Hier stand das Stadttheater in der Glockengasse, von 1872 bis 1943. Das erste feststehende Kölner Schauspielhaus ließ 1782 der Bürgerhauptmann Franz Kaspar Rhodius durch den Stadtbaumeister Dechen in der Schmierstraße erbauen. Diese Straße heißt heute Komödienstraße. 1828 war das Gebäude marode und wurde abgerissen. Schon ein Jahr später gab es die erste Vorstellung im Nachfolgebau. 1859 brannte dieses Theater ab. Es wurde erneut aufgebaut. 1869 wurde es durch einen verheerenden Brand wieder zerstört, und bei diesem Brand kam die gesamte Familie des Theaterkassierers Backhaus um, die dort wohnte. Das ist der Satz, bei dem man kurz anhalten sollte: Im Theater wohnten Menschen, und sie starben darin. Nach einem Wettbewerb im Jahr 1869, an dem auch ein bekannter Kölner Architekt teilnahm, wurde ab 1870 nach Plänen des Stadtbaumeisters Julius Carl Raschdorff hier ein Neubau errichtet, im Stil der Neurenaissance. Die feierliche Eröffnung war am 1. September 1872. Das Haus entsprach dem Typ des erzieherischen Stadttheaters, eines Mehrzweckbaus für Oper, Operette, Ballett und Schauspiel. Ein Haus für alles, in der Mitte der Stadt. 1898 beschloss der Rat den Neubau eines weiteren Schauspielhauses am Habsburger Ring. Den Wettbewerb gewann der Berliner Architekt Carl Moritz, und nach seinem Entwurf entstand bis 1902 ein Gebäude mit Restaurant und Gartenterrasse im Neobarock. Köln hatte nun zwei große Bühnen, die zuerst als Vereinigte Stadttheater, ab der Spielzeit 1906/07 als Opernhaus und Schauspielhaus firmierten, aber gemeinsam geführt wurden. Die Direktion beider Häuser übernahm Julius Hofmann, der von 1840 bis 1910 lebte. Im neuen Theater wurden vor allem Opern und Dramen inszeniert, hier in der Glockengasse Schauspiele und Operetten. So war die Arbeitsteilung: Dieses Haus war ab 1906 nicht mehr das erste, sondern das zweite. Und dann der 29. Juni 1943. Bei der Bombardierung Kölns wurde das Gebäude zerstört. Es ist dieselbe Nacht, in der die Pfarrei von St. Peter fast restlos ausgelöscht wurde, der sogenannte Peter-und-Paul-Angriff. Erinnern Sie sich: Einundsechzig Jahre hatte dieses Theater gestanden, nach einem Vorgänger, der nach einem Brand abbrannte, und nach einem Vorvorgänger, der marode abgerissen wurde. Schauen Sie sich um. Hier ist nichts mehr davon zu sehen, und eine Quelle gibt auch nicht mehr her. Manchmal besteht eine Station aus einem Datum, einer Bauform und einem Ende.
Hier stand das Stadttheater in der Glockengasse. Erbaut wurde es 1872 nach Plänen des Stadtbaumeisters Julius Carl Raschdorff, im Stil der Neurenaissance. Am 29. Juni 1943 wurde es bei der Bombardierung Kölns zerstört. Von 1872 bis 1906 war es das Stadttheater, später das Schauspielhaus.
Hier stand früher ein Theater, das Stadttheater in der Glockengasse. Es wurde 1872 eröffnet. Darin gab es Oper, Operette, Ballett und Schauspiel, also alles in einem Haus. Vor diesem Theater hatte Köln schon zwei andere, und beide brannten ab, 1859 und 1869. Beim zweiten Brand starben Menschen, die im Theater wohnten: die Familie des Mannes, der die Eintrittskarten verkaufte. Das Theater in der Glockengasse hielt 71 Jahre. Dann fielen in der Nacht zum 29. Juni 1943 Bomben, und es war weg. Von diesem Haus siehst du heute gar nichts mehr. Woran würdest du erkennen, dass hier mal ein Theater war?
Koordinaten: 50.93855, 6.95089 · auf der Karte