Stadtohr

Stadtrundgang Köln · Station 14 von 16

Kreuzblumen des Kölner Domes

1880 · dombau, steinmetz, technik, denkmalstreit

Ausführlich

Sie stehen vor der Kreuzblume auf der Domplatte. Hier können Sie etwas sehen, das sonst 157 Meter über Ihnen hängt, und darum geht es an dieser Station: um Größe, um Transport und um einen Streit. Zuerst die Größe, denn sie wurde dreimal kleiner. Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner stützte sich auf den originalen mittelalterlichen Fassadenriss F und sah einen Durchmesser von 5,20 Metern vor. Sein Nachfolger Richard Voigtel plante zunächst 5,02 Meter, dann 4,75 Meter. Den Ausschlag gab am Ende nicht der Entwurf, sondern der Steinbruch: Der endgültige Durchmesser des unteren Blattkranzes beträgt 4,58 Meter, so groß waren die Blöcke, die in Obernkirchen zu gewinnen waren. Die Höhe liegt bei rund acht Metern. Jetzt der Transport, und das ist das eigentliche Problem des 19. Jahrhunderts. Die Baugerüste und die Hanfseilzüge waren zu schwach, und der dampfgetriebene Lastenaufzug trug maximal vier Tonnen. Ein unterer Blattkranz aus einem Stück hätte allein über 17 Tonnen gewogen. Also wurde jede Kreuzblume mit ihren etwa 37 Kubikmetern Stein aus 24 einzelnen Steinen zusammengesetzt. Damit das oben hält, entwickelte man ein System aus Halterungen und Armierungen, meist aus Kupfer, um der Korrosion zu begegnen. Die Blätter des unteren Kranzes treffen sich in der Mitte auf vergleichsweise geringer Fläche und ragen bis zu 2,30 Meter nach außen. Sie werden von unten durch Steinkonsolen gestützt und oben von einem achteckigen Kupferband am Schaft und von Metallstangen gehalten. Durch das Zentrum des Schaftes führt, in einer Kupferhülle, eine schmiedeeiserne Stange von zehn Zentimetern Durchmesser und 21 Metern Länge. Sie hängt nach unten in den Turmhelm und ist nach Art eines Pendels mit einem Gewicht beschwert. Von einem Ausstieg etwa 17 Meter unterhalb führen Kupferleitern bis auf die Spitzen, wo ein Blitzableiter sitzt. Gefertigt wurden die Kreuzblumen im Winter 1879 und 1880 in der Steinmetzwerkstatt der Dombauhütte. Das Aufziehen begann am 16. Juli 1880, nachdem man die Aufzugsgerüste vorsorglich verstärkt und die Hanfseile durch Stahlseile ersetzt hatte. Die Kreuzblume des Nordturms wurde am 23. Juli 1880 aufgesetzt, die des Südturms am 14. August, allerdings ohne den Schlussstein. Der wurde zur Feier der Domvollendung am 15. Oktober 1880 eingesetzt. Und dann kam der Einspruch. Kurz nach der Fertigstellung mehrten sich die Proteste der Bevölkerung: Die Kreuzblumen wirkten trotz der Entfernung zu kompakt und klotzig. Man beschloss eine Nachbearbeitung. Im Winter 1880 und 1881 wurden Holzgehäuse um die Kreuzblumen montiert, damit die Arbeiter in der Kälte einen beheizten Arbeitsraum hatten. Vierzig Steinmetze arbeiteten bis zum 12. Februar 1881 daran, die Blattkränze filigraner zu gestalten. Stellen Sie sich das vor: ein beheiztes Holzhaus in 157 Metern Höhe, und darin vierzig Männer, die einen Turmaufsatz schlanker meißeln, weil die Stadt ihn zu klobig fand. Das Modell vor Ihnen hat seine eigene Geschichte. Voigtel wollte schon eine dritte Kreuzblume als Denkmal der Domvollendung aufstellen, er kam damit nicht durch. 1980, im Domjubiläumsjahr, wurde ein Kunststoffmodell vor dem Dom aufgestellt, das 1990 der Orkan Wiebke stark beschädigte. Am 11. Oktober 1991 folgte dieses Betonmodell, aus Kostengründen nicht aus Naturstein: 13 Fertigteile aus dunkelgrau durchgefärbtem Stahlbeton, bis auf die Blattkränze und den Schlussstein als Hohlkörper mit Wandstärken von 15 bis 20 Zentimetern. Seit 2012 wird darüber gestritten. Ein Projekt der Stadt empfahl die Entfernung, um den Bereich vor dem Dom zu beruhigen und dem Taubenbrunnen von Ewald Mataré zu neuer Sichtbarkeit zu verhelfen. 2014 entschied die Bezirksvertretung den Umzug, ein Alternativstandort wurde aber nicht gefunden. Eine Online-Petition fand knapp 2900 Unterstützer. Der Kompromiss lautet: Die Kreuzblume bleibt vorerst, wo sie ist.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Kreuzblume auf der Domplatte. Die Originale bilden die Spitzen der beiden Domtürme in 149 bis 157 Metern Höhe. Dieses Modell ist eine Kopie in Originalgröße, aus Beton gegossen, und steht hier seit 1991. Es ist fast zehn Meter hoch und wiegt 35 Tonnen.

Für Kinder

Du stehst vor einer riesigen Steinblume, der Kreuzblume. Oben auf den beiden Domtürmen sitzen genau solche, in 157 Metern Höhe. Weil dort niemand hinsehen kann, steht hier unten eine Kopie in echter Größe. Sie ist fast zehn Meter hoch und wiegt 35 Tonnen. Jetzt das Rätsel von damals: Wie bringt man so etwas 1880 auf einen Turm? Der Dampfaufzug trug nur vier Tonnen. Ein Stück aus einem Block hätte 17 Tonnen gewogen. Die Lösung: Man zersägte sie in 24 einzelne Steine und baute sie oben zusammen. Danach fanden die Kölner sie zu klobig. Also arbeiteten vierzig Steinmetze oben in einer beheizten Holzhütte, bis sie feiner aussah.

Quellen

Koordinaten: 50.941111111, 6.957222222 · auf der Karte

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