Stadtohr

Stadtrundgang Lübeck · Station 13 von 16

Jakobikirche

um 1300 · backsteinhallenkirche, seefahrt, gedenkstätte, kapellen

Ausführlich

Sie stehen an St. Jakobi am Koberg. Das ist die Kirche der Seefahrer und Fischer, 1334 geweiht, Patron ist Jakobus der Ältere. Ihr Schütting, das Versammlungshaus, haben die Seefahrer noch heute gegenüber in der Schiffergesellschaft. Zum Alter zwei Angaben: Eine romanische Hallenkirche an gleicher Stelle wurde um 1227 erwähnt, und Wikidata nennt dieses Jahr. Nach dem großen Stadtbrand von 1276 entstand um 1300 der heutige Bau. Der Turm erzählt von Plänen, die man aufgegeben hat. Zunächst war ein mittiger Einzelturm geplant, dann müssen zwei Türme beabsichtigt gewesen sein, wie bei der Marienkirche und dem Dom. Auch der Plan, die Hallenkirche in eine Basilika umzubauen, ist aus den Baubefunden ablesbar und wurde wieder aufgegeben. Dieser Turm hatte Pech. Der Lesemeister Detmar berichtet in seiner Chronik, dass sich 1375 im Sturm ein Viertel des Turmdachs löste und auf den Hof des Heiligen-Geist-Hospitals geweht wurde, an dem Sie vorhin standen. 1628 wurde der Turm bis zu den Glocken abgenommen, erhielt nach der Erneuerung des Mauerwerks 1636 zunächst ein einfaches Bretterdach, und erst 1657 und 1658 kam die Spitze mit den vier Kugeln an den Turmecken, die für die Kirche so typisch sind. Mehrfach schlug der Blitz ein, zuletzt 1901, als die Spitze etwa einen Tag lang brannte. Schauen Sie nun auf den Dachreiter, den zierlichsten der Stadt. Der heutige ist eine barocke Schöpfung von 1622 bis 1628: unten Fialen mit spätgotischen Elementen, oben eine Laterne mit den Glocken und eine vom Stil der Renaissance beeinflusste Spitze. Im Inneren hängen die Kapellen wie Kammern an den Seitenschiffen, und jede hat eine Familie. Die Brömsen-Kapelle an der Südseite geht auf eine Stiftung des Domherrn Detmar Schulop von 1338 zurück, ging 1488 an Bürgermeister Heinrich Brömse über und blieb bis 1826 im Besitz seiner Familie. Bei Restaurierungsarbeiten 2016 machte man einen stillen Fund: In den verschlossenen Gebetbuchfächern des Kastengestühls fand sich eine Auskleidung aus kolorierten Andachtsblättern der Mitte des 17. Jahrhunderts. 2018 wurden die Fächer geöffnet, die Blätter vollständig dokumentiert, und fast alle sind nur hier überliefert, im ursprünglichen Gebrauchszustand. Zuletzt die nördliche Turmkapelle, heute Pamirkapelle. Dort steht das Wrack eines Rettungsboots der 1957 gesunkenen Viermastbark Pamir, bei deren Untergang 80 der 86 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Am 21. September 2007 wurde die Kapelle zur Nationalen Gedenkstätte für die zivile Seefahrt erklärt. Und ein Satz, der erklärt, warum wir hier die Orgeln hören konnten: St. Jakobi blieb in der Palmsonntagsnacht 1942 als eine der wenigen Lübecker Kirchen unbeschädigt.

Kurzfassung

Sie stehen an St. Jakobi am Koberg, einer der fünf evangelisch-lutherischen Hauptpfarrkirchen der Altstadt. Sie wurde 1334 als Kirche der Seefahrer und Fischer geweiht. Zum Alter gibt es zwei Angaben: Wikidata nennt 1227, das betrifft den romanischen Vorgängerbau, der heutige entstand um 1300.

Für Kinder

Das ist die Kirche der Seeleute und Fischer. Wer zur See fuhr, betete hier für eine gute Reise. In einer Ecke der Kirche steht etwas Trauriges: das Wrack eines Rettungsboots. Es gehörte zum Segelschiff Pamir, das 1957 in einem Sturm unterging. Von 86 Menschen an Bord überlebten nur sechs. Heute ist diese Ecke eine Gedenkstätte für alle Seeleute, die nicht zurückkamen. Diese Kirche blieb im Krieg fast unbeschädigt. Deshalb stehen hier noch die alten Orgeln. Was würdest du vor einer langen Reise mitnehmen?

Quellen

Koordinaten: 53.8709, 10.689 · auf der Karte

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