Stadtohr

Stadtrundgang Köln · Station 13 von 16

Minoritenkirche

1245 · bettelorden, gotik, kolping, zweiter weltkrieg

Ausführlich

Sie stehen vor der Minoritenkirche am Kolpingplatz. Diese Kirche ist ein Lehrstück über Armut als Bauprogramm. Die Brüder des 1210 gegründeten Franziskanerordens ließen sich 1222 in Köln nieder. Ab 1239 gehörte das Kloster zur Kölnischen Franziskanerprovinz, wurde Sitz des Provinzialministers und entwickelte sich zum Hauptkloster der Provinz. 1245 begannen die Brüder mit dem Bau. Von 1245 bis etwa 1260 entstand der frühgotische Chor, der in Höhe und Breite dem Mittelschiff entspricht. 1260 weihte ein Bischof den fertiggestellten Teil auf den Titel zum Heiligen Kreuz. Das dreischiffige Langhaus mit acht Jochen und Kreuzrippengewölbe war im 14. Jahrhundert vollendet. Und nun gehen Sie einmal vom Chor nach Westen und achten auf die Baudetails. Sie werden sparsamer, je weiter der Bau fortschritt. Ein Kunsthistoriker erkennt darin eine größere Ausrichtung am franziskanischen Ideal der Einfachheit. Dazu passt, dass das Haus kein Querschiff hat und keinen Kirchturm. Erst seit 1438 trägt es einen Dachreiter. Bemerkenswert ist noch etwas: Mit dem Bau des Kölner Doms wurde zur gleichen Zeit begonnen, und doch gibt es weder konstruktiv noch dekorativ Abhängigkeiten. Zwei Bauhütten, wenige Minuten voneinander entfernt, und jede macht ihr eigenes Werk. Die ursprüngliche Absicht war übrigens eine andere: eine dreischiffige Hallenkirche mit Vierung und Querhaus, wie sie in Hessen und Westfalen damals gebräuchlich, für den Kölner Raum aber untypisch war. Das wurde während des Baus aufgegeben. Arm war die Kirche nicht in jeder Hinsicht. Durch Spenden eines Erzbischofs und der Grafen von Holland, Kleve, Berg und Jülich besaß sie anfangs farbige Glasfenster. 1637 vernichtete ein Hagelschlag sie. Ersetzt wurden sie zunächst durch einfachere, ab 1709 durch Fenster aus gewöhnlichem Glas. Weil im Kloster wegen des Generalstudiums des Ordens zeitweilig viele Priester lebten, hatte die Kirche anfangs fünf bis zehn Nebenaltäre, an denen die Patres Messe feiern konnten. Mit den meisten waren Altarstiftungen von Bruderschaften und Zünften verbunden, die hier auch ihre Gottesdienste, Zusammenkünfte und Feste abhielten. An diesem Generalstudium lehrte ab 1307 der Franziskanertheologe Johannes Duns Scotus. Er ist in dieser Kirche begraben. Dann die Abbrüche. Ab 1794 besetzten Revolutionstruppen Köln, die Kirche diente als Speicher und verfiel. 1802 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben, 1804 wurden die Minoriten vertrieben, ab 1808 nutzte die Armenverwaltung der Stadt die Kirche als Anstalts- und Hospitalkirche. Das Klostergebäude wurde 1855 abgerissen. An seiner Stelle entstand 1861 das Wallraf-Richartz-Museum, heute steht dort das Museum für Angewandte Kunst. 1846 ging die Kirche als Annexkirche des Doms an das Domkapitel. 1850 erklärte der Erzbischof sie zur Firmungs- und Weihekirche des Erzbistums, verbunden mit einer neugotischen Umgestaltung, die bis 1866 dauerte. Der Kaufmann, der das Museum auf dem Klostergelände errichten ließ, stiftete 42.000 Taler für die Erneuerung. Die Innenrenovierung betrieb Adolph Kolping, der 1862 als Rektor eingesetzt wurde, mit aufwendigen Spendensammlungen. Sein Gesellenverein nutzte die Kirche schon seit 1849 als Vereinskirche. Kolping ist hier beigesetzt. In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 wurde die Kirche schwer von Bomben getroffen. Verloren gingen die Orgel, die Gewölbe und Teile des Südschiffes. Der Wiederaufbau war 1958 abgeschlossen, die innere Neugestaltung nach den Vorbildern des 13. Jahrhunderts dauerte bis 1975. 2009 und 2010 wurde für 1,85 Millionen Euro restauriert, darunter das komplette Dach mit dem Dachreiter. Schauen Sie dabei in den Chor: Dort schwebt über dem Altar ein gläsernes Kruzifix, 4,50 Meter hoch und 650 Kilogramm schwer.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Minoritenkirche am Kolpingplatz. Die Franziskaner begannen 1245 mit dem Bau, das Langhaus war im 14. Jahrhundert vollendet. Als Bettelordenskirche hat sie keinen Turm, nur einen Dachreiter. Hier sind der Theologe Johannes Duns Scotus und Adolph Kolping beigesetzt.

Für Kinder

Du stehst vor der Minoritenkirche. Gebaut haben sie Mönche, die Franziskaner, ab dem Jahr 1245. Diese Mönche wollten arm leben. Deshalb hat die Kirche keinen hohen Turm, nur ein kleines Türmchen auf dem Dach. Geh einmal von vorn nach hinten durch und schau genau hin: Am Anfang ist alles reich verziert, weiter hinten wird es immer schlichter. Je länger sie bauten, desto einfacher machten sie es. Gleich in der Nähe wurde zur selben Zeit der Dom gebaut, riesig und prächtig. Zwei Baustellen, zwei ganz verschiedene Ideen. Im Chor hängt heute ein Kreuz aus Glas. Es ist 4,50 Meter hoch und wiegt 650 Kilo.

Quellen

Koordinaten: 50.9392, 6.95528 · auf der Karte

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