Stadtohr

Stadtrundgang Koblenz · Station 10 von 16

Deutschordenskommende Koblenz

1216 · ritterorden, mittelalter, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen auf dem Gelände der ehemaligen Deutschordenskommende, zwischen dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal und der Kastorkirche. Diese Station ist der Grund, warum die Landzunge vor Ihnen Deutsches Eck heißt. 1216 rief Erzbischof Theoderich von Wied die Ritter des Deutschen Ordens nach Koblenz und schenkte ihnen einen Teil des Geländes der Kastorkirche mitsamt dem St.-Nikolaus-Krankenhaus. Das Motiv war handfest: Der Orden war für die Krankenpflege geeignet, und die sollte sichergestellt werden. Es war die erste Niederlassung des Ordens im Rheinland und einer seiner wichtigsten Standorte im Westen. Die Stätte hieß zuerst Deutscher Ordt, dann Deutsches Eck. Mit dem Bau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals im Jahr 1897 wanderte dieser Name von der Ordensanlage auf das Areal des Denkmals. Ein Name kann umziehen. Im 15. Jahrhundert stieg die Bedeutung weiter: Koblenz wurde Sitz einer von vier Kammerballeien, die dem Hochmeister direkt unterstanden. Die Ballei Koblenz besaß weit verstreuten Landbesitz, seit 1263 auch Dorf und Kirche in Elsen. Elsen war ihr einziges reichsunmittelbares Territorium, und dadurch hatte der Landkomtur ein Mitspracherecht in den Organen des Heiligen Römischen Reiches. Ein Dorf als Stimmrecht. Nach der Eroberung durch französische Revolutionstruppen 1794 und mit der Säkularisation ab 1802 war es zu Ende: Die Kommende wurde 1809 aufgelöst und in Privatbesitz verkauft. Was danach mit den Gebäuden geschah, ist die eigentliche Geschichte dieses Ortes. Ab 1821 nahmen sie das Proviantmagazin der preußischen Festung auf. Dafür zerstörte man im Rheinbau die alte Raumaufteilung, um neue Decken zur Lagerung von Getreide einbauen zu können, und beseitigte die Gewölbe des Remters im Moselflügel. Von 1897 bis 1941 saß hier das preußische Staatsarchiv Koblenz. Der Rheinbau wurde zum Magazin mit damals modernen Einbauten aus Eisen, der Remter rekonstruiert und als Bibliothek genutzt. Bei den Luftangriffen 1944 wurde die Anlage weitgehend zerstört. Die Bestände des Staatsarchivs hatte man vorher ausgelagert. Wiederaufgebaut wurde von 1952 bis 1954 nur der Rheinbau, außen im früheren Zustand, innen modern. Jetzt die Blickanweisung, und sie führt zu Resten. Der Rheinbau, das Hauptgebäude, wurde 1279 errichtet. Vom Westflügel existiert noch das gewölbte Erdgeschoss der sogenannten Trotzenburg. Von der Ordenskirche, 1306 geweiht und 1811 abgebrochen, steht noch die Südwand mit prächtigen Gewölbekonsolen. Daran schloss südlich eine kleine gotische Kapelle von 1354 an, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. In den 1960er Jahren wiesen ihre Außenmauern noch Spuren von Wandmalereien auf. Die sind heute fast völlig verwittert, weil keine Sicherungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Das ist kein Kriegsschaden mehr. Das ist Unterlassung.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Gelände der ehemaligen Deutschordenskommende. Erzbischof Theoderich von Wied rief 1216 die Ritter des Deutschen Ordens nach Koblenz. Es war die erste Niederlassung des Ordens im Rheinland. Von hier hat das Deutsche Eck seinen Namen.

Für Kinder

Hier wohnten früher Ritter vom Deutschen Orden. Ein Erzbischof holte sie 1216 nach Koblenz und schenkte ihnen Land und ein Krankenhaus, denn diese Ritter konnten Kranke pflegen. Weil sie hier wohnten, heißt die Spitze zwischen den beiden Flüssen Deutsches Eck. Später zogen die Ritter weg. Dann lagerten Soldaten in ihren Häusern Getreide, danach war hier ein Archiv für alte Papiere. 1944 fielen Bomben, und vieles ging kaputt. Suche eine Mauer, die zu nichts mehr gehört: kein Dach, keine Fenster, nur Mauer.

Quellen

Koordinaten: 50.3628, 7.605 · auf der Karte

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