Sie stehen vor dem Theaterhaus, Königstraße 17. Ein Haus mit vielen Berufen in seiner Geschichte. Das Grundstück ist erstmals 1284 als bebaut bezeugt. 1367 erwarb es Bürgermeister Jakob Pleskow, im frühen 16. Jahrhundert gehörte es der Ratsfamilie von Wickede. Von 1816 bis 1825 saß hier die Lübecker Niederlassung der Thurn-und-Taxis-Post. 1854 kaufte der Kaufmann und Konsul Peter Hinrich Rodde das Haus und ließ sogleich klassizistisch neu bauen, über dem erhaltenen dreischiffigen mittelalterlichen Keller mit Kreuzgewölben. Diesem Neubau verdankt das Haus im Wesentlichen seine heutige Gestalt. Schauen Sie die Fassade von unten nach oben an. Die Beletage ist durch zwei mittige Fenstertüren zu einem schmiedeeisernen Balkon hervorgehoben. Nach Roddes Tod zog 1882 die von Emmy Eschricht gegründete Frauengewerbeschule ein, die 1894 von der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit übernommen wurde und das Haus bis 1900 nutzte. Sie bot Kurse in Handelsfächern wie Buchhaltung, eine Ausbildung zur Zeichenlehrerin und Kochkurse an. Ab 1910 nutzte der Orthopäde Oskar Meyer das Haus als Praxis und Orthopädisches Institut. Im Volksmund hieß er Knochen-Meyer. Für die damals neue, gerätegestützte Therapie nach Gustav Zander ließ er im hinteren Teil des Grundstücks einen grundstücksbreiten Saalbau errichten, der nach dieser Bestimmung bis heute Zandersaal heißt. Seine Gartenfassade zeigt hohe rundbogige Fensterblenden. Und hier bleiben wir einen Moment, denn an diesem Haus hängt ein Vorgang, den man beim Namen nennen muss. Oskar Meyer war jüdischer Herkunft. Durch die nationalsozialistische Judenverfolgung verlor er seine Kassenzulassung und musste Haus und Praxis 1936 weit unter Wert verkaufen. Das Wohnungsinventar wurde versteigert. 1937 gelang ihm mit seiner Familie die Emigration nach London. Er starb 1959. Ein Arzt, der hier siebenundzwanzig Jahre gearbeitet hatte, verlor sein Haus nicht durch Krieg oder Feuer, sondern durch Verwaltungsakte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Innere für Arztpraxen und Büroräume weitgehend umgestaltet. Erhalten blieb das bauzeitliche klassizistische Treppenhaus. Seit 1967 steht das Äußere des Hauses unter Denkmalschutz, insbesondere die Straßenfassade. Seit einem Umbau 2007 und 2008 dient das Haus als Theaterhaus für verschiedene Gruppen, zunächst privat geführt. Dafür wurde das Erdgeschoss umgebaut. Der Theatersaal fasst etwa hundert Zuschauer. Die Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit, die hier schon einmal Mieterin war, erwarb Haus und Grundstück 2014 und bewirtschaftet es seither. Heute sitzen hier die Taschenoper Lübeck und die Schauspielschule der Gemeinnützigen.
Sie stehen vor dem Theaterhaus in der Königstraße 17. Das Grundstück ist seit 1284 als bebaut bezeugt. Der Kaufmann und Konsul Peter Hinrich Rodde ließ 1854 den klassizistischen Neubau errichten, dem das Haus seine heutige Gestalt verdankt. Heute spielt hier die Taschenoper Lübeck.
In diesem Haus wird heute Theater gespielt. Hier saß einmal eine Post, später eine Schule für Frauen, in der man Rechnen, Zeichnen und Kochen lernen konnte. Danach kam ein Arzt. Er behandelte Menschen mit kaputten Knochen und baute hinten im Garten einen Saal voller Turngeräte. Dieser Arzt war Jude. In der Nazi-Zeit durfte er nicht mehr arbeiten und musste sein Haus 1936 viel zu günstig verkaufen. Ein Jahr später floh er mit seiner Familie nach London. Findest du heraus, welcher Teil des Hauses noch aus seiner Zeit stammt?
Koordinaten: 53.869932, 10.689553 · auf der Karte