Sie stehen beim Collegium Carolinum in Kassel. Landgraf Karl von Hessen-Kassel gründete es 1709 als neue Form von Hochschule. Es sollte Studenten, bevor sie an einer theologischen, juristischen oder medizinischen Fakultät studierten, in Mathematik, Physik und Anatomie ausbilden. Der Plan war größer als die Wirklichkeit. Landgraf Karl wollte das Carolinum als Akademie der Wissenschaften etablieren. Tatsächlich bekam es die Aufgabe, künftige Studenten auf das Fachstudium vorzubereiten. Die ersten Kollegs hielten zwei Professoren im Kasseler Kunsthaus. Das Ottoneum, die nächste Station, wurde als Kunsthaus genutzt und später dem Collegium angegliedert. Karl ließ eine Anatomiekammer und ein Observatorium einrichten und stellte seine landgräfliche Sammlung für die Lehre zur Verfügung. Dann ein Rückschlag. 1721 wurden die Professuren nach dem Tod ihrer Inhaber nicht wieder besetzt, und seit 1728 war der Rektor der Kasseler Stadtschule der einzige Lehrer am Carolinum. 1738 kam das Collegium Medico-Chirurgicum hinzu, das Militärchirurgen ausbildete. Erst mit dem Regierungsantritt von Landgraf Friedrich II. im Jahr 1760 wurde das Carolinum nach dem Vorbild des Braunschweiger Collegium Carolinum weiter gefördert. 1764 wurde ein Vorlesungsverzeichnis gedruckt, dazu kamen Professuren für Architektur, Malerei, Bildhauerei und Zeichenkunst. Zeitweise lehrten 17 Professoren am Carolinum. Unter ihnen waren der Bildhauer Johann August Nahl der Ältere, der Maler Johann Heinrich Tischbein der Ältere, der Architekt Simon Louis du Ry und der Historiker Johannes von Müller. Die Studenten blieben aus. 1764 gab es 55, meist bürgerliche. Das Bemühen, sie durch gute Ausstattung und bekannte Professoren anzuwerben, scheiterte, und Kinder aus adeligen Familien blieben dem Carolinum weitgehend fern. Nach dem Tod Friedrichs II. gegen Ende 1785 wurden mehrere Professoren nach Marburg versetzt. Weil das Collegium nicht in das Gesamtkonzept des hessischen Bildungswesens eingegliedert werden konnte, wurde der Lehrbetrieb 1791 eingestellt. Trotzdem hatte die Einrichtung wissenschaftlichen Rang. Die mäßige Zahl der Studenten erlaubte den Professoren, ihrer Wissenschaft nachzugehen und Lehrbücher und Rezensionen zu schreiben. Teilweise wurden ihre Lehrbücher an verschiedenen Universitäten benutzt, und Kassel wurde durch ihre Kontakte in das Netzwerk der Aufklärung eingebunden. Besonders die medizinische Fakultät war wichtig: Wegen der qualifizierten Ausbildung der Hebammen und Chirurgen genoss auch die Bevölkerung in Stadt und Umgebung eine bessere medizinische Versorgung. Und es blieb eine Spur: 1777 wurde aus dem Carolinum die Académie de Peinture et de Sculpture de Cassel gegründet. Sie bildet eine Brücke zur heutigen Kunsthochschule Kassel.
Sie stehen beim Collegium Carolinum, das Landgraf Karl 1709 gründete. Es war als neue Form von Hochschule gedacht und bereitete Studenten in Mathematik, Physik und Anatomie auf ein Fachstudium vor. 1791 wurde der Lehrbetrieb eingestellt. Aus ihm ging 1777 eine Kunstakademie hervor.
Du stehst bei einer Schule, die es nicht mehr gibt. Sie hieß Collegium Carolinum und wurde 1709 vom Landgrafen Karl gegründet. Hier lernten junge Männer Mathematik, Physik und Anatomie, bevor sie an einer Universität weiterstudierten. Aber es kamen zu wenige Studenten. 1764 waren es nur 55. 1791 wurde der Unterricht eingestellt. Aus der Schule ging 1777 eine Kunstakademie hervor, die eine Brücke zur heutigen Kunsthochschule bildet. Was würdest du dort gern lernen?
Koordinaten: 51.3133, 9.49889 · auf der Karte