Stadtohr

Stadtrundgang Lübeck · Station 4 von 16

Museumsquartier St. Annen

1915 · museum, kloster, flügelaltäre, kunsthalle

Ausführlich

Sie stehen vor dem Museumsquartier St. Annen. Es gibt Sammlungen, die durch Reichtum entstehen, und solche, die durch eine Entscheidung entstehen. Diese hier gehört zur zweiten Art. 1888 sprach sich der Kunsthistoriker Theodor Hach in einer Denkschrift für ein eigenständiges Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Lübeck aus. 1912 beschloss der Senat den Umbau des ehemaligen St.-Annen-Klosters zum Museum. Dafür mussten Grundrisse geändert werden, denn man wollte Dielen und Täfelungen aus Lübecker Bürgerhäusern übernehmen. Eröffnet wurde kriegsbedingt verspätet, am 23. September 1915, unter dem Museumsdirektor Karl Schaefer. Nun zu der Entscheidung, die alles trägt. Ein Senatsdekret von 1818 stellte die Denkmäler des Altertums und der Kunst unter Schutz, und darauf baute im 19. Jahrhundert die sichernde Sammeltätigkeit von Carl Julius Milde auf. Deshalb besitzt dieses Museum heute die größte Anzahl mittelalterlicher Flügelaltäre in Deutschland. Hier hängt der Lukas-Altar der Maler von Hermen Rode, der Schonenfahreraltar von Bernt Notke, dessen Triumphkreuz Sie im Dom gesehen haben, der Antonius-Altar von Benedikt Dreyer und der Passionsaltar von Hans Memling, den die Familie Greverade ursprünglich für den Dom gestiftet hatte. Die Niendorfer Madonna von Johannes Junge, eine der wertvollsten Skulpturen des Hauses, wurde 1926 in Lübeck-Niendorf in einer Scheune gefunden. Eine Sammlung fehlt hier fast vollständig, und dafür gibt es einen Namen. Das Rats-, Zunft- und Kirchensilber stammt überwiegend aus der Zeit nach der Reformation, denn Lübecks Bürgermeister Jürgen Wullenwever ließ fast das gesamte mittelalterliche Lübecker Kirchensilber einschmelzen, um damit den Krieg gegen Dänemark zu finanzieren. Was Sie sehen, ist das, was danach kam. Dazu kommen die Lübecker Wohnkultur von der Renaissance bis zum Klassizismus, am eindrucksvollsten eine vollständig erhaltene Barockdiele von 1736, norddeutsche Fayencen, eine Spielzeugsammlung und historische Musikinstrumente, unter ihnen der von Arp Schnitger gestaltete Spieltisch der ehemaligen Domorgel. Nicht öffentlich gezeigt wird eine Fotosammlung von rund 450 künstlerischen Fotografien, die Carl Georg Heise in den 1920er Jahren aufbaute, darunter allein 212 Arbeiten von Albert Renger-Patzsch. Nach Heises Entlassung 1933 wurde sie nicht weitergeführt und geriet in Vergessenheit. Heute gilt sie als eine der umfassendsten Sammlungen von Fotografien der Neuen Sachlichkeit in Deutschland. Nebenan steht die Kunsthalle St. Annen, 2003 modern erbaut unter Einbeziehung der Überreste der 1843 abgebrannten Klosterkirche, ein Geschenk der Possehl-Stiftung an die Stadt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Museumsquartier St. Annen in den Gebäuden des ehemaligen St.-Annen-Klosters. Begründet wurde es 1915. Das St. Annen-Museum besitzt die größte Anzahl mittelalterlicher Flügelaltäre in Deutschland. Daneben liegt die Kunsthalle St. Annen von 2003.

Für Kinder

Dieses Museum war früher ein Kloster. Heute hängen hier die meisten mittelalterlichen Klappaltäre in ganz Deutschland. Ein Klappaltar ist ein großes Bild mit Flügeln, die man wie Türen zuklappen kann. Eine Figur hier hat eine seltsame Geschichte. Eine wertvolle Madonna aus Holz wurde 1926 in einer Scheune gefunden. Jemand hatte sie dort einfach stehen gelassen. Was glaubst du, wie sie dorthin gekommen ist? Im Museum gibt es auch altes Spielzeug aus Lübeck zu sehen.

Quellen

Koordinaten: 53.862777777, 10.689166666 · auf der Karte

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