Sie stehen vor St. Cäcilien. Diese Kirche ist seit siebzig Jahren ein Museum, und sie ist trotzdem eine Kirche. Beides gleichzeitig. Der Ursprung ist ein Damenstift des späten 9. Jahrhunderts, benannt nach der heiligen Cäcilia von Rom. Wikidata nennt als Jahr 888. Ich nenne Ihnen beide Angaben und sage dazu, dass es zwei gibt. Lange hielt man diesen Ort für den Standort des ersten Kölner Doms. Ausgrabungen haben diese Überlieferung ausgeschlossen. Gefunden wurden die Grundmauern einer rechteckigen Kirche, die wahrscheinlich zum Stift gehörte. Die Urkunden des 10. Jahrhunderts berichten von einer schwierigen wirtschaftlichen Lage, und 965 vermachte Erzbischof Brun dem Stift testamentarisch fünfzig Pfund Silber für die Vollendung des Kirchenbaus. Etwa um diese Zeit entstand im Westen eine Krypta zur Aufbewahrung von Reliquien, die 1970 wieder errichtet wurde. Die Bedeutung des Stiftes können Sie an einer Gewohnheit ablesen: Der Kölner Erzbischof feierte hier die zweite Weihnachtsmesse, nach St. Maria im Kapitol. Im weiteren Mittelalter verlor sich dieser Rang. Im 12. Jahrhundert wich der ottonische Bau einem staufischen Neubau. Das Ergebnis ist bescheiden, und das ist nicht abschätzig gemeint: Eine turmlose dreischiffige Pfeilerbasilika, Chor, runde Apsis, kein Querschiff, flache Holzdecke im Mittelschiff, Kreuzgratgewölbe in den Seitenschiffen. Sie unterscheidet sich deutlich von den anderen großen romanischen Kirchen der Stadt. Ein Relikt des Vorgängerbaus ist noch erhalten, ein Bogen vom ehemaligen Kreuzgang. Das Tympanon zu Ehren der heiligen Cäcilie stammt von 1160, über dem Nordportal hängt eine Kopie, das Original gehört dem Museum. 1474 wurde das Gebäude den Augustinerinnen eines niedergelegten Klosters zur Verfügung gestellt. Sie ließen die Sakristei anlegen und ersetzten die romanische Holzdecke des Mittelschiffs durch ein Gewölbe. Nach der Kriegszerstörung wurde dieses Gewölbe nicht erneuert. Was die Kirche verloren hat, lässt sich an alten Darstellungen ablesen: Die Pfeiler waren mit großen Heiligenfresken geschmückt. Im Chor sind Fresken erhalten, aber nur noch schwer erkennbar, weil sie bei den schweren Schäden des Zweiten Weltkriegs stark in Mitleidenschaft gerieten. Nach der Konventsauflösung im 19. Jahrhundert wurde das benachbarte Klostergebäude niedergelegt. An seine Stelle trat das erste Kölner Krankenhaus, dem St. Cäcilien lange als Kirche diente. Die Westfassade wurde nach dem Klosterabriss neoromanisch neu gebaut, der Dombildhauer Christian Mohr schuf 1849 Archivolten und Tympanon. Heute ist dieser Eingang vermauert, das Tympanon ist verschollen. Und an genau dieser vermauerten Stelle steht die jüngste Geschichte dieses Hauses. 1980 sprühte der Sprayer von Zürich, Harald Naegeli, dort seinen Totentanz. Dieses Werk steht heute unter Denkmalschutz. 1989 erneuerte der Künstler sein zwischenzeitlich beschädigtes Werk, diesmal offiziell mit Genehmigung. Im September 2024 wurde es von Mitarbeitern der Abfallwirtschaftsbetriebe entfernt, die eigentlich nur illegale Graffiti beseitigen sollten. Kopf und Hände blieben stehen. Das beschädigte Werk soll mit Einverständnis des Künstlers restauriert werden. Er selbst war dazu aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage. Zu Weihnachten und am Jahrestag der heiligen Cäcilie wird in diesem Museum eine Messe gefeiert.
Sie stehen vor St. Cäcilien, einer von zwölf großen romanischen Kirchen Kölns. Sie war die Kirche eines Damenstifts, das im späten 9. Jahrhundert gegründet wurde. Wikidata nennt das Jahr 888. Seit 1956 beherbergt der Bau das städtische Museum Schnütgen.
Du stehst vor St. Cäcilien. Das ist eine alte Kirche aus Stein, und sie ist heute ein Museum. Beides zugleich. Gegründet wurde hier vor über tausend Jahren ein Stift, in dem Frauen lebten. Lange dachten die Leute, an dieser Stelle habe der erste Kölner Dom gestanden. Forscher haben nachgegraben: stimmt nicht. Schau dir die Westseite an, dort ist eine Tür zugemauert. 1980 hat ein Künstler aus Zürich dort einen Totentanz an die Wand gesprüht, also tanzende Strichfiguren. Das Bild wurde so wichtig, dass es unter Denkmalschutz steht. 2024 kam die Stadtreinigung und sprühte es fast weg, weil sie es für normale Schmiererei hielt. Nur Kopf und Hände blieben übrig.
Koordinaten: 50.934642, 6.951736 · auf der Karte