Sie stehen auf dem Johannisplatz, und hier ist die wichtigste Station des Rundgangs eine, die man nicht sehen kann. An dieser Stelle stand die Johanniskirche. Erbaut wurde sie im 14. Jahrhundert, als Nachfolgerin einer älteren Kapelle, die zum Spital des heiligen Johannes des Täufers vor dem Grimmaischen Tor gehörte. 1547, im Schmalkaldischen Krieg, wurde sie teilweise zerstört, dann abgebrochen und zwischen 1582 und 1584 neu errichtet. Den barocken Turm erhielt die Kirche erst zwischen 1746 und 1749. Während und nach der Völkerschlacht war das Haus bis 1814 ein Lazarett. Und nun zu dem Mann, dem wir heute schon dreimal begegnet sind. Am 31. Juli 1750 wurde Johann Sebastian Bach auf dem Friedhof dieser Kirche begraben. Nach den damaligen Quellen lag sein Grab, ich zitiere die Formulierung, sechs Schritte geradeaus von der Thüre an der Südseite der Kirche. Sechs Schritte. Hundertvierundvierzig Jahre später, als man das Kirchenschiff durch einen Neubau ersetzte, brach man am 22. Oktober 1894 diese Südwand ab und fand dabei Gebeine, die man für die Bachs hielt. Zusammen mit den Gebeinen des Dichters Christian Fürchtegott Gellert wurden sie am 16. Juli 1900 in Sarkophagen in einer Gruft unter dem Altar beigesetzt. Am 4. Dezember 1943 brannte die Kirche aus. 1949 ließ die Stadtverwaltung die Ruine des Kirchenschiffs abreißen und die Trümmer beseitigen. Dabei zeigte sich, dass die Särge Bachs und Gellerts unbeschädigt waren. Was dann geschah, erzählt eine Quelle in zwei Fassungen, und ich gebe Ihnen beide. Nach der einen wurden die mutmaßlichen Gebeine Bachs am 28. Juli 1949 in die Thomaskirche überführt, der Überlieferung nach mit einem Handkarren. Nach der anderen wurden die Steinsärge erst im Herbst 1949 bei der Trümmerräumung freigelegt, von einem aufmerksamen Maurer vor der Entsorgung auf der Schuttdeponie gerettet und von diesem Mann zur Thomaskirche gebracht. Welche Fassung stimmt, kann ich Ihnen nicht sagen. Beide enden damit, dass der bedeutendste Komponist dieser Stadt beinahe auf einer Deponie gelandet wäre und von einem Einzelnen aufgehalten wurde. Der gemauerte Teil des Turms hatte den Krieg überstanden und wurde 1956 teilsaniert. Es gab einen Gestaltungswettbewerb für seine Erhaltung, es gab vielfaches Engagement aus der Bürgerschaft und vom Denkmalschutz. 1963 beschloss die Stadt auf Initiative der SED trotzdem die Beseitigung. Am 9. Mai 1963 wurde der Turm gesprengt. Seit 2003, vierzig Jahre danach, arbeitet ein Bürgerverein für den Wiederaufbau des Turms an seinem historischen Standort. Am 4. Dezember 2013 wurde auf diesem Platz zunächst ein Holzkreuz errichtet, zur Erinnerung an die Bombennacht und an die Sprengung. Im November 2014 legte man die Gruft frei, untersuchte sie und deckte sie provisorisch wieder ab. Sie ist noch da, unter Ihren Füßen.
Sie stehen auf dem Johannisplatz. Hier stand die Johanniskirche, erbaut im 14. Jahrhundert und 1582 bis 1584 neu errichtet. Auf ihrem Friedhof wurde Johann Sebastian Bach 1750 begraben. Die Kirche brannte am 4. Dezember 1943 aus, die Ruine wurde 1949 abgetragen, der Turm 1963 gesprengt.
Hier stand früher eine große Kirche mit einem hohen Turm. Heute ist der Platz leer. Im Krieg brannte die Kirche aus. Die Reste riss man ab, nur der Turm blieb noch zwanzig Jahre stehen. Dann wurde auch er gesprengt, obwohl viele Leipziger ihn retten wollten. Auf dem Friedhof dieser Kirche wurde vor über zweihundertfünfzig Jahren Johann Sebastian Bach begraben, der berühmteste Musiker der Stadt. Beim Aufräumen nach dem Krieg wären seine Steinsärge fast weggeworfen worden. Ein Maurer hat sie entdeckt und gerettet.
Koordinaten: 51.33784, 12.38634 · auf der Karte