Stadtohr

Stadtrundgang Limburg an der Lahn · Station 8 von 16

Walderdorffer Hof

1665–1668 · hofanlage, frühbarock, walderdorff, denkmal

Ausführlich

Sie stehen vor dem Walderdorffer Hof an der Fahrgasse 5, einer großen, denkmalgeschützten Hofanlage in der Altstadt. Zuerst die Besitzer. Auf dem Grundstück stand eine mittelalterliche Anlage, die 1435 erstmals erwähnt wurde. Sie gehörte zunächst Otto Eschenauer, dann den Ruppels von Heringen und fiel schließlich an die Grafen zu Diez. Um 1540 heiratete Eva von Diez den Philipp von Walderdorff, und damit kamen Anlage und Grundstück an das Haus Walderdorff. Die Hofanlage, die Sie heute sehen, entstand von 1665 bis 1668 unter Wilderich von Walderdorff, dem späteren Erzbischof von Wien, und seinem Bruder Johann Philipp von Walderdorff, Domherr in Speyer und Trier. Sie erwarben einige Grundstücke im Südwesten und erweiterten die Anlage erheblich. Der spätmittelalterliche Wohnturm und Teile des Kellers wurden in den Neubau einbezogen. Der Hof diente vor allem als Verwaltungssitz für die umfangreichen Ländereien und Immobilien der Walderdorffs in Limburg und Diez. Ihr Hauptwohnsitz war ein anderer Walderdorffer Hof, in Mainz. Den Bau plante der Italiener Antonio Rigi, der in Mainz als Festungsbaumeister tätig war. Die Bauaufsicht hatte Bartolomeo Banizo, ausgeführt wurde er vom Steinmetzmeister Giovanni Angelo Barella und vom Limburger Maurermeister Johann Maus. Die italienischen Bauleute hatten schon 1660 am Walderdorffer Hof in Mainz mitgearbeitet. Die Baukosten betrugen insgesamt 13.575 Gulden und 166,5 Malter Getreide, was eine beträchtliche Summe war. Architektonisch steht der Hof an der Wende von Spätrenaissance zu Frühbarock. Vier Flügel gruppieren sich um einen Binnenhof mit offenen Arkaden. Nördlich schließt sich der Wirtschaftshof an, mit Stallungen und Scheunen. Beide Höfe erreicht man von der Fahrgasse aus durch je ein großes Portal. Den Namen Walderdorff kennen Sie schon: Der Mariengarten am Bischofshaus gehörte den Grafen von Walderdorff, und für den Domfriedhof kaufte die Stadt einst Teile des Walderdorffer Gartens. Im 19. Jahrhundert ließen sich hier die Pallottiner nieder, als sie erstmals nach Deutschland kamen. Der Verfall nahm über die Jahre zu, erst 1959 wurde ein Teil saniert. 1989 verkauften die Grafen von Walderdorff den Komplex. Der Unternehmer Reinhard Ernst sanierte und modernisierte ihn grundlegend. Heute gehört die Anlage der Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung und dient als Wohn- und Geschäftshaus. 2015 wurde das Ehepaar Ernst für die denkmalgerechte Sanierung mit dem Großen Denkmalpreis der Stiftung der Deutschen Burgenvereinigung ausgezeichnet.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Walderdorffer Hof an der Fahrgasse 5, einer großen Hofanlage an der Wende von Spätrenaissance zu Frühbarock. Die Familie von Walderdorff ließ sie 1665 bis 1668 bauen, italienische Baumeister waren beteiligt. Heute ist sie ein Wohn- und Geschäftshaus.

Für Kinder

Das ist der Walderdorffer Hof, eine große Hofanlage. Sie wurde von 1665 bis 1668 für die Familie von Walderdorff gebaut. Vier Flügel stehen um einen Innenhof mit offenen Bogengängen, den Arkaden. Findest du die Bögen? Den Plan zeichnete ein Italiener, Antonio Rigi. Die Familie wohnte hier nicht ständig: Ihr Hauptwohnsitz war ein Walderdorffer Hof in Mainz. In Limburg war der Hof vor allem der Verwaltungssitz für ihre Ländereien und Häuser. Heute wohnen und arbeiten Menschen in der Anlage.

Quellen

Koordinaten: 50.3893, 8.06362 · auf der Karte

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