Stadtohr

Stadtrundgang Jena · Station 11 von 16

Volkshaus

· bildung, orgel, zeiss-stiftung, konzerthaus

Ausführlich

Sie stehen vor dem Volkshaus Jena. Es war eines der ersten Volkshäuser und eine der ersten freien Bildungsstätten in Deutschland, eingerichtet nach nordamerikanischem Vorbild. Errichtet wurde es mit Mitteln der Carl-Zeiss-Stiftung durch Arwed Roßbach und 1903 eröffnet. Halten wir das kurz fest, denn es ist der rote Faden dieses Rundgangs: Eine Stiftung, die aus einer optischen Werkstatt erwachsen ist, baut der Stadt ein Haus für Bildung. Gefördert wurde es von den bei Zeiss tätigen Physikern Ernst Abbe und Siegfried Czapski sowie vom Verleger Eugen Diederichs, demselben, auf dessen Veranlassung der Abbe-Tempel entstand. Von 1903 bis 1908 arbeitete hier die Zeichenschule des Malers Erich Kuithan. Dann eine Episode, bei der die deutsche Geschichte um wenige Tage an diesem Gebäude vorbeiging. Im Januar 1919 sondierten der Reichstagsdirektor und ein Geheimrat mögliche Tagungsorte für die zu wählende Nationalversammlung. Im Gespräch waren Bayreuth, Nürnberg, das Hoftheater Weimar und das Volkshaus Jena. Die Wahl fiel am 14. Januar 1919 auf Weimar. Wäre sie anders ausgefallen, hieße die erste deutsche Republik heute vielleicht anders. Von Juni 1922 bis Oktober 1924 stand im Volkshaus die erste Ausstellung optischer Geräte, die später in das Optische Museum gegenüber zog. Nun zur Orgel, denn an ihr lässt sich dieses Haus gut erzählen. Am 10. November 1906 wurde die erste Volkshaus-Orgel im Großen Saal eingeweiht, gebaut von der Orgelbauanstalt Voit und Söhne aus Karlsruhe-Durlach. Das dreimanualige Instrument war 8,80 Meter breit und 5,90 Meter hoch und hatte 2.886 Pfeifen. Es tat Dienst bis Ende der 1960er Jahre. Abgerissen wurde es 1981, vierzehn Jahre nach seiner letzten Nutzung. Am Silvesterabend 1987 wurde als Ersatz eine Sauer-Orgel eingebaut. Mit 4.800 Pfeifen und 61 Registern gehört sie zu den größten neueren Orgeln Thüringens, und sie hat einen beweglichen Spieltisch. Die Kosten betrugen 1,5 Millionen DDR-Mark, bezahlt vom VEB Carl Zeiss Jena. Geplant hat sie der Orgelsachverständige und Organist Hartmut Haupt. Seit 2019 läuft die Diskussion, welche Zukunft diese Orgel haben kann, denn das Volkshaus soll zu einem Kultur- und Kongresszentrum umgestaltet werden. In einem Symposium wurde mit Fachleuten und der Bevölkerung über Optionen und Kosten gesprochen. Zum Stand 2025 ist die Orgel erhalten, die Finanzierung einer Sanierung steht aber noch aus. Heute gehört das Haus der Ernst-Abbe-Stiftung. Hier sitzen die Jenaer Philharmonie, eine freie Zeichenschule und der Jenaer Kunstverein. Die Ernst-Abbe-Bücherei ist 2024 in einen größeren Neubau am Engelplatz umgezogen.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Volkshaus Jena. Errichtet wurde es mit Mitteln der Carl-Zeiss-Stiftung durch Arwed Roßbach und 1903 eröffnet. Es war eine der ersten freien Bildungsstätten dieser Art in Deutschland, eingerichtet nach nordamerikanischem Vorbild. Heute sitzt hier die Jenaer Philharmonie.

Für Kinder

Dieses Haus heißt Volkshaus. Es wurde 1903 eröffnet und war für alle Leute in der Stadt gedacht: zum Lernen, zum Zuhören, zum Zeichnen. Bezahlt hat es die Stiftung der Firma Carl Zeiss. Im großen Saal steht eine Orgel mit 4.800 Pfeifen. Sie wurde an Silvester 1987 eingebaut und kostete 1,5 Millionen Mark. Die alte Orgel davor hatte 2.886 Pfeifen. Fast wäre dieses Haus berühmt geworden: 1919 wurde überlegt, ob das deutsche Parlament hier zusammenkommt. Man entschied sich dann für Weimar.

Quellen

Koordinaten: 50.9272, 11.58 · auf der Karte

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