Sie stehen in St. Jakobi. Diese Kirche hat als einzige Lübecks ihre historischen Orgeln behalten, und deshalb bekommt das Thema eine eigene Station. Vier Instrumente sind es. Erste Nachrichten über Orgelmusik in Lübeck datieren aus dem 14. Jahrhundert. Beginnen wir mit der Großen Orgel auf der Westempore. Ihre ältesten Bestandteile stammen aus der gotischen Blockwerk-Orgel von 1465 und 1466. Der gotische Prospekt von 1504 ist erhalten und bildet das heutige Hauptwerk. Hans Köster fügte 1573 ein reich verziertes Rückpositiv im Stil der Renaissance hinzu. Genau hundert Jahre später, 1673, baute Jochim Richborn um: ein Brustwerk und zwei barocke Pedaltürme. Die Orgel hatte nun 51 Register und war Richborns größtes Werk. Nun schauen Sie genau hin. Das Gehäuse ist mit reichem Schnitzwerk verziert. Alle Prospektpfeifen sind mit goldfarbenen Gesichtern und Ornamenten um die Labien bemalt, im Rückpositiv sind einige Pfeifen ziseliert oder mit goldenen Masken versehen. Die kleine Orgel an der Nordwand ist die berühmtere. 1467 und 1515 entstand hier eine einmanualige Schwalbennestorgel, 1636 und 1637 erweiterte Friederich Stellwagen sie um Rückpositiv, Brustwerk und ein kleines Pedalwerk. Sie blieb als einzige historische Orgel Lübecks optisch und klanglich weitgehend erhalten. Ihre Wirkung reicht weit über diese Kirche hinaus: Ab der Organistentagung 1925 übte sie, neben der Schnitger-Orgel in Hamburg und der Totentanzorgel in St. Marien, großen Einfluss auf die junge Orgelbewegung aus. Der Komponist Hugo Distler war von 1931 bis 1937 Organist an St. Jakobi und ließ sich von diesen alten Klängen inspirieren. Er beschrieb die historischen Register als eine fantastische, hintersinnige, durchhörbare Klangwelt und veranlasste 1935 einen Umbau mit dem Ziel einer Restaurierung. Das dritte Instrument ist ein Fund. Auf dem sogenannten Uhrenboden über der Sakristei entdeckte man einen Schrank mit der Jahreszahl 1673. Die Nachforschungen ergaben: Es war das Gehäuse eines Positivs, einer Kleinorgel, gebaut von Jochim Richborn im selben Jahr, in dem er die Große Orgel fertig umgebaut hatte. Als der Lettner 1844 abgebrochen wurde, nahm man der Orgel ihr Innenleben: Pfeifenwerk, Windladen, Klaviatur und Balganlage gingen verloren, der hölzerne Kasten diente fortan als Schrank. Hundertsechzig Jahre lang war eine Orgel ein Möbelstück. 1999 und 2000 wurde das Gehäuse restauriert, und Mads Kjersgaard aus Dänemark rekonstruierte das Innenwerk mit acht Registern auf der Grundlage eines erhaltenen Schwesterinstrumentes in Skokloster in Schweden. Seit 2003 steht es wieder im Südschiff. Das vierte Instrument ist eine Hausorgel, die Paul Ott 1938 für Hugo Distler baute. Sie kam 1976 nach St. Jakobi und steht heute im Distler-Saal gegenüber der Kirche.
Sie stehen in St. Jakobi, und hier geht es um vier Orgeln. Die Große Orgel auf der Westempore und die Stellwagen-Orgel an der Nordwand gehen in den ältesten Teilen auf das 15. Jahrhundert zurück. Die Lettnerorgel wurde 2003 im originalen Gehäuse von 1673 rekonstruiert.
In dieser Kirche stehen vier Orgeln. Geh näher heran und schau die Pfeifen an. Auf viele hat jemand kleine goldene Gesichter gemalt, genau an die Stelle, wo der Ton herauskommt. Eine Orgel hier hat eine komische Geschichte. Vor langer Zeit baute man sie ab und nahm alles heraus: die Pfeifen, die Tasten, den Blasebalg. Übrig blieb nur der Holzkasten. Den benutzte man dann 160 Jahre lang als Schrank. Erst später merkte jemand: Das ist ja eine Orgel. Woran würdest du erkennen, dass ein alter Schrank einmal ein Musikinstrument war?
Koordinaten: 53.8709, 10.689 · auf der Karte