Stadtohr

Stadtrundgang Köln · Station 9 von 16

St. Peter

1533 · gotik, zweiter weltkrieg, gegenwartskunst, jesuiten

Ausführlich

Sie stehen vor St. Peter. An dieser Station geht es um eine Nacht und um das, was man danach mit einer Ruine macht. Zuerst das Haus: Es wurde von 1512 bis 1533 errichtet, auf den Fundamenten römischer Thermen und eines bestehenden romanischen Baus, und ist der späteste erhaltene gotische Kirchenbau in Köln. Vermutlich stand hier schon in spätrömischer Zeit eine Kirche von über zwanzig Metern Länge, die dann irgendwann zwischen dem fünften und dem elften Jahrhundert zerfiel. Gesichert ist ein romanischer Vorgängerbau aus dem zehnten Jahrhundert, eine dreischiffige Emporenbasilika, der 1170 ein Westturm angefügt wurde. Nun die Nacht. In der Bombennacht vom 29. Juni 1943, dem sogenannten Peter-und-Paul-Angriff, wurde die Pfarrei von St. Peter fast restlos ausgelöscht, und die Kirche bis auf die Grundmauern und Pfeiler zerstört. Man hatte versucht, die wichtigsten Ausstattungsstücke zu sichern, Altarbilder und Kirchenfenster. Verloren gingen große Teile des opulenten Holzwerks der Altäre und der Kanzel und die Orgel, die 1907 in ein Gehäuse von 1820 eingebaut worden war. Der Wiederaufbau begann 1950 und war 1960 nahezu abgeschlossen. Dabei bestimmten zwei Dinge das Ergebnis: geringe Mittel und der Zeitgeist, die Zerstörung des Bauwerks durch Betonung der verlorenen Proportionen für die Nachwelt zu dokumentieren. Man baute also nicht zurück, man zeigte die Lücke. Das Urteil der Fachleute fiel entsprechend aus. Die Wiederherstellung sei einfühlsam erfolgt, aber letztlich nur als Fragment. Einem Theologen erschien der Raum fast protestantisch. Die neue dunkle Kassettendecke wirkte auf die Stadtkonservatorin wie ein Sargdeckel. Schauen Sie jetzt nach oben, zwischen die Obergadenfenster. Dort sind Gewölbeauflagen stehen geblieben, Ansätze, die ins Nichts führen. Sie erinnern, so ist es beschrieben worden, wie architektonische Tränen an die zerstörten Netzgewölbe. Von 1997 bis 2000 wurde noch einmal grundlegend gearbeitet, nun mit dem Ziel, einen ganzheitlichen Eindruck herzustellen. Der steinerne Hochaltar und die Altarerhöhung der Nachkriegszeit wurden abgetragen, der Ziegelboden durch einen grauen, fugenlosen Estrich ersetzt, die Wände bekamen einen Lehmputz in warmem Steinton, die dunkle Decke wurde durch eine helle ersetzt. Dieses Konzept wurde mit dem Architekturpreis Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. In diesem bewusst leeren Raum hängen drei Arbeiten, für die das Haus international bekannt ist. Die Kreuzigung Petri, wahrscheinlich das letzte Gemälde von Peter Paul Rubens, entstanden zwischen 1638 und 1640. Die Skulptur Gurrutz Aldare von Eduardo Chillida aus dem Jahr 2000, die zunächst vier Jahre lang als Altar diente. Und der Graue Spiegel von 2018, das vorletzte bildnerische Werk von Gerhard Richter. Dazu kommen die Fenster: Die Renaissance-Glasmalereien der Apsis und der Seitenschiffe stammen aus den Jahren 1528 bis 1530 und gelten als bemerkenswertes Zeugnis des Kölner Kunstschaffens im frühen 16. Jahrhundert. Die Chorfenster zeigen die Passionsgeschichte, darunter liegen Fenster mit den Stiftern. Die Kunst-Station wurde 1987 gegründet. Die Künstlerinnen und Künstler sollen den Glauben ausdrücklich nicht illustrieren, sondern der Gemeinde existenzielle Fragen auf ihre Art gegenüberstellen. Treten Sie beim Hinausgehen zurück und schauen Sie an den Turm. Über den Schallöffnungen läuft eine Lichtinstallation des Londoner Künstlers Martin Creed. Auf einer Seite steht englisch Don't Worry, auf den drei anderen dasselbe auf Latein, Griechisch und Deutsch: Sorge dich nicht.

Kurzfassung

Sie stehen vor St. Peter, dem spätesten erhaltenen gotischen Kirchenbau Kölns. Errichtet wurde er von 1512 bis 1533, auf den Fundamenten römischer Thermen und eines romanischen Baus. Seit 1960 betreuen Jesuiten die Kirche. Als Kunst-Station ist sie ein international bekannter Sakralraum.

Für Kinder

Du stehst vor St. Peter. Die Kirche wurde von 1512 bis 1533 gebaut, auf den Mauern eines römischen Badehauses. In der Nacht zum 29. Juni 1943 fielen hier Bomben. Von der Kirche blieben nur die unteren Mauern und die Pfeiler stehen. Beim Wiederaufbau machten die Baumeister etwas Überraschendes: Sie bauten nicht alles genauso zurück. Man sollte sehen, dass etwas fehlt. Schau nach oben, dort fangen Steinbögen an und hören einfach auf. Jemand hat sie architektonische Tränen genannt. Und schau dir den Turm von draußen an. Dort leuchten Wörter in vier Sprachen. Auf Deutsch steht da: Sorge dich nicht.

Quellen

Koordinaten: 50.9344, 6.95167 · auf der Karte

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