Sie stehen am Jesuitenplatz, vor der Jesuitenkirche St. Johannes der Täufer, die heute auch Citykirche heißt. Zur Jahreszahl zuerst: Wikidata nennt 1613, und das ist richtig, betrifft aber ein Gebäude, das nicht mehr steht. Die Vorgeschichte kennen Sie von der letzten Station: Hier stand ein Zisterzienserinnenkloster, dessen Ordensfrauen 1580 zwangsweise auf die Insel Niederwerth versetzt wurden, damit die Jesuiten die Bauten bekamen. Anfang des 17. Jahrhunderts brachen diese die gotische Kirche bis auf den Chor ab und bauten neu. Die Kirche von 1613 bis 1617 folgte dem Vorbild der Petrikirche in Münster: eine dreischiffige, sechsjochige Säulenbasilika mit Emporen über den Seitenschiffen, einer Westempore und prächtigen Sterngewölben. Der gotische Langchor der Vorgängerin schloss sie nach Osten ab. Und nun das Merkwürdige daran. Die Architekturformen waren der längst nicht mehr aktuellen Gotik entlehnt. Moderne Renaissanceformen fand man vor allem am Außenbau. Innen also absichtlich altmodisch, außen modern. Die Geschichte des Ordens in dieser Stadt ist eine Reihe von Ausweisungen. 1773 wurde der Jesuitenorden aufgelöst, die Kirche wurde Filiale von St. Kastor, Gottesdienst hielten jedoch weiterhin meist ehemalige Jesuiten, die als Lehrer am Gymnasium tätig waren. 1852 kehrten sie zurück, 1872 mussten sie im Kulturkampf wieder gehen, 1918 konnten sie sich erneut ansiedeln. Die letzten Jesuiten verließen Koblenz 2003. Im Juni 2004 übernahmen die Arnsteiner Patres die Kirche und verließen sie im September 2023. Jetzt der Punkt, an dem ich nichts beschönige. Bei den Luftangriffen wurde die Kirche 1944 weitestgehend zerstört. Die Ruine war wiederaufbaufähig. Nach langer Diskussion wurde sie 1956 abgerissen und von 1958 bis 1959 durch einen Neubau nach Plänen von Gottfried Böhm ersetzt. Eine Quelle sagt dazu zwei Dinge in einem Satz, und beide stimmen: Die Zerstörung und der anschließende Abbruch des barocken Baues werden heute häufig bedauert, und die neue Kirche ist dennoch ein bedeutendes Denkmal der Nachkriegsarchitektur. Schauen Sie sich die Westfassade an, denn sie ist der alte Teil. Böhm übernahm den erhaltenen Westgiebel von 1617 mit dem großen Radfenster und dem Hauptportal in Renaissanceformen, das zusammen mit dem Kolleg den Jesuitenplatz bestimmt. Über dem Gebälk mit einem Chronogramm von 1617 steht in einem zweigeschossigen Aufsatz der Titelheilige Johannes der Täufer, seitlich die Jesuitenheiligen Ignatius von Loyola und Franz Xaver, in der Giebelspitze der heilige Michael. Gehen Sie hinein, dann sehen Sie den Unterschied: Der Innenraum ist von Beton und Gussstein bestimmt, einfach und kubisch, darüber ein steiles hölzernes Giebeldach. Alt und neu in einem Haus, mit sichtbarer Nahtstelle.
Sie stehen am Jesuitenplatz, vor der Jesuitenkirche St. Johannes der Täufer, heute auch Citykirche genannt. Die Jahresangabe 1613 gilt für die Vorgängerkirche, die von 1613 bis 1617 gebaut und 1944 zerstört wurde. Der heutige Bau entstand 1958 und 1959 nach Plänen von Gottfried Böhm.
Diese Kirche ist alt und neu zugleich. Schau dir die Vorderseite mit dem großen runden Fenster an: Die ist von 1617, über vierhundert Jahre alt. Alles dahinter ist viel jünger. 1944 fielen Bomben, und die alte Kirche brach zusammen. Übrig blieb eine Ruine. Man hätte sie reparieren können, und die Leute stritten lange darüber. Dann entschieden sie: abreißen und neu bauen. Heute finden viele es schade. Andere sagen, die neue Kirche sei auch gut. Findest du von außen die Stelle, wo das Alte aufhört?
Koordinaten: 50.360283, 7.598861 · auf der Karte