Stadtohr

Stadtrundgang Lübeck · Station 1 von 16

Holstentor

1478 · stadttor, stadtbefestigung, spätgotik, wahrzeichen

Ausführlich

Willkommen in Lübeck. Wir fangen draußen an, vor der Stadt. Sie stehen vor dem Holstentor, dem Wahrzeichen, fertiggestellt 1478. Über dem Durchgang steht auf der Stadtseite die Inschrift S.P.Q.L., eingerahmt von den Jahreszahlen 1477 und 1871. 1477 war das vermeintliche Datum der Erbauung, das zutreffende ist nach heutigem Wissen 1478. Es gibt also zwei Jahreszahlen, und eine davon steht in Stein. 1871 war das Jahr der Restaurierung und das der Reichsgründung. Die Inschrift hatte das römische S.P.Q.R. zum Vorbild und sollte für Senat und Volk von Lübeck stehen. Vorher stand hier nichts, und das war sinnvoll, denn der Blick auf die unteren Bereiche war von der Stadtseite durch hohe Mauern versperrt. Nun gehen Sie um das Tor herum und schauen genau. Die Stadtseite ist reich mit Fenstern geschmückt, und die drei Türme auf dem Giebel sind nur von hier zu sehen. Zur Feldseite zeigen nur wenige kleine Fenster, dafür Schießscharten und die Öffnungen der Geschützkammern. Die Mauern sind dort 3,5 Meter dick, zur Stadtseite unter einem Meter. Es gibt die Überlegung, dass man das Tor im Notfall von der Stadtseite schnell zerstören wollte, damit es keinem Feind in die Hände fiel. In jedem Turm lagen im Erdgeschoss und in den beiden Obergeschossen je drei Geschützkammern. Die im Erdgeschoss sind nicht erhalten, denn das Bauwerk ist im Laufe der Jahrhunderte eingesunken: Sie liegen heute 50 Zentimeter unter dem Erdboden. Der Mittelbau hat keine Schießscharten. Die Fenster über dem Durchgang waren dazu gedacht, einen eindringenden Feind mit Pech oder kochendem Wasser zu übergießen. Und der Durchgang selbst hatte einmal mehr als ein Gitter. Das Fallgatter von 1934 entspricht nicht den ursprünglichen Anlagen. Früher hing hier ein Orgelwerk: Die Eisenstangen wurden einzeln heruntergelassen, nicht als Ganzes. So konnte man alle bis auf eine oder zwei senken und abwarten, um eigenen Leuten noch das Hindurchkommen zu ermöglichen oder durch die Verengung feindliche Reiterei und Fahrzeuge mit geringem Aufwand aufzuhalten. Schauen Sie zuletzt auf die zwei Terrakottabänder, die rund um das Gebäude laufen. Die Platten sind meist quadratisch, 55 Zentimeter Kantenlänge, und zeigen eines von drei Ornamenten: vier heraldische Lilien, ein symmetrisches Gitter oder vier Distelblätter. Eine Reihenfolge ist nicht erkennbar, aber nach jeweils acht Platten folgt ein Wappenschild mit dem Lübschen Adler oder einem stilisierten Baum, eingerahmt von zwei Männerfiguren. Nur drei der ursprünglichen Platten sind als Museumsexemplare erhalten. Alles, was Sie sehen, stammt aus der Restaurierung zwischen 1865 und 1870, und man hat sich dabei viel Freiheit erlaubt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Holstentor, dem Wahrzeichen Lübecks. Es wurde 1478 fertiggestellt und begrenzt die Altstadt nach Westen. Neben dem Burgtor ist es das einzige erhaltene Stadttor der Stadt. Seit 1950 ist darin das Stadtgeschichtliche Museum untergebracht.

Für Kinder

Du stehst vor dem Holstentor. Es war einmal ein Eingang in die Stadt, mit einem Gitter und einer Wache. Geh einmal um das Tor herum und schau genau hin. Auf einer Seite gibt es viele Fenster, auf der anderen fast keine. Die Seite ohne Fenster zeigte nach draußen. Dort hat man Löcher für Kanonen und Gewehre eingebaut, denn von draußen kamen die Feinde. Die Fenster über dem Durchgang hatten eine unangenehme Aufgabe. Von dort goss man heißes Wasser auf Angreifer hinunter. Fällt dir auf, dass das Tor ein bisschen schief im Boden steht?

Quellen

Koordinaten: 53.8662, 10.6797 · auf der Karte

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