Stadtohr

Stadtrundgang Leipzig · Station 9 von 16

Opernhaus Leipzig

1956 · oper, nachkriegsmoderne, buehnentechnik

Ausführlich

Sie stehen vor dem Opernhaus, gegenüber dem Gewandhaus. Ein heller Block aus Pirnaer Sandstein, in der Form einer Stufenpyramide, einhundertfünfzehn Meter breit, fünfundachtzig Meter tief, zweiundfünfzig Meter hoch, sieben Geschosse, sechshundertachtzig Zimmer mit siebenhundertsiebenunddreißig Fenstern in Aluminiumrahmen. Schauen Sie an der Dachkante entlang: Dort läuft ein Attikageländer von dreihundertfünfzig Metern Länge, und an den Gebäudeecken sitzen Friedenstauben. An dieser Stelle stand ab 1868 das Neue Theater von Carl Ferdinand Langhans, das ab 1912 die Oper beherbergte. In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1943 brannte es aus. Wieder dieses Datum. 1950 beschloss der Ministerrat der DDR, die Ruine abzureißen, obwohl sie wiederaufbaufähig war, und an ihrer Stelle neu zu bauen. Dann folgte eine Kette von Anläufen. Beim ersten Wettbewerb 1950 reichte unter anderem Hans Scharoun einen Entwurf ein; die Arbeiten wurden weder prämiert, noch hatten sie Einfluss auf die weitere Planung. 1951 schrieb man einen offenen Wettbewerb für den ganzen Platz aus. Das Ergebnis befriedigte nicht. 1952 ein dritter Wettbewerb, gewonnen vom Warschauer Architekten Piotr Biganski, dessen Entwurf dann zu aufwendig war. 1954 schließlich erhielten Kunz Nierade und Kurt Hemmerling den Auftrag. Gebaut wurde bis 1960. Auch der ausgeführte Entwurf wurde noch beschnitten: Vorgesehen waren Gesimse, Plastiken, Statuen und ein Prachtportikus. Weil man sich Mitte der 1950er Jahre von den Prinzipien des sozialistischen Klassizismus abwandte, wurde die Fassade überarbeitet und der plastische Schmuck reduziert. Am 8. Oktober 1960 wurde das Haus eingeweiht, die Kosten lagen bei 44,6 Millionen Mark. In der Festwoche eröffnete man mit Wagners Meistersingern von Nürnberg. Und dann die Pointe: Das Haus galt schon nach der Einweihung als nicht mehr zeitgemäß, weil es zu offensichtlich der klassizistischen Theaterarchitektur folgte. Es war fertig und veraltet am selben Tag. Jetzt zu dem Detail, für das sich der Weg hierher lohnt. Gehen Sie in Gedanken durch das Haus und achten Sie auf die Lampen. In der Garderobenhalle ähneln die Leuchten den Knospen von Blumen. Im Parkettfoyer, eine Treppe höher, sind die Knospen aufgeblüht und die Leuchten gleichen großen Dolden, wie bei einer Pusteblume. Im Rangfoyer, noch höher, fliegen an den großen Kronleuchtern die Schirmchen davon. Und in den Treppengeländern, auf dem Weg wieder hinunter, finden Sie die Samenkapseln. Eine Pflanze, über vier Stockwerke erzählt, in Metall und Glas. In seiner Bühnentechnik zählte das Haus damals zu den modernsten Europas. Zur Jahresangabe: Wikidata nennt 1956, eine Quelle nennt 1954 bis 1960. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Opernhaus an der Nordseite des Augustusplatzes, gegenüber dem Gewandhaus. Gebaut wurde es von 1954 bis 1960 nach einem Entwurf von Kunz Nierade und Kurt Hemmerling, im neoklassizistischen Stil. Eingeweiht wurde es am 8. Oktober 1960. Hier spielen Oper und Ballett der Oper Leipzig.

Für Kinder

Du stehst vor dem Opernhaus. Das Haus sieht aus wie eine Treppenpyramide und ist zweiundfünfzig Meter hoch. Hinter diesen Fenstern liegen sechshundertachtzig Zimmer. Vorher stand hier ein anderes Theater. Es brannte im Krieg aus. Am schönsten sind die Lampen im Inneren. Unten sehen sie aus wie Blumenknospen. Eine Treppe höher sind die Blumen aufgeblüht und sehen aus wie Pusteblumen. Noch weiter oben fliegen die Schirmchen weg, und in den Treppengeländern stecken die Samen. Welche Blume kennst du, die so pustet?

Quellen

Koordinaten: 51.340277777, 12.381388888 · auf der Karte

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