Stadtohr

Stadtrundgang Lüneburg · Station 7 von 11

Am Sande

mittelalterlicher Handelsplatz · Hanse, Backstein, Handel

Ein langgestreckter, breiter Platz, auf beiden Seiten gesäumt von Giebelhäusern aus Backstein. Die Giebel sind unterschiedlich: Manche steigen in rechtwinkligen Stufen an, andere sind geschwungen und eingerollt. Am östlichen Ende schließt die Johanniskirche den Platz ab.
Foto: Patrice78500, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen auf dem Platz Am Sande. Wenn der Alte Kran die Schnittstelle dieser Stadt war, dann ist dieser Platz ihr Handelssaal. Er ist umgeben von vorwiegend mittelalterlichen Bürgerhäusern. Und jetzt kommt eine Bitte: Schauen Sie für zwei Minuten nur nach oben. Lassen Sie die Schaufenster weg, lassen Sie die Werbeschilder weg, nehmen Sie nur die Giebel. Sie werden zwei Grundformen sehen. Die erste ist der gotische Treppengiebel. Er steigt in rechtwinkligen Stufen zur Spitze auf, wie eine Treppe für Riesen. Das ist die ältere Form, streng, aufgeräumt, fast mathematisch. Die zweite ist der barocke Schneckengiebel. Seine Kanten sind geschwungen, eingerollt, verspielt. Das ist die jüngere Form, und sie ist das genaue Gegenteil: Sie will nicht ordnen, sie will beeindrucken. Zwischen diesen beiden Formen liegen rund dreihundert Jahre europäischer Kunstgeschichte. Hier stehen sie an einem einzigen Platz nebeneinander, Schulter an Schulter, als wäre das das Normalste auf der Welt. Genau deswegen kommen Fachleute wegen dieses Platzes nach Lüneburg. Der Name ist ganz wörtlich zu nehmen, und er beschreibt den Alltag. Im Mittelalter war der Platz nicht gepflastert, sondern sandig. Er diente den Kaufleuten als Handelsplatz für ihre Waren, darunter auch Salz. Stellen Sie sich das einen Moment vor. Kein Pflaster, sondern Sand. Karren, Pferde, Fässer, Stapel von Ware, Männer, die laut rechnen. Staub im Sommer, Schlamm im Herbst, und über allem der Geruch von Pferd und nassem Holz. Die Häuser, die Sie jetzt so sauber und geordnet sehen, standen an einem staubigen Warenlager. Und damit wird auch klar, wozu die Giebel gut waren. Sie waren keine Verzierung. Sie waren Werbung. Wer hier Haus und Giebel hatte, zeigte jedem Fremden auf den ersten Blick, mit wem er es zu tun hatte, und ob sich das Verhandeln lohnt. Nach diesen Vierteln war die ganze Stadt gegliedert. Die Altstadt lässt sich grob in vier historische Stadtviertel teilen, und zu jedem gehörte eine der spätmittelalterlichen Stadtkirchen. Drei davon stehen noch. Sie sind gerade im Sandviertel, dazu gehört die Johanniskirche mit ihrem schiefen Turm. Vorher waren Sie im Wasserviertel bei St. Nicolai, begonnen haben wir im Marktviertel. Das vierte Viertel kommt noch. Es ist das einzige, dessen Kirche verschwunden ist, und das hat einen Grund, der unter Ihren Füßen liegt. Gehen Sie jetzt ein kurzes Stück nach Norden. Dort steht ein Haus, das einmal voller Waffen war.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Platz Am Sande. Er ist umgeben von vorwiegend mittelalterlichen Bürgerhäusern. Achten Sie auf die Giebel: gotische Treppengiebel und geschwungene barocke Schneckengiebel. Im Mittelalter war der Platz nicht gepflastert, sondern sandig. Daher der Name.

Für Kinder

Dieser Platz heißt Am Sande – und das ist ganz wörtlich gemeint. Früher gab es hier kein Pflaster, sondern einfach Sand. Stell dir das vor: Pferde, Karren, Fässer, überall Staub, und wenn es regnete, war alles Matsch. Und jetzt schau nach oben, auf die Spitzen der Häuser. Siehst du, dass manche wie eine Treppe aussehen? Eine Treppe für Riesen, die aufs Dach wollen. Andere sind rund eingerollt wie ein Schneckenhaus. Die Hausbesitzer haben damit angegeben. Je schöner die Hausspitze, desto reicher der Kaufmann. So wie heute manche Leute ein besonders großes Auto haben.

Was Sie vor sich sehen

Ein langgestreckter, breiter Platz, auf beiden Seiten gesäumt von Giebelhäusern aus Backstein. Die Giebel sind unterschiedlich: Manche steigen in rechtwinkligen Stufen an, andere sind geschwungen und eingerollt. Am östlichen Ende schließt die Johanniskirche den Platz ab.

In English

You are standing on Am Sande, the old trading square, lined with mainly medieval burgher houses. Look only at the gables for two minutes and ignore the shop windows. You will see two basic forms. The Gothic stepped gable rises in right-angled steps like a staircase for giants; that is the older form. The Baroque scroll gable is curved and rolled in; that is the younger one. Centuries of European art history stand side by side here as if it were the most normal thing in the world. The name is literal: in the Middle Ages the square was unpaved and sandy, and merchants traded their goods here, salt among them.

Quellen

Koordinaten: 53.24752, 10.4102 · auf der Karte

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