Stadtohr

Stadtrundgang Lübeck · Station 8 von 16

Königstrasse 1-3

1880–1882 · neorenaissance, geschäftshaus, versicherung, welterbe

Ausführlich

Sie stehen vor dem Haus Königstraße 1 bis 3, einem Neorenaissance-Gebäude und Teil des Flächendenkmals des UNESCO-Welterbes. Zuerst die Quellenlage, denn hier widerspricht sich eine Quelle. Einleitend nennt er Julius Grube als Erbauer und 1908 als Jahr der Erweiterung. Im Abschnitt zur Baugeschichte heißt es dagegen, aus dem Wettbewerb sei der Entwurf von Ferdinand Münzenberger hervorgegangen, der die Bauausführung gemeinsam mit dem Architekten Ernst Dalmer übernahm, und die Erweiterung durch einen Seitentrakt sei 1907 erfolgt. Ich nenne Ihnen beides und glätte es nicht. Vor 1880 stand an dieser exponierten Stelle das Stadthaus der Ratsfamilien Behn und Fehling. Das Haus Königstraße 1 wurde 1299 erstmals erwähnt, als der Ratsherr Hinrich Vendenguth es kaufte. Dann kam die Versicherung. Die 1828 von Carl Wilhelm Vermehren gegründete und unter August Wichmann stark expandierende Deutsche Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Lübeck wollte hier ein repräsentatives Verwaltungsgebäude. Nun das Programm des Hauses, und es ist eine Aufzählung von Vorsicht. Büros, Archive und Verwaltungsräume sollten feuersicher unterkommen. Der Bürotrakt durchzog als durchgehende, zweischiffig gewölbte Halle den ganzen Nordflügel zum Heiligen-Geist-Hospital hin. Die zahlreichen Eisenschränke standen zwischen je zwei Fenstern in Wandnischen, feuersicher. Sämtliche Räume im Erd- und Kellergeschoss sind gewölbt. Alle Keller- und Erdgeschossfenster und die äußeren Türen bekamen schmiedeeiserne Gitter. Eine Lebensversicherung verwaltet Versprechen auf Jahrzehnte, und dieses Haus ist aus diesem Gedanken gebaut. Schauen Sie jetzt die Fassade an. Sie zeigt Formen der Niederländischen Renaissance, mit Wechsel von rotem Backstein und hellen Sandstein-Gliederungen über einem hohen Sockel. Die Verblendziegel kamen aus schlesischen Ziegeleien, der Sandstein aus Mehle bei Hildesheim, der Sockel ist aus belgischem Granit. Zwei Details sind Fundstücke. Für die Haupteingangstür verwendete man ein altes Gitter, das aus Augsburg stammte, mit einigen Veränderungen. Und in einer Nische des Zwerchgiebels zur Königstraße steht eine barocke Sandsteinfigur mit Palmwedel, die noch von der Fassade des abgebrochenen Vorgängerbaus stammt. Ein Haus von 1882, das ein Stück seines Vorgängers trägt. Das Obergeschoss war als großbürgerliche Direktorenwohnung angelegt, mit Stuck- und Kassettendecken, Paneelen und aufwändigen Rahmungen. Bis um 2000 diente das Gebäude seinem Zweck. Die Gesellschaft firmierte ab 1920 als Lübeck-Schweriner Lebensversicherung und gehörte ab 1927 zum Allianz-Konzern. Heute sind hier Wohnungen und Praxen.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Haus Königstraße 1 bis 3, einem Neorenaissance-Gebäude von 1880 bis 1882. Erbaut wurde es als Geschäftshaus für die Deutsche Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Lübeck. Es ist Teil des Flächendenkmals des UNESCO-Welterbes. Heute sind darin Wohnungen und Praxen.

Für Kinder

Dieses Haus wurde für eine Versicherung gebaut. Eine Versicherung verspricht Menschen Geld, wenn etwas Schlimmes passiert. Darum musste das Haus besonders sicher sein. Alle Papiere lagen in Eisenschränken in den Wänden, und vor allen Fenstern unten sind Gitter aus Eisen. Schau dir die Wand an: rote Ziegel und helle Steine wechseln sich ab, wie ein Muster. Oben in einer Nische steht eine Steinfigur mit einem Palmblatt. Die ist älter als das Haus und stammt vom Haus, das vorher hier stand. Warum hat man sie wohl behalten?

Quellen

Koordinaten: 53.870789, 10.689715 · auf der Karte

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