Sie stehen vor dem Grassimuseum. Treten Sie ein Stück zurück und sehen Sie, wie sich die Flügel des Hauses auseinanderspreizen, zwischen Dresdner Straße und Prager Straße. Diese Spreizung hatte einen Grund. Die Flügel waren ursprünglich auf die Johanniskirche ausgerichtet, auf den Turm, der 1963 gesprengt wurde. Das Haus zeigt noch auf etwas, das nicht mehr da ist. Zum Namen. Franz Dominic Grassi war ein Leipziger Kaufmann italienischer Herkunft. Er starb 1880 und vererbte der Stadt ein Vermögen von mehr als zwei Millionen Mark. Rechnen Sie einmal nach, was mit diesem Geld entstanden ist: das zweite Gewandhaus, von dem ich an der ersten Station erzählt habe; der Mendebrunnen, die älteste Sehenswürdigkeit auf dem Augustusplatz; und zwei Museumsgebäude. Ein Mann, ein Testament, und ein guter Teil der Leipziger Kultur stand. Das erste Grassimuseum entstand zwischen 1892 und 1895 am Königsplatz, dem heutigen Wilhelm-Leuschner-Platz. Es beherbergte das Museum für Völkerkunde und das Kunstgewerbemuseum. Heute ist dort die Stadtbibliothek. Dann wurde es zu klein, und die treibende Kraft für einen Ersatz war Richard Graul, von 1896 bis 1929 Direktor des Kunstgewerbemuseums. Auf seine Anregung wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt; die Baukosten konnten noch aus dem Erbe Grassis bestritten werden. Gewonnen hat das Leipziger Büro Zweck und Voigt, geführt von Carl William Zweck und Hans Voigt. Der städtebauliche Vorentwurf, in dem dieses Museum den Ausgangspunkt einer Stadterweiterung nach Osten bilden sollte, stammte von Stadtbaurat Hubert Ritter. Den Namen merken Sie sich, er baut uns am Ende dieses Rundgangs noch ein Hochhaus. Gebaut wurde von 1925 bis 1929, auf dem Gelände des alten Johannishospitals, das von 1278 bis 1928 bestand. Das Haus hat stilistische Anklänge an die Neue Sachlichkeit und an das Art déco und gilt als einer der wenigen deutschen Museumsneubauten aus der Weimarer Republik. Siebenundzwanzigtausend Quadratmeter Nutzfläche, um mehrere Höfe gegliedert. 1943 wurde das Haus bei einem Luftangriff schwer getroffen, zehntausende Objekte aus den Sammlungen verbrannten. Der Wiederaufbau begann 1947, 1954 öffneten die ersten Ausstellungen wieder. 1981 havarierte die Heizungsanlage, was den Ausstellungsbetrieb vier Jahre lang stilllegte. Und dann eine Entscheidung, die eine Quelle ungewöhnlich deutlich bewertet. Zwischen 2001 und 2005 wurde das Museum komplett restauriert. Dabei entschied man sich für ein Kunstlichtmuseum, also für Räume, die ohne Tageslicht beleuchtet werden, weil das kostengünstiger zu handhaben ist. Zu diesem Zweck entfernte man die einstigen Fenster aus der Fassade. Eine Quelle nennt das einen schwerwiegenden Eingriff in die denkmalgeschützte Substanz.
Sie stehen vor dem Grassimuseum am Johannisplatz. Gebaut wurde der Komplex von 1925 bis 1929 nach einem Entwurf des Büros Zweck und Voigt. Hier sind drei Museen untergebracht: für Angewandte Kunst, für Völkerkunde und für Musikinstrumente. Der Name geht auf den Kaufmann Franz Dominic Grassi zurück.
Du stehst vor dem Grassimuseum. Der Name kommt von einem Kaufmann: Franz Dominic Grassi. Als er 1880 starb, hinterließ er der Stadt über zwei Millionen Mark. Damit wurden ein Konzerthaus, ein Brunnen und zwei Museen gebaut. Ein einziger Mann, und so viele Häuser. Schau dir an, wie das Gebäude seine Flügel aufspreizt. Sie zeigten früher genau auf den Turm der Johanniskirche, die hier gleich daneben stand. Den Turm gibt es nicht mehr, die Flügel zeigen aber immer noch dorthin. Was würdest du bauen, wenn du einer Stadt etwas schenken könntest?
Koordinaten: 51.3374, 12.3883 · auf der Karte