Sie stehen in der Großen Burgstraße, und diese Straße erklärt die Form der Stadt. Ursprünglich war dieser Zugang im Norden der einzige Landzugang zur heutigen Innenstadt. Alles andere war Wasser. Mit dem Bau des Elbe-Lübeck-Kanals wurde die Landzunge vor dem Burgtor durchstochen, und damit wurde die Altstadt zur Insel zwischen Kanal und Stadttrave. Was hier im Mittelalter los war, kann man sich gut vorstellen: Die Straße im Jakobi Quartier war die Ausspanne für Fuhrwerke und Kutschen aus dem nordöstlichen Mecklenburger Umland, mit zahlreichen Gasthöfen. Wer von Land kam, kam hier an, und hier wurden die Pferde abgestellt. Sie beginnt hinter der Burgtorbrücke am Burgtor und läuft bis zum Koberg mit dem Heiligen-Geist-Hospital und der Jakobikirche. Dort teilt sich nach der mittelalterlichen Stadtplanung die Nord-Süd-Erschließung in Königstraße und Breite Straße. Die alte Lübecker Burg ist in Resten als backsteingotisches Burgkloster erhalten und beherbergt heute das Europäische Hansemuseum. Jetzt schauen Sie auf Nummer 4, das heutige Landesamt für soziale Dienste. Es wurde 1894 bis 1896 als Gerichtshaus nach einem Entwurf des Lübecker Baudirektors Adolf Schwiening mit gotisierender Fassade gebaut. Seine Monumentalität zeigt, dass schon in dieser Phase die Stadtplaner wenig Rücksicht auf die Maßstäbe der mittelalterlichen Stadt genommen haben. Denn es ersetzte nicht weniger als fünf kleine Wohnhäuser. Fünf Häuser für ein Haus. Im rückwärtigen Teil wurden Teile der ehemaligen Klosteranlage erhalten und in das Gebäude integriert. Und hier bleiben wir stehen. In diesem Gebäude sind die ehemaligen Zellen des Untersuchungsgefängnisses und ein Verhandlungssaal des ehemaligen Landgerichts mit ihrer Innenausstattung erhalten, als Gedenkstätte für Justizopfer des Dritten Reiches, darunter die Lübecker Märtyrer. Zu erreichen ist die Gedenkstätte über das rückwärtige Burgkloster im Europäischen Hansemuseum. Ein Haus, in dem man heute über die Hanse lernt und durch dessen Hinterteil man in einen Gerichtssaal kommt, in dem Unrecht gesprochen wurde. Zwei weitere Adressen lohnen den Blick. In Nummer 11 befand sich ab 1588 die Bischofsherberge, das Lübecker Stadthaus der Bischöfe von Ratzeburg und nach 1648 der Herzöge von Mecklenburg. Ab 1720 war es eine Gastwirtschaft, ab 1841 unter dem Namen Großherzog von Mecklenburg. Hinter der Anfang des 19. Jahrhunderts klassizistisch überformten Fassade dominiert die Renaissance der Umbauzeit von 1598 und 1599. In Nummer 25 gründete Clara Roquette 1871 die Roquettesche Höhere Töchterschule, aus der ein privates Lehrerinnenseminar hervorging. Und in Nummer 47 wohnten im 16. Jahrhundert nacheinander die Stück- und Glockengießer Hinrik van Kampen und Karsten Middeldorp.
Sie stehen in der Großen Burgstraße, die die Altstadt von Norden erschließt. Ursprünglich war dieser Zugang der einzige Landzugang zur Innenstadt. Im Mittelalter diente die Straße als Ausspanne für Fuhrwerke aus dem Mecklenburger Umland, mit zahlreichen Gasthöfen.
Diese Straße war früher die einzige Möglichkeit, zu Fuß oder mit dem Wagen in die Stadt zu kommen. Überall sonst war Wasser. Später hat man einen Kanal gegraben, und seitdem ist die Lübecker Altstadt eine echte Insel. Ein Haus in dieser Straße ist besonders groß. Dafür hat man vor etwa 130 Jahren fünf kleine Wohnhäuser abgerissen. Findest du es? Es war ein Gericht. In der Nazi-Zeit wurden hier Menschen verurteilt, die nichts Böses getan hatten. Die alten Gefängniszellen kann man heute noch besuchen.
Koordinaten: 53.8726, 10.6906 · auf der Karte