Stadtohr

Stadtrundgang Leipzig · Station 7 von 16

Museum der bildenden Künste

1848 · kunstmuseum, buergerschaft, provisorium

Ausführlich

Sie stehen vor dem Museum der bildenden Künste, einem grauen Quader in einem Hof. Die Leipziger nennen es Bildermuseum. Von außen sieht man ihm nicht an, dass hinter diesem Haus einundsechzig Jahre Heimatlosigkeit stehen. Anfangen müssen wir 1837. In diesem Jahr gründeten Leipziger Kunstsammler und Kunstförderer den Leipziger Kunstverein, mit einem einzigen Ziel: ein Kunstmuseum. Am 10. Dezember 1848 eröffnete der Verein das Städtische Museum, und zwar in der Ersten Bürgerschule auf der Moritzbastei, wo wir vorhin standen. Etwa einhundert zusammengetragene und gestiftete Werke, überwiegend Zeitgenössisches. Das war der Anfang. Dann wuchs die Sammlung durch Schenkungen, unter anderem von Maximilian Speck von Sternburg, Alfred Thieme und Adolf Heinrich Schletter. Und Schletter stellte 1853 eine Bedingung, die alles in Bewegung setzte: Er übertrug seine Sammlung der Stadt, aber nur, wenn binnen fünf Jahren ein eigenes Gebäude für das Museum errichtet würde. Kurz vor Ablauf der Frist, am 18. Dezember 1858, wurde der Bau eingeweiht. Er stand an der Südseite des Augustusplatzes, entworfen von Ludwig Lange in den Formen der Neurenaissance. Heute steht an dieser Stelle das Gewandhaus, von dem wir kommen. Schauen wir kurz in dieses alte Haus hinein, wie es in den 1920er Jahren war. Es fehlte an elektrischem Licht, an Abwasserkanälen, an einer Klimatisierung. Gaslampen verrußten die Räume. Den Bildern machten die Temperaturschwankungen zwischen Winter und Sommer zu schaffen, dazu Wasser, das durch undichte Zinkdächer eindrang. 1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten 394 Werke, vor allem des Expressionismus, im Rahmen der Aktion Entartete Kunst. In der Nacht zum 4. Dezember 1943 brannte das Gebäude bei einem britischen Luftangriff aus. Der Großteil der Bestände war vorher ausgelagert worden und blieb erhalten. Die Ruine wäre wiederaufbaufähig gewesen. 1962 wurde sie abgerissen. Und dann beginnt die lange Wanderung. Ab 1945 Räume in der ehemaligen Reichsbank in der Petersstraße, begleitet von jahrelangem Streit über einen Mietvertrag, der nie zustande kam. 1952 Umzug in das Gebäude des ehemaligen Reichsgerichts. Als 1992 entschieden wurde, dass dort das Bundesverwaltungsgericht einziehen soll, musste das Museum 1997 abermals umziehen, diesmal in den Handelshof. In all diesen Provisorien konnte die große Sammlung nur eingeschränkt gezeigt werden. Mitte der 1990er Jahre entschied die Stadt, dem Museum wieder ein eigenes Haus zu geben. Aus einem europaweiten Wettbewerb mit 532 Einreichungen ging der Entwurf von Karl Hufnagel, Peter Pütz und Michael Rafaelian hervor. Der Neubau kostete 74,5 Millionen Euro. Eröffnet wurde er am 4. Dezember 2004. Auf den Tag genau einundsechzig Jahre nach der Zerstörung. Das war kein Zufall, das war die Antwort.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Museum der bildenden Künste in der Katharinenstraße. Gegründet wurde es 1848 auf Initiative der Bürgerschaft. Der Neubau wurde am 4. Dezember 2004 eröffnet, genau einundsechzig Jahre nachdem das alte Museum am Augustusplatz ausgebrannt war.

Für Kinder

Du stehst vor dem Museum der bildenden Künste. Angefangen hat es 1848, und zwar nicht mit einem König, sondern mit Leipziger Bürgern, die Kunst sammelten. Ein Sammler schenkte der Stadt seine Bilder, aber nur unter einer Bedingung: Innerhalb von fünf Jahren musste ein echtes Museum gebaut werden. Im Krieg brannte dieses Museum aus. Danach hatte das Museum einundsechzig Jahre lang kein richtiges Zuhause. Erst 2004 zog das Museum in dieses Haus. Und das Eröffnungsdatum war mit Absicht gewählt: genau einundsechzig Jahre nach dem Brand.

Quellen

Koordinaten: 51.342449702, 12.375661869 · auf der Karte

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