte es den Prämonstratensern. Heute sind hier das städtische Kunstmuseum und die Liebfrauenkirche.

Für Kinder

Du stehst an einem sehr alten Kloster. Die Kirche wurde ab 1063 gebaut, heute ist hier ein Kunstmuseum. Als der Dom 1207 abbrannte, wurde die Kirche des Klosters zur Kathedrale. Später entstand hier eine Schule. Dort arbeitete ein Turnlehrer namens Kohlrausch, und er brachte den Fußball nach Magdeburg. Spielst du auch Fußball? 1626 wurden die Knochen des heiligen Norbert aus dem Kloster nach Prag gebracht, obwohl Truppen die Stadt belagerten. Und 1814 nutzte die französische Armee die Kirche als Viehstall.

Quellen

Koordinaten: 52.1278, 11.637 · auf der Karte

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