Stadtohr

Stadtrundgang Ingolstadt · Station 11 von 16

St. Moritz

0900 · untere pfarr, romanik, pfarrschule, dreißigjähriger krieg

Ausführlich

Sie stehen vor der Moritzkirche, der Unteren Pfarr. Das ist die Kirche, von der am Anfang dieses Rundgangs die Rede war: 1407 wurde Ingolstadt in zwei Pfarreien geteilt, und weil diese hier die ältere war, heißt sie seither die Untere, während das Münster die Obere Pfarr bekam. Älter ist dabei ein zurückhaltendes Wort. In ihrem ältesten Bestand reicht die Kirche in das 9. Jahrhundert zurück, in die Zeit der Stadtgründung. Ingolstadt wurde 806 erstmals erwähnt, und Wikidata nennt für dieses Bauwerk das Jahr 900. Ihr jetziger Zustand geht auf das Jahr 1234 zurück, womit sie das älteste erhaltene Bauwerk Ingolstadts ist. Halten Sie das neben die vorige Station: der Herzogskasten von um 1255 ist das älteste erhaltene nicht-kirchliche Gebäude. Zwei Häuser, zwanzig Jahre auseinander, und zusammen die beiden Wurzeln dieser Stadt. Bis zur Fertigstellung des Münsters war diese Kirche die einzige in Ingolstadt. Sie ist eine dreischiffige gotische Basilika mit romanischen Elementen, dem heiligen Mauritius geweiht, und sie hat Kapellen in den Seitenschiffen. Ihre Ausstattungsgeschichte ist ein Lehrstück darüber, wie jede Zeit ihren Geschmack für den richtigen hält. Im 18. Jahrhundert ergänzte Johann Baptist Zimmermann Rokokoelemente. 1880 wurden sie wieder entfernt. Nach 1945 versuchte man, einen Teil der Dekorationen wiederherzustellen. Dazu, hinzu, weg, halb zurück. Hier beginnt auch die Schule in dieser Stadt. Die Anfänge des Schulwesens gehen auf St. Moritz zurück, für das Jahr 1328 ist eine Pfarrschule bezeugt. Fast hundertfünfzig Jahre später, am 13. März 1472, wurde Ingolstadt Sitz der ersten Universität Bayerns. Vom Lesenlernen beim Pfarrer bis zur Landesuniversität liegt in dieser Stadt ein Weg von wenigen Gehminuten. Jetzt zu den Türmen, und bitte lassen Sie sich nicht täuschen. Diese Kirche hat, entgegen dem ersten Eindruck, nur einen einzigen Kirchturm: den östlich des Kirchenschiffs, mit dem spitzen Turmhelm. Der andere Turm, der so selbstverständlich dazuzugehören scheint, ist nicht ihr Turm. Es ist der städtische Pfeifturm, und wir stehen gleich davor. Auf ihm wohnte bis 1938 ein Türmer, der Brände und Gefahren im Stadtgebiet zu melden hatte. Kirche und Stadt haben hier Jahrhunderte Schulter an Schulter gestanden, und die meisten Betrachter halten es für ein Gebäude. Mit knapp siebzig Metern Höhe ist die Moritzkirche zusammen mit dem Liebfrauenmünster das höchste Gotteshaus Ingolstadts. Ein Letztes, an der Rückseite des Chorraums. Dort liegt die Grablege des Franz von Mercy, Oberbefehlshaber der kaiserlich-bayerischen Armee der Katholischen Liga im Dreißigjährigen Krieg. Ein Feldherr in der ältesten Kirche der Stadt, zwei Minuten von dem Schloss, das zur Landesfestung ausgebaut wurde.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Moritzkirche, der Unteren Pfarr. Ihr ältester Bestand reicht in das 9. Jahrhundert zurück, in die Zeit der Stadtgründung. Ihr jetziger Zustand geht auf 1234 zurück; sie ist das älteste erhaltene Bauwerk Ingolstadts. Bis das Münster fertig war, war sie die einzige Kirche der Stadt.

Für Kinder

Du stehst vor der ältesten Kirche von Ingolstadt. Der älteste Teil ist aus dem 9. Jahrhundert, also vor über tausend Jahren. So wie du sie heute siehst, ist sie seit 1234 da. Hier gab es auch die erste Schule: Schon 1328 lernten hier Kinder lesen. Und jetzt ein Trick für die Augen. Schau die zwei Türme an. Nur einer gehört zur Kirche, der mit dem spitzen Dach. Der andere gehört der Stadt und heißt Pfeifturm. Dort hat ein Mann gewohnt und nach Feuer Ausschau gehalten. Hättest du den Unterschied gesehen?

Quellen

Koordinaten: 48.7636, 11.4247 · auf der Karte

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