Stadtohr

Stadtrundgang Lübeck · Station 2 von 16

Holstentorhalle

1926 · backsteinexpressionismus, stiftung, denkmalschutz, musikhochschule

Ausführlich

Sie stehen vor der Holstentorhalle, und dieses Haus hat mehrere Leben gehabt. 1913 schenkte der Kaufmann und Senator Emil Possehl der Stadt Lübeck 800.000 Mark für ein Volkshaus neben dem Holstentor und den Salzspeichern. Es sollte Kaiser-Wilhelm-Volkshaus heißen. Dann kam der Erste Weltkrieg, und der Bau blieb liegen. Erst in den 1920er Jahren wurde er umgesetzt. Der Architekt und Lübecker Oberbaurat Friedrich Wilhelm Virck entwarf die Backsteinhalle mit Spitzbogendach aus Holzbindern. Schauen Sie auf das Dach, diese Form ist das Erkennungszeichen. Eröffnet wurde die Halle im September 1926 mit einer Handwerks- und Gewerbemesse, als 700-Jahr-Halle, zur Jubiläumsfeier der Lübecker Reichsfreiheit. Die bestand damals seit 1226. Sie sollte noch elf Jahre bestehen. Was in dieser Halle gesprochen wurde, ist ein Stück deutsche Geschichte im Zeitraffer. 1929 hielt Ernst Thälmann hier eine Rede. 1933 nahm Willy Brandt, damals noch unter seinem Geburtsnamen Herbert Frahm und vor seiner Emigration, an einer Antifaschistischen Aktion teil und trat als Redner auf. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden hier nordische Feierstunden veranstaltet. 1938 lagerte man Getreide ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg, inzwischen Holstentorhalle genannt, nutzten Sportvereine das Haus. Später kamen Familienfeste zum Abschluss der Maikundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes hinzu, der im benachbarten Gewerkschaftshaus sitzt. Dazwischen stand die Halle fast auf der Abbruchliste. In den 1970er Jahren erwog die Stadt Lübeck den Abriss, um Platz für ein Warenhaus des Horten-Konzerns zu schaffen. 1981 startete die Bürgerinitiative Rettet Lübeck eine bundesweit wahrgenommene Initiative dagegen, und sie war erfolgreich. Im Januar 1990 wurde die Holstentorhalle unter Denkmalschutz gestellt. Bis 1994, bis die Musik- und Kongresshalle fertig war, diente sie als Konzert- und Veranstaltungshalle. 2005 begann der Umbau des Halleninneren unter Leitung des Architekten Kuno Dannien, Mauerwerk und Dach wurden saniert. Dafür stellte die Possehl-Stiftung 3,5 Millionen Euro zur Verfügung, also wieder Possehl, zweiundneunzig Jahre nach der ersten Schenkung. Zwei Etagen mit Proben- und Chorräumen, Musikstudio und Hörsälen wurden eingebaut, die Dachkonstruktion blieb auf Auflage des Denkmalschutzes sichtbar. Am 28. April 2007 wurde die Halle an die Musikhochschule übergeben. Das Haus gehört der Stadt, die Einbauten gehören dem Land Schleswig-Holstein als Träger der Hochschule, das mit 350.000 Euro vier Flügel und die technische Ausstattung bezahlte. Mit dem Hauptgebäude der Hochschule am anderen Traveufer verbindet eine Fußgängerbrücke vom Frühjahr 2007, die im Volksmund schon Professorenbrücke heißt. Wenn Sie Glück haben, hören Sie beim Vorbeigehen jemanden üben.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Holstentorhalle, einer ehemaligen Messe- und Ausstellungshalle des Backsteinexpressionismus. Eröffnet wurde sie im September 1926 als 700-Jahr-Halle. 2007 wurde sie nach einem Umbau an die Musikhochschule Lübeck übergeben.

Für Kinder

In diesem Haus wird heute Musik geübt. Studenten spielen hier Klavier, singen im Chor und machen Aufnahmen. Gebaut wurde es aber für etwas völlig anderes: für eine Messe, auf der Handwerker ihre Arbeit zeigten. Bezahlt hat es ein reicher Kaufmann, der der Stadt viel Geld schenkte. Dann wollte die Stadt das Haus abreißen und ein Kaufhaus bauen. Da haben Lübecker sich zusammengetan und dagegen gekämpft. Sie haben gewonnen. Was würdest du tun, wenn ein altes Haus in deiner Stadt abgerissen werden soll?

Quellen

Koordinaten: 53.865, 10.6786 · auf der Karte

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