Stadtohr

Stadtrundgang Lübeck · Station 14 von 16

Theater Lübeck

1908 · jugendstil, theaterbau, stiftung, sanierung

Ausführlich

Sie stehen vor dem Theater Lübeck. Das Interesse an Schauspiel und Oper erwachte auch hier erst im Zuge der Aufklärung. Seit 1753 steht ein Theater in der oberen Beckergrube, mit zwei Vorgängerbauten: dem Lüneburger Hof bis 1857 und dem Casinotheater von 1858 bis 1905. Ab 1799 gab es unter Leopold Löwe erstmals ein festes Ensemble. Wie dieses Ensemble zum Großbürgertum der Stadt stand, hat Thomas Mann in den Buddenbrooks beschrieben und Ludwig Ewers in seiner Großvaterstadt. Der Neubau geht auf ein Feuer in Chicago zurück. Nach dem Brand des Iroquois Theater 1903 wurden neue Sicherheitsbestimmungen für die deutschen Bühnen bindend, die den Bestand des Casinotheaters in Frage stellten und 1905 zu dessen Abriss führten. Dann stritt man über den Ort. Zur Wahl standen die alte Stelle und der Zollschuppenplatz vor dem Holstentor. In der eng bebauten Altstadt war kein freistehendes Gebäude mit repräsentativer Wirkung möglich, auf dem Platz vor dem Tor schon. Es herrschte Pattsituation, und im Dezember 1905 löste Emil Possehl sie auf: Er bot an, dem Staat die Kaufsumme für die Grundstücke an der Beckergrube zu stiften, das Geld stünde zum Jahreswechsel bereit. Deshalb stehen Sie hier und nicht am Holstentor. Possehl, dessen Namen Sie von der Holstentorhalle kennen, hat mit einem Angebot eine Stadtplanung entschieden. Gewonnen hat der Münchner Martin Dülfer. Eröffnet wurde das Haus am 1. Oktober 1908, im Jugendstil. Schauen Sie auf das Hauptgesims der Sandsteinfassade. Die Reliefs stammen vom Bildhauer Georg Roemer: in der Mitte Apollo und die neun Musen, seitlich Komödie und Tragödie. Die Gruppe von Karyatiden und Atlanten, die das Giebeldreieck trägt, ist eine Arbeit von Karl Weinberger. Was danach kam, lässt sich an diesem Haus ablesen. 1917 wurde hier Heinrich Manns Madame Legros uraufgeführt. In der Zeit des Nationalsozialismus verschwanden Werke jüdischer und anderer unerwünschter Künstler aus den Spielplänen, und unerwünschte Ensemblemitglieder wurden nicht weiter beschäftigt. Die Theaterleitung war vollständig mit Parteimitgliedern besetzt. 1938 und 1939 wurde das Innere umgestaltet: Die ideologisch unerwünschten Stuck- und Jugendstilornamente verschwanden hinter Holzverkleidung, die reich verzierte Jugendstildecke des Großen Hauses wurde abgehängt. Im März 1942 erlitt das Dach nur leichte Splitterschäden, ansonsten blieb das Theater unbeschädigt. Am 29. September 1946 wurde das Große Haus mit Mozarts Hochzeit des Figaro wieder der Öffentlichkeit übergeben. Von 1993 bis 1996 wurde generalsaniert und alle Jugendstil-Formen im Inneren rekonstruiert, besonders die Saaldecke. Als Eigenbeitrag des Theaters an den hohen Kosten wurde die eigene Tanztheater-Sparte 1995 eingestellt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Theater Lübeck in der Beckergrube. Der Münchner Architekt Martin Dülfer gewann den Wettbewerb, eröffnet wurde der Jugendstilbau am 1. Oktober 1908. Im Haus liegen drei Spielstätten. Am Theater arbeiten rund 400 Menschen.

Für Kinder

Hier ist das Theater der Stadt. Dass das Theater gerade hier steht, war ein Streit. Manche wollten es draußen am Holstentor bauen, weil dort mehr Platz ist. Dann sagte ein reicher Kaufmann: Ich bezahle die Grundstücke hier. Damit war die Sache entschieden. Schau nach oben auf die Steinbilder über dem Eingang. In der Mitte ist Apollo mit den neun Musen zu sehen, links und rechts die Masken für Komödie und Tragödie. Wie würdest du einen Theatersaal schmücken?

Quellen

Koordinaten: 53.8697, 10.6864 · auf der Karte

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