Stadtohr

Stadtrundgang Leipzig · Station 6 von 16

Zimmermannsches Kaffeehaus

· kaffeehaus, bach, musik

Ausführlich

Sie stehen in der Katharinenstraße, und Sie suchen vergeblich. Hier ist nichts. An der Nummer 14, Ecke Böttchergasse, stand das Zimmermannsche Kaffeehaus, zeitgenössisch Zimmermannisches Caffe-Hauß geschrieben. Das Gebäude war ein barockes Bürgerhaus, 1717 für Christian Schellhafer errichtet, den Besitzer einer Schenke am Markt; der Architekt war Christian Döring. Ab 1727 hieß es Oertelsches Haus. Die Katharinenstraße war im 18. Jahrhundert mit ihren Barockbauten eine Prachtstraße, bekannt weit über die Grenzen Leipzigs hinaus. Betrieben wurde das Kaffeehaus von Gottfried Zimmermann, und hier beginnt etwas, das man sich schwer vorstellen kann. Ab 1723 konzertierte in seinem Saal das Leipziger studentische Collegium Musicum, eine Studentenkapelle, die Georg Philipp Telemann 1702 gegründet hatte, als er in Leipzig Rechtswissenschaft studierte. Von 1729 bis 1739 leitete Johann Sebastian Bach dieses Ensemble. Zehn Jahre. Hier führte er viele seiner weltlichen Kantaten und Instrumentalkompositionen auf. Nun die Zahlen, die den Ort greifbar machen. Der Saal bot größeren Musikensembles Platz, auch solchen mit Trompeten und Pauken, und dazu etwa einhundertfünfzig Zuhörern. Gespielt wurde ganzjährig einmal pro Woche, während der drei Messen zweimal pro Woche, jeweils etwa zwei Stunden. Im Sommer verlegte man die Konzerte in Zimmermanns Kaffeegarten am Grimmaischen Steinweg, mit etwa gleicher Zuhörerzahl. Und jetzt der Satz, bei dem man kurz anhält: Eintrittsgeld wurde nicht erhoben. Keines. Bach, einmal pro Woche, kostenlos. Zimmermann verdiente nicht an Karten, er verdiente an Kaffee und Essen. Die Konzerte belebten seinen Betrieb so stark, dass er auf eigene Kosten Instrumente für das Collegium Musicum anschaffte. Ein Wirt, der ein Orchester ausrüstet, weil es die Gäste bringt. Denken Sie an das Gewandhaus zurück, wo wir angefangen haben. Diese Kaffeehauskonzerte gelten als die Vorläufer der Gewandhauskonzerte. Als deren Geburtsstunde gilt die Gründung der musikalischen Gesellschaft Großes Concert im Jahr 1743 — also zwei Jahre nachdem Zimmermann gestorben war und die Konzerte in seinem Saal geendet hatten. Die Linie ist kurz und sie ist direkt: vom Kaffeetisch in den Konzertsaal. Das Gebäude wurde durch die Luftangriffe auf Leipzig im Dezember 1943 zerstört. Der Platz blieb über sechzig Jahre unbebaut und war Teil des Sachsenplatzes. Heute steht an seiner Stelle das von Christoph Kohl erbaute Katharinum, ein Einfassungsbau des Museums der bildenden Künste und Teil des Museumsquartiers. Am Katharinum erinnert seit 2011 eine Gedenktafel daran. Zu diesem Museum gehen wir als nächstes.

Kurzfassung

Sie stehen in der Katharinenstraße. Hier, an der Nummer 14 Ecke Böttchergasse, stand das Zimmermannsche Kaffeehaus. Von 1729 bis 1739 leitete Johann Sebastian Bach hier das Collegium Musicum und spielte weltliche Kantaten. Das Haus wurde im Dezember 1943 zerstört. Heute steht an seiner Stelle das Katharinum.

Für Kinder

Hier gibt es nichts zu sehen, und das ist die Geschichte. An dieser Stelle stand früher ein Kaffeehaus. Der Wirt hieß Gottfried Zimmermann. In seinem Saal spielte zehn Jahre lang ein berühmter Musiker: Johann Sebastian Bach. Jede Woche ein Konzert, etwa zwei Stunden lang, für ungefähr einhundertfünfzig Zuhörer. Und der Eintritt war frei. Der Wirt verdiente sein Geld mit Kaffee und Essen, denn wegen der Musik kamen viele Gäste. Im Krieg wurde das Haus zerstört. Stell dir vor, bei dir im Café spielt jeden Freitag ein Orchester.

Quellen

Koordinaten: 51.3418, 12.3751 · auf der Karte

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