Stadtohr

Stadtrundgang Magdeburg · Station 3 von 16

Domplatz

· platz, barock, archäologie, messe

Ausführlich

Sie stehen auf dem Domplatz, nördlich des Doms. Er ist im Verhältnis zu anderen Stadtplätzen sehr groß: trapezförmig, in Nord-Süd-Richtung etwa 180 Meter, in West-Ost-Richtung etwa 140 Meter. Der Dom nimmt die Südseite ein. Ost- und Nordkante sind von weitgehend geschlossener barocker Bebauung mit annähernd gleichen Gesimshöhen geprägt, an der Westseite stehen moderne Bauten. Der Domplatz gilt als der einzige Platz der Magdeburger Altstadt, der seine historische Gestaltung noch annähernd bewahrt hat. Zum Namen: Im Unterschied zum Alten Markt weiter nördlich hieß er Neuer Markt, 1294 nyger markt, und noch 1800 war das die geläufigere Bezeichnung. Er war der zentrale Platz der Stiftsfreiheit, die nicht dem Magistrat der Stadt unterstand. Nun zum Boden unter Ihren Füßen. Archäologen fanden hier ein fränkisches Kastell, das dem Grafen Aito zugeordnet wird. Es sicherte einen Handelsplatz an einem Elbübergang an der Grenze des Frankenreichs. Dazu kamen Reste von drei Spitzgräben und 40 jüngere Grubenbauten. Die ältesten Siedlungsspuren reichen bis 5000 vor Beginn der Zeitrechnung zurück. In der Südostecke sehen Sie eine Grundrissstruktur mit kniehohen Mauern. Man hielt sie zunächst für den Rest einer ottonischen Königspfalz, später für eine karolingische Kapelle des 9. und eine ottonische Kirche des 10. Jahrhunderts. Die Wasserspiele in der Mitte deuten grob die Lage der Gräben an. Auf diesem Platz spielte sich Geschichte ab. 997 soll hier der Gelehrte Gerbert von Aurillac mit Kaiser Otto III. Gestirne beobachtet haben. 1135 wurde ein Reichstag abgehalten. Walther von der Vogelweide beschrieb, wie König Philipp von Schwaben und Königin Irene von Byzanz unter der Krone feierlich in den Dom schritten. Beim Stadtbrand 1207 wurden auch die Gebäude am Platz stark zerstört. 1220 ließ Erzbischof Albrecht II. die Kopfreliquie des Heiligen Mauritius in den Dom überführen. 1453 predigte hier der Franziskanermönch Johannes Capistrano gegen Eitelkeiten. Danach verbrannte man auf einem Scheiterhaufen Spielbretter, Würfel, Haarlocken und Schminkdosen. Es ging auch rauer zu: 1402 gab es die Münzkrawalle, 1493 Unruhen bei der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung, und noch bis ins 18. Jahrhundert fanden Hinrichtungen statt. Zu den Jahrmärkten, den Messen, wurde der sonst verschlafene Platz sehr geschäftig. Die im 12. Jahrhundert gestiftete Herrenmesse schloss sich an große Reliquienschauen an. Die Tradition, die Messen hier abzuhalten, hielt sich bis in die 1970er Jahre. In der Südwestecke erinnert heute das Bürgerdenkmal an die friedliche Revolution von 1989.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Domplatz nördlich des Doms, früher Neuer Markt genannt. Der trapezförmige Platz misst etwa 180 mal 140 Meter. Er gilt als der einzige Platz der Altstadt, der seine historische Gestaltung noch annähernd bewahrt hat, mit barocken Häusern im Osten und Norden.

Für Kinder

Du stehst auf einem riesigen Platz, dem Domplatz. Er ist etwa 180 Meter lang und 140 Meter breit. Früher hieß er Neuer Markt. Hier gab es Jahrmärkte. Sonst war der Platz eher ruhig, doch dann wurde es sehr geschäftig. Unter dem Platz haben Forscher Spuren von Menschen gefunden, die hier schon um 5000 vor Beginn unserer Zeitrechnung siedelten. Auch die Reste einer Festung der Franken, eines Kastells, wurden ausgegraben. In der Südostecke zeigt ein Grundriss mit kniehohen Mauern, was man gefunden hat. Kannst du die Mauern entdecken?

Quellen

Koordinaten: 52.12575, 11.635038888 · auf der Karte

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