Stadtohr

Stadtrundgang Koblenz · Station 11 von 16

Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck

1895–1897 · denkmal, kaiserreich, einheit

Ausführlich

Sie stehen am Deutschen Eck, und Sie stehen auf aufgeschüttetem Boden. Hier war im 19. Jahrhundert ein Nothafen an der Moselmündung, verbunden über eine Mole mit einer Sandbank. Im Volksmund hieß das Honsschwanz, Hundsschwanz, weil es geografisch der letzte Ausläufer des Hunsrücks war. Für das Denkmal wurde der Hafen zugeschüttet und die Landzunge geschaffen. Wenige Wochen nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. im Jahr 1888 entstand die Idee, ihm für die in drei Kriegen erkämpfte Einigung Deutschlands ein Denkmal zu errichten. Die Entscheidung überließ man dem jungen Kaiser Wilhelm II., und der entschied sich 1891 für Koblenz. Seine Gründe sind bekannt. Erstens der persönliche Bezug: Wilhelm I. hatte hier als Militärgouverneur am Rhein gelebt und gewirkt. Zur Amtszeit nennen die Quellen übrigens zwei Zeiträume, 1849 bis 1857 und 1850 bis 1858. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Zweitens die Verbindung zum Haus Hohenzollern: Einer der Hochmeister des am Deutschen Eck ansässigen Deutschen Ordens war als erster Hohenzoller Herzog von Preußen geworden. Drittens die Kastorkirche, in der um 842 der Vertrag von Verdun vorbereitet worden sein soll. Und es war eine Richtungsangabe. Gemeinsam mit der von Preußen wiedererrichteten Festung Ehrenbreitstein gegenüber markierte es eine Wacht am Rhein gegen Frankreich. Nun zum Werk. Errichtet von 1895 bis 1897 von der Rheinprovinz, nach Plänen von Bruno Schmitz, der auch das Kyffhäuserdenkmal und das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig entworfen hat. Das Reiterstandbild gestaltete Emil Hundrieser. Die gesamte Anlage mit Sockel ist etwa dreißig Meter hoch, das Monument insgesamt vierundvierzig, die Figurengruppe allein vierzehn. Schauen Sie auf den Sockel. Dort steht in großen Lettern Wilhelm dem Großen, ein Titel, den Wilhelm II. populär machen wollte und der sich nicht durchsetzte. Auf der Frontseite stehen zwei Verse des Koblenzer Dichters Max von Schenkendorf: Nimmer wird das Reich zerstöret, wenn ihr einig seid und treu. Hinten steht: Errichtet von der Rheinprovinz im Jahre 1897. Eingeweiht wurde das Denkmal am 31. August 1897 im Beisein Wilhelms II. In seiner Rede verwies er auf das Gottesgnadentum seiner Dynastie: Der Wille Gottes habe seinen Großvater zum Sieg geführt. Deshalb hält die Viktoria in Koblenz nicht das Pferd, wie in Berlin, sondern die Kaiserkrone. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Figurengruppe zerstört. Von 1953 bis 1990 war dieser Ort das Denkmal der Deutschen Einheit. 1993 wurde nach längeren politischen Diskussionen eine neue Gruppe nach dem alten Vorbild aufgestellt, nun in Bronze. Weil für die einzelnen Teile etwas unterschiedliche Legierungen verwendet wurden, hat die Patina heute verschiedene Farben. Schauen Sie genau hin: Man sieht die Gussteile.

Kurzfassung

Sie stehen am Deutschen Eck, vor dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Es wurde von 1895 bis 1897 von Bruno Schmitz und Emil Hundrieser auf einer neu geschaffenen Landzunge errichtet. Das Monument ist insgesamt 44 Meter hoch, das Reiterstandbild allein 14 Meter. Eingeweiht wurde es am 31. August 1897.

Für Kinder

Vor dir steht ein Kaiser aus Metall auf einem Pferd. Mit dem Sockel ist alles vierundvierzig Meter hoch, die Figur allein vierzehn: so hoch wie ein Haus mit vier Stockwerken. Der Boden unter deinen Füßen ist nicht gewachsen. Hier war früher ein kleiner Hafen, den hat man zugeschüttet, damit das Denkmal Platz hat. Im Krieg wurde die Figur zerstört, und lange stand der Sockel leer. Erst 1993 kam ein neuer Kaiser aus Bronze. Die Teile sind aus etwas verschiedenem Metall und färben sich unterschiedlich. Siehst du die Linien dazwischen?

Quellen

Koordinaten: 50.364166666, 7.605638888 · auf der Karte

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