Sie stehen vor dem Herzogskasten, auch Altes Schloss genannt, einem gotischen Profanbau aus dem 13. Jahrhundert. Er wurde um 1255 im Auftrag Ludwigs des Strengen als Pfalz erbaut. Damit ist er das älteste noch erhaltene nicht-kirchliche Gebäude der Stadt. Die älteste erhaltene Kirche sehen wir als nächstes; auch sie wird uns eine Jahreszahl aus dem 13. Jahrhundert nennen. Der Name führt in die Irre, und das ist das Interessante an diesem Haus. Kasten heißt Getreidespeicher. In Abensberg und Kelheim gibt es kleinere Gebäude mit demselben Namen, und dort trifft er zu. Hier nicht, jedenfalls nicht am Anfang. Dieses Haus diente anfangs nicht als Kornspeicher, sondern war bis zur Fertigstellung des Neuen Schlosses im 15. Jahrhundert der Palas, der Wohnbau der Residenz, für die Ingolstädter Herzöge und ihre Nachfolger. Der Umbau zum Getreidespeicher erfolgte wohl erst Ende des 17. Jahrhunderts. Der Name ist also vierhundert Jahre jünger als das Haus und beschreibt seine dritte Verwendung. Schauen Sie an der Wand nach oben und suchen Sie die westliche Schmalseite. Dort sitzt ein Chörlein, ein kleiner vorgebauter Erker. Er zeigt an, wo sich einst die Schlosskapelle befand. So liest man ein Gebäude, dessen Inneres längst ausgetauscht ist: an den Resten außen. Denn das Haus, das heute acht Stockwerke umfasst, hatte ursprünglich eine andere Geschosseinteilung und damit eine andere Fensterverteilung. Als Baumaterial dienten Bruch- und Backsteine. Die mit Lisenen gegliederten Treppengiebel an den Stirnseiten kamen wohl erst im 14. Jahrhundert hinzu. Gehen Sie ein paar Schritte nach Osten. Dort ist ein runder Stadtmauerturm angebaut, ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert, und der erklärt die Lage. Bei seiner Fertigstellung lag der Herzogskasten als zusätzliche Befestigung am südöstlichen Ende der rechteckigen, ersten Stadtmauer, die im Süden an die Schutter grenzte. Erste Stadtmauer: die zweite kommt am Ende dieses Rundgangs, am Kreuztor. Wohnhaus und Wehrbau waren dasselbe Gebäude. Ursprünglich gehörten mehrere Nebengebäude um einen Hof dazu. Heute ist das Haus eine Bücherei, und auch dieser Weg ist nicht gerade verlaufen. Seit 1974 ist das Alte Schloss nach seiner Renovierung öffentlich zugänglich. Die Stadt kaufte das Gebäude von der Bäko zurück, und seit 1981 befindet sich hier die Ingolstädter Stadtbücherei, benannt nach der Ingolstädter Schriftstellerin Marieluise Fleißer: die Marieluise-Fleißer-Bücherei im Herzogskasten. Den Umbau führten zwischen 1978 und 1980 die Architekten Alexander Freiherr von Branca, Florian Brand und Ernst Falkner aus. Sie setzten Betonkassettendecken ein, hölzerne Galerien und im Untergeschoss neue Beton-Tonnendecken. Pfalz, Palas, Getreidespeicher, Bücherei. Acht Stockwerke, achthundert Jahre.
Sie stehen vor dem Herzogskasten, auch Altes Schloss genannt. Er wurde um 1255 im Auftrag Ludwigs des Strengen als Pfalz erbaut und ist das älteste erhaltene nicht-kirchliche Gebäude der Stadt. Bis das Neue Schloss fertig war, wohnten hier die Herzöge. Heute ist die Stadtbücherei darin.
Du stehst vor dem ältesten Haus der Stadt, das keine Kirche ist. Es wurde um 1255 gebaut, für einen Herzog namens Ludwig der Strenge. Hier wohnte er, bis zweihundert Jahre später das Neue Schloss fertig war. Das Haus heißt Herzogskasten. Kasten heißt Getreidespeicher. Das ist aber erst später daraus geworden, am Anfang war es ein Wohnhaus. Schau an der schmalen Seite nach oben: Da ragt ein kleiner Erker vor. Dahinter war früher die Kapelle. Eine Bücherei mit vielen Büchern, auf acht Stockwerken. Würdest du in einer Burg lesen wollen?
Koordinaten: 48.7636, 11.4275 · auf der Karte