Sie stehen vor dem Kaisheimer Haus. Es heißt auch Stadtpalast, und beide Namen erzählen etwas. Ein dreigeschossiges Eckhaus mit Walmdach an der Harderstraße. Schauen Sie an die Gebäudeecken hinauf: polygonale Erkertürmchen, bekrönt von Zwiebelhauben. Das ist kein Bürgerhaus-Detail, das ist Repräsentation. Eine Quelle nennt es das erste Haus am Platze. Und wem gehörte das erste Haus am Platze? Keinem Ingolstädter Geschlecht. Es war das Stadthaus des Klosters Kaisheim bei Donauwörth. Ein Kloster vom Land hielt sich eine Adresse in der Stadt, dort, wo die Geschäfte gemacht und die Entscheidungen getroffen wurden. Ingolstadt war im späten Mittelalter neben München, Landshut und Straubing eine der Hauptstädte der bayerischen Teilherzogtümer und ab 1472 Universitätsstadt. Wer hier etwas wollte, brauchte ein Haus hier. Um 1600 wechselte das Haus die Liga. Es wurde als Stadtpalast der Fugger ausgebaut. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde es barock umgeformt. Heute nutzt das Amtsgericht einen Teil des Gebäudes. Kloster, Handelshaus, Gericht: in jedem Jahrhundert eine andere Macht unter demselben Walmdach. Jetzt zu etwas, das nicht mehr hier ist. Auf dem Platz zwischen dem Kaisheimer Haus und der Franziskanerkirche, also auf dem Stück Boden, das Sie gerade überblicken, stand ursprünglich der Nepomukbrunnen. Er steht nicht mehr da. Er steht heute im Hof des Neuen Schlosses. Merken Sie sich das, wir kommen dort vorbei. Es ist eine kleine Beobachtung mit einem großen Muster dahinter: in dieser Stadt sind Dinge gewandert. Eine Madonna von Landshut nach Ingolstadt, Teile des abgebrochenen Donautors an das Portal des Neuen Schlosses, ein Brunnen von diesem Platz in einen Schlosshof. Wenn Sie wissen wollen, wie eine Altstadt entsteht, dann ist das die Antwort: nicht durch einen Plan, sondern durch Umzüge. Drehen Sie sich zur Franziskanerkirche. Sie ist unsere nächste Station, und sie hat keinen Turm.
Sie stehen vor dem Kaisheimer Haus, auch Stadtpalast genannt, an der Harderstraße. Es war das Stadthaus des Klosters Kaisheim bei Donauwörth. Um 1600 wurde es als Stadtpalast der Fugger ausgebaut, im 17. und 18. Jahrhundert barock umgeformt. Heute nutzt das Amtsgericht einen Teil.
Du stehst vor einem Eckhaus. Schau nach oben an die Ecken: Da sitzen kleine Türmchen mit runden Dächern, die aussehen wie Zwiebeln. Es gehörte einem Kloster, das gar nicht in Ingolstadt war, sondern in Kaisheim bei Donauwörth. Die Mönche wollten eine Adresse in der großen Stadt haben. Um 1600 übernahm die reiche Familie Fugger das Haus. Heute arbeitet hier ein Gericht. Zwischen diesem Haus und der Kirche daneben stand früher ein Brunnen. Er ist weggezogen, in den Hof vom Neuen Schloss. Findest du ihn später wieder?
Koordinaten: 48.76597, 11.42342 · auf der Karte