Stadtohr

Stadtrundgang Koblenz · Station 8 von 16

St. Kastor

817–836 · kirche, romanik, karolinger

Ausführlich

Sie stehen vor der Basilika St. Kastor, dem ältesten erhaltenen Kirchenbauwerk von Koblenz. An dieser Stelle gehört die große Linie dieser Stadt erzählt, denn hier liegt sie unter dem Pflaster. Besiedlungsreste reichen bis in vorgeschichtliche Zeit. Die Römer bauten hier zur Zeit des Kaisers Augustus ein erstes Kastell. Nachgewiesen ist es erst seit November 2008: Bei Bauarbeiten für die Bundesgartenschau 2011 entdeckte man einen antiken Graben, vier Meter breit und immer noch zweieinhalb Meter tief, von einer Anlage von hundert mal hundert Metern. Das war der Beweis für die frührömische Besiedlung von Koblenz, nachdem man in der Altstadt hundertfünfzig Jahre lang vergeblich danach gesucht hatte. Der erste Kirchenbau entstand von 817 bis 836 unter Erzbischof Hetti, mit Unterstützung Kaiser Ludwigs des Frommen, und wurde am 12. November 836 geweiht. Hier ist eine Quelle vorsichtig, und ich bleibe es auch: Ludwig galt als Bauherr und die Kirche als karolingische Eigenkirche, aber er kam erst nach der Weihe nach Koblenz. Das erhöht die Bedeutung des Erzbischofs. Und nun das Jahr, das Europa betrifft. 842 wurden in diesem Stift die Bestimmungen über die Teilung des Fränkischen Reiches ausgehandelt, von 110 Bevollmächtigten der Söhne Ludwigs des Frommen: Lothar, Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche. Unterzeichnet wurde das Ergebnis 843 im Vertrag von Verdun. Das Reich wurde in drei Teile zerlegt, in das Westfrankenreich, Lotharingien und das Ostfrankenreich. Aus diesen Teilen sind, sehr grob gesagt, die Staaten Europas geworden. Verhandelt wurde hier, an diesem Platz zwischen zwei Flüssen. Das war kein Zufall: Das Stift St. Kastor wurde zum Treffpunkt von Kaisern und Königen und zum Schlichtungsort. Im Juni 860 trafen sich hier die Herrscher der drei Teilreiche und handelten den Frieden von Koblenz aus. 1338 fand das letzte große Treffen statt: Kaiser Ludwig der Bayer und der englische König Eduard III. besiegelten Bund und Freundschaft. Jetzt zum Bau. 882 zerstörten die Normannen die Kirche, sie wurde sofort wieder aufgebaut. Der Umbau zur heutigen Form begann etwa 1160 unter Propst Buvo: Alles östlich des Querhauses wurde abgebrochen, an gleicher Stelle entstand ein dreiteiliger Chor mit zwei schlanken Türmen als Pendants zu den Westtürmen. 1180 wurden die Westtürme um ein sechstes Geschoss erhöht. Von 1496 bis 1499 kam im Mittelschiff an die Stelle der Flachdecke ein gotisches Sternrippengewölbe. Damit hatte der Bau sein heutiges Aussehen. Beim schwersten Luftangriff auf Koblenz am 6. November 1944 wurde die Kirche erheblich beschädigt, im März 1945 kamen Artillerietreffer hinzu. Die steinerne Substanz samt Gewölben blieb aber weitgehend intakt, ebenso die Ausstattung. Der Wiederaufbau begann noch 1945.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Basilika St. Kastor. Der erste Bau wurde von 817 bis 836 errichtet und am 12. November 836 geweiht. Das heutige Erscheinungsbild entstand im 12. und im 19. Jahrhundert. Papst Johannes Paul II. erhob die Kirche 1991 zur Basilica minor.

Für Kinder

Das ist die älteste Kirche von Koblenz. Der erste Bau war vor zwölfhundert Jahren fertig. Noch viel früher stand hier ein römisches Lager. Lange suchten Forscher danach und fanden nichts. Erst 2008 fand man bei Bauarbeiten einen alten Graben im Boden, vier Meter breit. Das war der Beweis. In dieser Kirche passierte etwas Wichtiges: Im Jahr 842 trafen sich hier 110 Männer und verhandelten, wie drei Brüder ein riesiges Reich aufteilen. Aus diesen Teilen sind später Länder wie Deutschland und Frankreich geworden. Schau hoch zu den vier Türmen.

Quellen

Koordinaten: 50.362206, 7.604392 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.