Stadtohr

Stadtrundgang Köln · Station 8 von 16

Museum Schnütgen

1910 · museum, mittelalter, sammlung, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor dem Museum Schnütgen, und diese Station ist die Geschichte einer Rettung. Alexander Schnütgen war Domkapitular. Seine Sammlung entstand aus dem Bedürfnis, Kunstgegenstände über eine Zeit hinweg zu retten, in der sie als altmodisch oder wertlos galten und zu verfallen drohten. Sein Motto war lateinisch und lautet übersetzt: Sammelt die übrig gebliebenen Stücke, damit sie nicht zugrunde gehen. Hören Sie, was er zusammengetragen und in seinem Privathaushalt aufbewahrt hat, wie er es selbst in einer Zeitschrift verzeichnete: 500 Tafel- und Miniaturgemälde, 200 Glas- und Hinterglasmalereien, fast 600 Skulpturen, über 1000 Metallgegenstände, 400 Ledersachen, 200 Paramente, über 100 Gläser und Krüge sowie 4000 Gewebe, Stickereien und Spitzen. 1906 schenkte er das alles der Stadt Köln, mit einer Bedingung: ein eigener Anbau zum Kunstgewerbemuseum. Grundsteinlegung 1908, Einweihung am 26. Oktober 1910. Als Schnütgen im November 1918 starb, kamen weitere Bestände durch Erbschaft dazu, und das Museum musste im Folgejahr schließen, um die gewachsene Sammlung zu ordnen. 1932 zog es erstmals in ein eigenes Gebäude, in die wiedererrichtete Abtei St. Heribert im rechtsrheinischen Deutz. Dort entstand auf 2000 Quadratmetern ein Ausstellungskonzept, das den Ideen des Bauhauses und der Neuen Sachlichkeit verpflichtet war. Dann kam der Krieg, und mit ihm die zweite Rettung. 1939 wurden die meisten Stücke in Klöster, Schlösser und in einen Museumskeller ausgelagert, das Museum wurde geschlossen. Der mittelalterliche Georgs-Kruzifixus, heute eines der bekanntesten Stücke, lag eine Zeit lang im Tresor einer Sparkasse, bevor er in ein Kunstdepot kam. Alles, was in den Ausstellungsräumen geblieben war, wurde bis 1945 mitsamt dem Abteigebäude zerstört. Nach Kriegsende musste das Museum praktisch neu errichtet werden. Der neue Direktor betreute die Sammlung zunächst von einem Schloss aus, wo der größte Teil zwischengelagert war. Stück für Stück wurden die Bestände aus den verstreuten Depots zurückgeführt und bis Ende 1950 in Räumen der Kölner Universität wieder vollständig versammelt. Dann der Entschluss, der die vorige Station erklärt: Das Museum sollte in der romanischen Basilika St. Cäcilien neu eröffnen. Der durch einen Luftangriff stark beschädigte Kirchenbau wurde restauriert und mit einem kleinen Anbau für Bibliothek und Verwaltung versehen. Im Mai 1956 öffnete das Museum als erstes der Kölner Museen nach dem Krieg wieder seine Tore. Man hielt den Standort damals für ein Provisorium, der Nutzungsvertrag mit dem Erzbistum lief über zwanzig Jahre. Er hält bis heute. Kurz zuvor hatte die Kirche eine neue Weihe erhalten, und so erfüllt St. Cäcilien bis in die Gegenwart eine Doppelfunktion als Museumsbau und Kirche. 1956 gründete sich auch ein Förderverein, der in den folgenden Jahrzehnten eine ganze Reihe von Kunstwerken ankaufte. Unter den Gründungsmitgliedern war Konrad Adenauer. 1977 wurde die Ausstellungsfläche durch den Ausbau der Krypta erweitert. Von 2006 bis 2010 entstand westlich der Kirche das Kulturquartier am Neumarkt, das die Fläche um sechzig Prozent auf 1900 Quadratmeter vergrößerte und zwei weitere Einrichtungen aufnahm. Eröffnet wurde es am 22. Oktober 2010. Seitdem werden etwa 2000 der 13.000 Objekte gezeigt, darunter Glasmalereien, die seit der Vorkriegszeit im Depot lagen.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Museum Schnütgen, dem Museum für christliche Kunst. Namensgeber ist der Domkapitular Alexander Schnütgen, der der Stadt 1906 seine Sammlung schenkte. Der eigene Anbau wurde am 26. Oktober 1910 eingeweiht. Seit 1956 liegt das Museum in St. Cäcilien.

Für Kinder

Du stehst vor dem Museum Schnütgen. Es ist nach einem Mann benannt, der gesammelt hat wie kaum einer. Alexander Schnütgen holte alte Figuren, Gläser, Stoffe und Bilder zusammen, die damals niemand haben wollte. Er bewahrte sie in seiner eigenen Wohnung auf. Stell dir vor: fast 600 Skulpturen, über 1000 Dinge aus Metall und 4000 Stücke Stoff, alles bei ihm zuhause. 1906 schenkte er alles der Stadt Köln. Dafür wollte er nur eines: ein eigenes Haus dafür. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Sachen in Kellern und Schlössern versteckt, damit sie nicht verbrennen. Das hat funktioniert. 1956 durfte man sie wieder anschauen.

Quellen

Koordinaten: 50.93471389, 6.95143889 · auf der Karte

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