Sie stehen vor der Fleischhauerstraße 20, heute auch Königstraße 67a. Erbaut wurde das Haus von 1906 bis 1908 als städtisches Verwaltungsgebäude. Das Grundstück ist viel älter: Es wurde erstmals 1293 als bebaut erwähnt. Die Stadt kaufte es 1899 und nutzte es zunächst als Militär-Casino, 1908 zog die Finanzbehörde ein. Danach waren das Lübeckische Finanzamt und die städtische Verwaltung jahrelang Nutzer. Die Hausnummer an der Königstraße wanderte dabei mit: zuerst 69, dann 67, heute 67a. Gehen wir hinein, soweit man kommt. Gegenüber dem Eingang lag der heute zugemauerte Durchgang zum Kassensaal. Rechts liegt die Haupttreppe, die sich um den Fahrstuhl windet, und dieser Fahrstuhl verrichtet nach wie vor seinen Dienst. Der Kassensaal war ein mit einem Glasdach überdeckter Saal, der bis vor die Schalter reichte. Heute ist der Boden unter dem Glasdach entfernt und ein Zwischengeschoss eingezogen, in Höhe der oberen Fenstersprosse zur Königstraße. Der Lichthof reicht bis in den Keller. Für die Obergeschosse bildet der Kassensaal einen offenen Hof, um den sich die beiden Gebäudeflügel gruppieren, mit den Büroräumen an den Fluren. Die rundbogigen Fenster zur Königstraße wurden bei Umbauten zu Arkaden erweitert, die längsseits in einen Bogengang führen. Und nun das Stück, das hier eigentlich nicht hingehört. Im zweiten Obergeschoss steht ein Saal aus dem 18. Jahrhundert, der aus dem Seitenflügel des einstigen Dimpkerschen Hauses in der Breiten Straße 12 stammt. Er ist von 1762 und gilt als eines der wichtigen erhaltenen Rokoko-Interieurs der Stadt: eine reiche Stuckdecke mit Rocaillen und Blumenranken in den Voluten, eine Täfelung aus Eichenholz, in deren Feldern vergoldete Rocaillen und Blumengehänge sitzen. Zwei reich ornamentierte Wandspiegel an der Fensterseite hellen den Raum auf. In der Täfelung steckt ein Wandschrank, in der Ofennische steht ein Kachelofen aus Stockelsdorfer Fayence, blau-weiß, in Gold abgesetzt. Auftraggeber dieses Innenausbaus war der Lübecker Bürgermeister Joachim Peters. Ein Saal also, der in einem anderen Haus für einen Bürgermeister gebaut wurde und seit gut hundert Jahren in einem Finanzamt steht. Zuletzt das Erdgeschoss, das heute der Einzelhandel nutzt. Im Flügel saß die Firma Hintze und Stech, danach die Lübecker Buchhandlung Weiland mit ihrem Hauptsitz. Weiland wurde 2012 von Hugendubel übernommen und verschwand Ende Oktober desselben Jahres als Name aus Lübeck.
Sie stehen vor dem Haus Fleischhauerstraße 20, heute auch Königstraße 67a. Es wurde von 1906 bis 1908 als städtisches Verwaltungsgebäude erbaut. Das Grundstück war schon 1293 als bebaut erwähnt. Im zweiten Obergeschoss liegt ein Rokoko-Saal von 1762.
Dieses Haus wurde vor über hundert Jahren für Büros gebaut. Hier arbeiteten Leute, die für die Stadt das Geld zählten. Der Fahrstuhl von damals fährt übrigens immer noch. Im zweiten Stock steckt eine Überraschung. Dort steht ein ganz alter Prunkraum mit goldenen Verzierungen, einem Kachelofen und Spiegeln. Das Verrückte ist: Dieser Raum gehörte ursprünglich in ein anderes Haus in einer anderen Straße. Man hat ihn abgebaut und hier wieder eingebaut. Würdest du ein Zimmer aus deinem alten Zuhause mitnehmen, wenn du umziehst?
Koordinaten: 53.867, 10.6873 · auf der Karte