Stadtohr

Stadtrundgang Leipzig · Station 5 von 16

Alte Handelsbörse

1678 · boerse, barock, handel

Ausführlich

Sie stehen vor der Alten Handelsbörse, auf dem Naschmarkt, gleich hinter dem Rathaus. Ein kleines, freistehendes Haus mit einer zweiarmigen Treppe davor. Schauen Sie über den Treppenaufgang: Dort halten zwei geflügelte Putten das Leipziger Stadtwappen. Dieses Haus ist das älteste Barockbauwerk der Stadt, und es entstand aus einer Peinlichkeit. Hören Sie, wie es anfing. 1666 hatte die Stadt zur Messe auf dem Marktplatz vor der Waage einen hölzernen Stand aufgebaut. Die Leipzigische Chronik von Johann Jakob Vogel beschreibt ihn als den Stand, unter welchem die Handels-Leute im Trocknen stehen. Das war die Leipziger Börse. Ein Dach gegen Regen. Nun kam zur Messe die halbe Welt. Kaufleute aus Italien und Flandern waren Börsen gewohnt, die in Aussehen und Ausstattung der Bedeutung ihrer Geschäfte entsprachen, und ihre Kritik hielt an. Eine Quelle sagt es genau: Die Leipziger Kaufleute empfanden ihre heimischen Verhältnisse immer beschämender. Dazu kam ein praktischer Grund. Es war Tradition geworden, große Geschäfte in einem neutralen Raum abzuschließen und dort zu besiegeln. Nicht beim Verkäufer, nicht beim Käufer. Auf neutralem Boden. Also handelten sie. Dreißig Großkaufleute ergriffen die Initiative. Am 6. Mai 1678 beschloss der Stadtrat den Bau, und noch im selben Monat, am 30. Mai, wurde auf dem Naschmarkt begonnen. Der Entwurf wird Johann Georg Starcke zugeschrieben, dem Oberlandbaumeister am Dresdner Hof; viele Details haben Parallelen zum Palais im Großen Garten und zum Lusthaus im Italienischen Garten in Dresden. Ausgeführt haben es der Leipziger Ratsmaurermeister Christian Richter, die Steinmetze Andreas Junghans aus Rochlitz, Hans Caspar Beck aus Laucha und Melchior Bock aus Zeitz sowie der Zimmerermeister Christian Schmied. 1679 war der Rohbau benutzbar, und benutzt wurde er sofort. Vollständig fertig war das Haus erst 1687, als Giovanni Simonetti die Stuckdecke und Johann Heinrich am Ende die sieben allegorischen Deckengemälde vollendet hatten. Oben lag der Börsensaal, unten vermietete man die Gewölbe an Kaufleute. Außerhalb der Messen diente der Saal als Redoutensaal und für Auktionen. Und jetzt die traurige Hälfte. Im Zweiten Weltkrieg brannte das Haus vollständig aus. Die Stuckdecke und die sieben Deckengemälde sind unwiederbringlich verloren. Was Sie von außen sehen, ist wiederhergestellt: ab 1955 begonnen, 1962 abgeschlossen, zwischen 1992 und 1995 noch einmal umfassend saniert, mit originalgetreuer Farbgebung und einer Fensterverglasung im Stil des 17. Jahrhunderts. Der Saal wird für Lesungen, Konzerte und Ausstellungen genutzt. Die Decke darüber ist leer. Übrigens hieß dieses Haus lange einfach die Börse. Den Zusatz Alte brauchte es erst ab 1886, als am Tröndlinring die Neue Börse eingeweiht wurde.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Alten Handelsbörse auf dem Naschmarkt. Der Stadtrat beschloss den Bau am 6. Mai 1678, begonnen wurde am 30. Mai desselben Jahres. Es ist das älteste Barockbauwerk Leipzigs und das älteste Versammlungsgebäude der Kaufmannschaft. Den Zusatz Alte trägt es erst seit 1886.

Für Kinder

Du stehst vor der Alten Handelsbörse. In Leipzig gab es dafür lange nur einen Stand aus Holz auf dem Marktplatz, mit einem Dach gegen den Regen. Zur großen Messe kamen Kaufleute aus Italien und Flandern. Die kannten von zu Hause richtige Gebäude und fanden den Holzstand armselig. Das war den Leipziger Händlern peinlich. Also beschlossen dreißig reiche Kaufleute: Wir bauen uns ein eigenes Haus. Im Krieg brannte das Haus aus. Was wärst du eher: der Händler mit dem Holzstand oder der mit dem Steinhaus?

Quellen

Koordinaten: 51.3406, 12.3757 · auf der Karte

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