Stadtohr

Stadtrundgang Köln · Station 12 von 16

Colonia Claudia Ara Agrippinensium

50 · roemerzeit, stadtgruendung, ubier, stadtmauer

Ausführlich

Hier beginnt die Geschichte dieser Stadt, und sie beginnt mit einer Umsiedlung. Die Ubier waren ein Germanenstamm, der rechts des Rheins siedelte. Der römische Feldherr Agrippa holte sie auf das linke Ufer der Kölner Bucht in den römischen Herrschaftsbereich. Die schriftlichen Quellen und die Münzfunde sprechen für die Jahre 20 oder 19 vor Christus. In derselben Zeit baute Agrippa das römische Straßennetz in Gallien aus und band das Gebiet der Ubier über Jünkerath, Bitburg und Trier an die Fernstraße nach Lyon an. Zuerst lebten die Ubier wohl in kleinen Gruppen in Dörfern. Ihr neuer Hauptort entstand erst einige Jahre später, wahrscheinlich in den letzten Jahren vor der Zeitwende. Das weiß man aus Münzen, Fibeln und Erzeugerstempeln auf Tongefäßen. Der Grundriss dieses oppidum Ubiorum war von Anfang an typisch römisch, und die Lage war strategisch gewählt: ein hochwassersicherer Hügel neben einer Rhein-Insel, die es heute nicht mehr gibt. Diese Stadtgründung erfolgte also nicht durch die Ubier allein. Bald nach der Gründung entstand im Stadtgebiet die Ara Ubiorum, der Altar der Ubier. Er war als zentrales Heiligtum einer großgermanischen Provinz vorgesehen, die man rechts des Rheins erst noch erobern wollte. Für das Jahr 9 nach Christus ist ein Germane aus der Familie des Arminius als Priester dieses Altars bezeugt. Im selben Jahr verlor Varus die Schlacht im Teutoburger Wald. 16 nach Christus wurde Germanicus abberufen, und man nahm Abstand von den großen Eroberungsplänen. Der Altar behielt trotzdem Bedeutung, denn die Stadt erscheint auf zahlreichen Inschriften als Ara Ubiorum. Zwischen 9 und etwa 30 nach Christus war der Kölner Raum Garnisonsort. In der Nähe lagen die Legio I Germanica und die Legio XX Valeria Victrix, und der Platz des Doppellegionslagers hieß Apud Aram Ubiorum, beim Altar der Ubier. Von 13 bis 16 war hier das Stabsquartier des Germanicus. Beim Tod des Augustus im Jahr 14 meuterten auch die Kölner Legionen und wollten Germanicus zum Kaiser ausrufen. Er verhielt sich loyal gegenüber dem Thronfolger, verhinderte die Proklamation und beschwichtigte die Soldaten mit weitreichenden Zugeständnissen. Um das Jahr 30 wurde das Doppellegionslager aufgelöst. Die eine Legion ging nach Bonn, die andere nach Neuss. Danach lagen in Köln keine Legionen mehr, aber die Stadt blieb Hauptquartier des Oberbefehlshabers des niedergermanischen Heeres. Jetzt die Person, die alles entschied. Agrippina die Jüngere war die Tochter des Germanicus und die Gattin des Kaisers Claudius. Sie war im Jahr 15 nach Christus in dieser Stadt geboren. Sie erreichte, dass Claudius ihre Geburtsstadt im Jahr 50 zur colonia erhob und nach ihr benannte. Was das bedeutete, ist eine Rechtsfrage mit großen Folgen. Eine colonia hatte das römische Bürgerrecht, das verliehene Ius Italicum brachte römisches Recht und wirtschaftliche Vorteile. Die CCAA stand damit in der Städte-Hierarchie des Imperiums ganz oben, ihre Bürger waren den Römern gleichgestellt. In ihrer Glanzzeit vom 2. bis 4. Jahrhundert war sie eine der bedeutendsten Städte des Reiches und lange dessen größte Stadt nördlich der Alpen. Zwei Bauten dazu. Das Hauptquartier der römischen Rheinflotte lag auf einem Hügel südlich der Stadt, im Flottenkastell Alteburg, im heutigen Marienburg. Und auf der vorgelagerten Rhein-Insel, außerhalb der Stadtmauer, gab es eine Sportanlage mit Wasserbecken und ab Mitte des 2. Jahrhunderts vier Lagerhäuser mit großem Hofraum. Das ist das Gelände von Groß St. Martin, auf dem Sie vorhin standen. Zum Schluss zwei Zahlen. 58 nach Christus traf ein Schadfeuer katastrophalen Ausmaßes die Stadt. Möglicherweise war das der Anlass dafür, dass alle feuergefährlichen Gewerbe, Töpfereien, Glashütten und Schmieden, aus der Kernstadt verbannt wurden. Und bis 70, nach neueren Ausgrabungsergebnissen vermutlich erst um 90, erhielt die Stadt eine Mauer von etwa acht Metern Höhe und zweieinhalb Metern Breite.

Kurzfassung

Hier beginnt die Geschichte Kölns. Colonia Claudia Ara Agrippinensium ist der rekonstruierte Name der römischen Kolonie, aus der die Stadt entstand. 50 nach Christus wurde die Siedlung zur Stadt römischen Rechts erhoben. Sie war Hauptstadt der Provinz Germania inferior.

Für Kinder

Hier fängt die Geschichte von Köln an, vor etwa zweitausend Jahren. Damals holten die Römer einen Stamm, die Ubier, auf diese Seite des Rheins und bauten mit ihnen eine Stadt. Eine Frau sorgte dafür, dass daraus eine richtige römische Stadt wurde. Sie hieß Agrippina und war hier geboren. Ihr Mann war Kaiser Claudius. Im Jahr 50 machte er ihre Geburtsstadt zur Colonia und benannte sie nach ihr. Das Wort Colonia steckt heute noch im Namen Köln. Die Stadt bekam eine Mauer, acht Meter hoch und zweieinhalb Meter dick. Im Jahr 58 brannte es so schlimm, dass alle Töpfer und Schmiede nach draußen ziehen mussten.

Quellen

Koordinaten: 50.938055555, 6.956944444 · auf der Karte

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