Sie stehen an der Bibliothek der Hansestadt Lübeck. Warum eine Handelsstadt im 17. Jahrhundert plötzlich eine öffentliche Bibliothek baut, ist eine offene Frage, und eine Quelle sagt das auch so: Die historischen Forschungen kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Es gibt zwei Erklärungen. Die erste: Man habe mit achtzigjähriger Verspätung eine Anregung von Johannes Bugenhagen aus der Kirchenordnung von 1531 umgesetzt, einen Ort für die guten und die schlechten Bücher zu schaffen. Die zweite: Hintergrund sei eine 1613 und 1614 erbittert geführte Debatte zwischen Senat und Geistlichkeit über konfessionelle Toleranz gewesen, in der Superintendent Stampelius gegen die Mehrheit der Geistlichen für die Toleranz argumentierte. Beide Erklärungen stehen nebeneinander, und ich löse das nicht auf. Die Daten: 1613 Besichtigung der Räume im ehemaligen Katharinenkloster, 1616 das Gesuch von Stampelius und dem Rektor Johann Kirchmann, 1616 bis 1620 Um- und Neubau unter Leitung des Ratsherrn Jürgen Pavels. Die erste Bibliotheksordnung von 1622 gilt als Eröffnung, die selbst im Mai 1622 stattgefunden haben soll. Wikidata nennt 1619. Ab 1622 waren die Bestände der Öffentlichkeit zugänglich, im Dormitorium des Klosters, das man dafür mit einer eichenen Regalanlage ausstattete. Dort hängen 61 geschnitzte Wappen und Namensinschriften der zwischen 1616 und 1619 tätigen Bürgermeister, Ratsherren, Geistlichen und Lehrer. Diese Wappen sind die eigentliche Aussage: Die Bibliothek war eine gemeinsame Sache der weltlichen und der geistlichen Obrigkeit. Nun das Wachsen. Die Hälfte der übernommenen Ratsbibliothek bestand aus der Büchersammlung des Ratssyndikus Simon Batz, die der Rat bei dessen Tod 1464 für 300 Rheinische Gulden übernahm. 1754 zählte die Bibliothek über 9.000 Bände, 1821 etwa 35.000, 1899 dann 105.000. Damit durfte sie sich zu den großen Bibliotheken der Welt zählen. Bezahlt wurde das auf eine Weise, die man sich kaum ausdenken kann: Der Ankaufsetat speiste sich aus den Strafgeldern des Konsistorialgerichts, zuständig für Ehe- und Familiensachen, und aus einer Abgabe von zwei Prozent auf den Ertrag aller in Lübeck abgehaltenen Buchauktionen. 1806 kam die Bibliothek des Michaeliskonvents der Beginen hinzu und damit ein Schatz an mittelniederdeutschen Handschriften aus dem 15. Jahrhundert. Und dann 1933: Direktor Willy Pieth, seit 1919 der erste professionelle Bibliothekar des Hauses, wurde am 1. Juli entlassen, ebenso sein Stellvertreter und die Leiterin der Öffentlichen Bücherei. Neuer Direktor wurde ein Parteigenosse, und das Interesse der neuen Herren richtete sich auf die Aussonderung von Schriften und Autoren. Nach dem Luftangriff von 1942 wurden die wichtigsten 28.000 Bände in Salzbergwerke bei Bernburg ausgelagert.
Sie stehen an der Bibliothek der Hansestadt Lübeck, nach eigenen Angaben die reichste Altbestandsbibliothek Schleswig-Holsteins. Die Bestände wurden ab 1616 im ehemaligen Katharinenkloster zusammengefasst. Zum Jahr der Eröffnung gibt es zwei Angaben: Wikidata nennt 1619, eine Quelle 1622.
Hier stehen sehr viele alte Bücher. Manche sind mit der Hand geschrieben, weil es damals noch keine Druckmaschinen gab. Geöffnet war sie nur an zwei Tagen in der Woche, und nur drei Stunden lang. Spannend ist, woher das Geld für neue Bücher kam. Ein Teil waren Strafgelder von Leuten, die sich vor Gericht gestritten hatten. Mit dem Geld für Streit wurden also Bücher gekauft. Im Krieg hat man die wertvollsten 28.000 Bücher versteckt, tief unten in einem Salzbergwerk. Welches Buch würdest du retten, wenn du nur eins mitnehmen könntest?
Koordinaten: 53.8685, 10.6894 · auf der Karte