Stadtohr

Stadtrundgang Koblenz · Station 13 von 16

Rathaus

1588 · rathaus, jesuiten, verwaltung

Ausführlich

Sie stehen am Rathaus von Koblenz, und dieses Haus war nie als Rathaus gebaut. Es war eine Schule, und davor ein Kloster. Fangen wir mit den Umzügen an, denn sie sind eine Stadtgeschichte im Kleinen. Fünf Vorgängerbauten sind nachgewiesen. Das erste Rathaus ist für 1182 belegt und lag im Bereich des Altenhofs. Vermutlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erwarb die Stadt das Haus Monreal in der Braugasse, und dort war das Rathaus die folgenden dreihundert Jahre. 1674 zog der Stadtrat in das Alte Kaufhaus am Florinsmarkt, wo er bis in die französische Zeit blieb. Nach einem kurzen Zwischenspiel 1804 kam er 1805 in die ehemalige Stadtkommandantur Am Plan Nummer 9, wo er bis 1895 blieb. Sechs Adressen in siebenhundert Jahren. Nun zu diesem Haus. Im 13. Jahrhundert stand hier ein Zisterzienserinnenkloster. 1580 ordnete der Trierer Erzbischof Jakob von Eltz die Umsiedlung der Nonnen auf die Insel Niederwerth an, um die Klosterbauten den Jesuiten zu übergeben. Damit wollte er die Gegenreformation und die Reformen des Trienter Konzils in seinem Erzbistum vorantreiben. Die Jesuiten übernahmen zunächst die Bauten der Nonnen und nutzten sie als Klosterschule. Das erste Schulgebäude von 1581 wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört, der Neubau des Gymnasiums erfolgte von 1694 bis 1701. In französischer Zeit diente das Kolleg als Lazarett, nach 1802 wurde es säkularisiert. 1816 wurde die Forderung laut, das Kolleg in eine Kaserne umzuwandeln. Dem Einspruch des damaligen Oberpräsidenten der Rheinprovinz von Ingersleben ist zu verdanken, dass sich die Militärs nicht durchsetzten. Stattdessen bekam das Königliche Gymnasium, das heutige Görres-Gymnasium, die Räume. Ein Einspruch, und aus einer Kaserne wird eine Schule. Die Stadt erwarb den Komplex am 7. September 1891 für 300.000 Mark und baute ihn 1894 und 1895 zum Neuen Stadthaus um. Jetzt die Blickanweisung, und sie führt nach innen, in den Treppenaufgang zur Aula. Dort ist die reich verzierte Stuckdecke des Carlo Maria Pozzi erhalten, mit drei großen Deckenmalereien, die genau das pädagogische und religiöse Programm des Jesuitenordens zeigen: die Bestrafung der Faulen, den Triumph des wahren Glaubens und den Lohn des Fleißes. Wer hier zur Schule ging, hatte das jeden Morgen über sich. Dieser Gebäudekomplex blieb bei den Luftangriffen als einer der wenigen in der Altstadt unzerstört. Nur die Jesuitenkirche nebenan wurde fast vollständig zerstört. Am 19. März 1945 eroberten amerikanische Truppen die Stadt und hissten das Sternenbanner auf diesem Dach. Und am 4. Juni 1947 fand im historischen Rathaussaal die konstituierende Sitzung des ersten rheinland-pfälzischen Landtags statt, mit der Wahl des ersten Ministerpräsidenten. Bis August 1948 tagte der Landtag hier.

Kurzfassung

Sie stehen am Rathaus von Koblenz. Es ist im ehemaligen Jesuitenkolleg untergebracht und besteht aus drei verbundenen Gebäudekomplexen aus Spätrenaissance, Frühbarock und Neuzeit. Der Südflügel entstand 1588, der Schulbau von 1694 bis 1701. Rathaus ist das Haus erst seit 1895.

Für Kinder

Dieses Haus ist das Rathaus, aber gebaut wurde es nicht dafür: Hier war erst ein Kloster, dann eine Schule. Die Stadtverwaltung ist oft umgezogen, sechsmal in siebenhundert Jahren. Einmal verkaufte sie ihr altes Rathaus sogar an eine Brauerei. Erst seit 1895 ist sie hier. Geh hinein und schau im Treppenhaus nach oben. Dort sind drei große Bilder an der Decke. Eines heißt Bestrafung der Faulen, ein anderes Lohn des Fleißes. Die Schüler sahen das jeden Tag. Wie wäre das in deiner Schule?

Quellen

Koordinaten: 50.3603, 7.59806 · auf der Karte

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