Stadtohr

Stadtrundgang Lübeck · Station 11 von 16

Kranen-Konvent

1283 · backsteingotik, beginen, gewölbekeller, welterbe

Ausführlich

Sie stehen vor dem Kranen-Konvent in der Kleinen Burgstraße 22. Dieses Haus ist eines der ältesten erhaltenen backsteingotischen Bauwerke der Lübecker Altstadt und Bestandteil des Weltkulturerbes. Sein Alter ist nicht geschätzt, sondern gemessen: Der Dachstuhl ist dendrochronologisch auf das Jahr 1283 datiert, über die Jahresringe des verbauten Holzes. Schauen Sie den Giebel an. Er ist schlicht dreieckig. Die vertikalen Gliederungen, die zu den repräsentativen Architekturmerkmalen der privaten gotischen Profanbauten Lübecks gehören, fehlen hier. Erbaut wurde es als Beginenhaus, aufgrund einer Stiftung des Lübecker Bürgers Wilkinus Crane. Beginen waren Frauen, die in einer religiösen Gemeinschaft zusammenlebten, ohne Kloster und ohne Gelübde. Etwa 16 bis 20 von ihnen fanden hier eine Bleibe. Es war das wichtigste von fünf Beginenhäusern der Stadt. Der Altar des Kranenkonventes, entstanden zwischen 1470 und 1480, wird heute im St.-Annen-Kloster aufbewahrt, dem Museum, an dem wir vorhin waren. Die Geschichte dieses Hauses ist eine Kette von Aufgaben für Menschen, um die sich sonst niemand kümmerte. Ab Ende des 18. Jahrhunderts diente es als Armenhaus für Frauen und als Siechenhaus, im 20. Jahrhundert als Altenheim und Beratungsstelle des Sozialamtes. Bis Mai 2010 nutzte der Verein Brockensammlung Lübeck das Untergeschoss als Lager und Verkaufsgebäude: Hier wurden gebrauchte Möbel gesammelt und an bedürftige Mitbürger abgegeben. Nun zum Keller, denn er ist der eigentliche Grund für diese Station. Er ist dreischiffig, mit drei Jochen Kreuzrippengewölben, und der älteste erhaltene Gewölbekeller Lübecks. Seine Anlage besteht aus für Lübeck untypischen byzantinischen Hängekuppeln. 2009 wurde das Gebäude bei einer Vergabe von insgesamt 150 Millionen Euro für die deutschen Welterbestätten mit 2,2 Millionen Euro berücksichtigt. Es entstanden Unterrichtsräume für die Orientierungsstufe der benachbarten Ernestinenschule, und der Keller wurde nach archäologischen Grabungen und einer denkmalpflegerischen Grundsanierung zu einer Mensa umgebaut. Hier gehen die Meinungen auseinander, und das ist ehrlicher, als es aufzulösen. Ein so nutzungsintensiver Gebrauch gerade des Kellers wird unter konservatorischen Gesichtspunkten auch kritisch gesehen. Die Bürgerinitiative Rettet Lübeck, die Sie von der Holstentorhalle kennen, kämpfte für eine behutsame Nutzung der baugeschichtlich und konstruktiv bedeutenden Kelleranlage und gegen die geplante Nutzung als beheizter Personenaufenthaltsraum, weil aufsteigende Feuchtigkeit und kristallisierende Salze das historische Ziegelmauerwerk beschleunigt schädigen könnten. In diesem Keller essen heute Schulkinder zu Mittag. Das ist eine Entscheidung, nicht ein Naturgesetz.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Kranen-Konvent in der Kleinen Burgstraße 22, einem der ältesten erhaltenen backsteingotischen Bauwerke der Altstadt. Die Bausubstanz geht auf 1283 zurück. Sein Keller ist der älteste erhaltene Gewölbekeller Lübecks. Erbaut wurde das Haus als Beginenhaus.

Für Kinder

Dieses Haus ist über 700 Jahre alt. Woher man das so genau weiß? Man hat das Holz im Dach untersucht. Bäume bekommen jedes Jahr einen Ring. Zählt und vergleicht man sie, kennt man das Jahr: 1283. Gebaut wurde es für Frauen, die zusammen in einer Gemeinschaft lebten. Sie hießen Beginen. Im Keller gibt es die ältesten Gewölbe der Stadt, mit runden Kuppeln aus Ziegelsteinen. Heute essen dort Schulkinder zu Mittag. Manche Leute finden das falsch, weil die Wärme und die Feuchtigkeit den alten Steinen schaden. Was meinst du dazu?

Quellen

Koordinaten: 53.8722, 10.6888 · auf der Karte

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