Sie stehen auf dem Marktplatz von Ludwigsburg. Die Stadt um Sie herum ist ein Plan, der Wirklichkeit wurde. Ludwigsburg ist nicht wie die meisten Städte Europas über Jahrhunderte gewachsen, sondern wurde Anfang des 18. Jahrhunderts am Reißbrett entworfen. Herzog Eberhard Ludwig strebte nach der Würde eines Kurfürsten, vergeblich. Seinen Anspruch sollte ab 1709 eine ganze Stadt sichtbar machen. Der Entwurf legte das Schloss in die Hauptachse. Westlich davon sollten die Wohnhäuser entstehen, in einem rechtwinkligen Straßenraster um einen zentralen Marktplatz. Genau dort stehen Sie. Der Platz ist ungefähr 110 Meter lang und 80 Meter breit und hat aus jeder Himmelsrichtung einen Zugang. Die Häuser entwarf der Italiener Donato Giuseppe Frisoni: zweigeschossig, ohne Zwischenräume aneinandergereiht, so dass geschlossene Straßenfluchten entstanden. Alleen lockerten das Bild auf. Schauen Sie auf die Arkaden. Im Erdgeschoss sitzen heute Gastronomie und Einzelhandel. Dann auf die beiden Kirchen, die sich gegenüberstehen: die evangelische Stadtkirche im Westen, die katholische Kirche im Osten. Nördlich der Stadtkirche steht das Geburtshaus von Friedrich Theodor Vischer. Eine Stadt braucht Bürger. Am 3. September 1718 bekam der Ort die Stadtrechte, und der Herzog warb mit großen Versprechen: fünfzehn Jahre Steuerfreiheit, Land und Baumaterial umsonst, später auch Zoll- und Religionsfreiheit. Trotzdem wuchs die Stadt nur langsam. Denn der Herzog wählte seine Bürger selbst aus. Sie mussten mindestens tausend Taler besitzen und durften keine Bauern sein. Von den ersten einundzwanzig Bewerbern erhielten nur zwei die Erlaubnis. Er wollte wohlhabende Bürger und bekam vor allem Arme: Auf der Schlossbaustelle arbeiteten Handwerker, Knechte, Mägde, Tagelöhner und Hofbedienstete, zeitweise machten Geringverdiener die Hälfte der Bevölkerung aus. Die Einwohner blieben vom Hof abhängig. Im selben Jahr 1718 ließ Eberhard Ludwig die Hauptstadt Württembergs von Stuttgart hierher verlegen. Stuttgarter Beamten, die sich weigerten, drohte er mit Entlassung. Viele zogen in Häuser, die feucht und erst halb ausgebaut waren, wie der Staatsrechtler Johann Jakob Moser klagte. Beim Tod des Herzogs zählte Ludwigsburg 6000 Einwohner, halb so viele wie Stuttgart. Einen schlechten Ruf in bürgerlichen Kreisen hatte die Stadt wegen der Sitten- und Moralvorstellungen des Hofes.
Sie stehen auf dem Marktplatz, dem Mittelpunkt der barocken Planstadt. Der Platz misst etwa 110 mal 80 Meter. Der Italiener Frisoni gestaltete ihn im 18. Jahrhundert. Arkadenhäuser fassen ihn ein, und zwei Kirchen stehen sich gegenüber: im Westen die evangelische, im Osten die katholische.
Du stehst auf einem Platz, den es schon als Plan gab, bevor es die Stadt gab. Ein Herzog wollte eine ganze Stadt bauen. Die Straßen sollten gerade sein und im rechten Winkel zueinander laufen, wie bei Karopapier. Die Häuser standen ohne Lücken nebeneinander. Mitten in diesem Raster liegt der Marktplatz. Der Herzog lockte Leute mit Geschenken in die neue Stadt: fünfzehn Jahre keine Steuern, Land und Baumaterial umsonst. Trotzdem kamen nur wenige. Was würdest du dir wünschen, damit du in eine ganz neue Stadt ziehst?
Koordinaten: 48.8974075, 9.1915497 · auf der Karte