Stadtohr

Stadtrundgang Ingolstadt · Station 5 von 16

St. Johann im Gnadenthal

· franziskanerinnen, spätgotik, säkularisation, holzrelief

Ausführlich

Sie stehen vor St. Johann im Gnadenthal, der Klosterkirche der Franziskanerinnen. Das Gnadenthalkloster Ingolstadt, zu dem sie gehört, wurde 1276 gegründet. Die Kirche, die Sie vor sich haben, ist über zweihundert Jahre jünger: ein einschiffiger Bau mit Dachreiter, 1487 im spätgotischen Stil errichtet, wohl unter Leitung eines Baumeisters namens Mörsheimer. Ab etwa 1605 wurde nach Westen barock erweitert, und um 1697/98 wurde das Portal ebenfalls barock verändert. Drei Schichten, ein kleines Haus. Innen hängt an der südlichen Längswand ein Holzrelief, St. Anna selbdritt, von Hans Leinberger, datiert auf 1513. Schauen Sie es sich genau an, denn es ist ein Bruchstück. Es war eigentlich der Mittelteil eines dreiteiligen Altarbildes. Die Seitenteile fehlen, der Kern hängt heute allein in einer Wand. Einer Inschrift zufolge wurde das Bild von zwei Bürgern gestiftet, Jakob Riedler und Veit Peringer. Namen von Stiftern bleiben, Namen von Bildschnitzern oft nicht; hier haben wir beide. Daneben steht die sogenannte Landshuter Madonna, eine Schnitzarbeit, die auf 1522 datiert wird. Sie ist erst seit 1803 Teil dieser Kirche, und der Weg, auf dem sie hierher kam, ist derselbe, den wir an der vorigen Station von der anderen Seite gesehen haben. Ursprünglich gehörte sie zum Landshuter Franziskanerinnenkloster. Als die Säkularisation dieses Kloster auflöste, gelangte die Figur nach Ingolstadt. Am Bartholomäer-Institut hat die Säkularisation einer Einrichtung ihre Aufgabe genommen. Hier hat dieselbe Welle einem Haus eine Figur gebracht. Das ist kein Ausgleich, es ist nur dieselbe Mechanik von zwei Seiten gesehen: wenn Klöster aufgelöst werden, wandern die Dinge, und die Dinge landen dort, wo noch jemand da ist, der sie aufstellt. Im Chor finden Sie eine vierte Schicht, und sie ist jung. Die Wandmalereien dort schuf 1953 die Ordensschwester Euphemia Blaschke. Eine Frau aus dem Konvent, die ihre eigene Kirche ausgemalt hat. Gehen wir weiter. Die nächste Station hat mit Beten nichts zu tun, dort geht es um Geld.

Kurzfassung

Sie stehen vor St. Johann im Gnadenthal, der Klosterkirche der Franziskanerinnen. Das Gnadenthalkloster wurde 1276 gegründet, die Kirche 1487 im spätgotischen Stil errichtet. Ab etwa 1605 wurde sie nach Westen erweitert, das Portal um 1697/98 verändert.

Für Kinder

Du stehst vor einer kleinen Klosterkirche. Hier leben Ordensschwestern, Franziskanerinnen. Die Kirche selbst wurde 1487 gebaut. Innen hängt ein geschnitztes Bild aus Holz von 1513. Es ist nur ein Stück von einem größeren Bild, die beiden Seitenteile sind verschwunden. Drinnen steht auch eine Holzfigur, die eigentlich nicht hierher gehört. Sie kam 1803 aus der Stadt Landshut, weil dort ein Kloster geschlossen wurde. Eine Schwester aus diesem Kloster hat 1953 die Wände im Chor bemalt. Was würdest du an eine Kirchenwand malen?

Quellen

Koordinaten: 48.7658, 11.4228 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.