Stadtohr

Stadtrundgang Ingolstadt · Station 15 von 16

Alte Anatomie

· anatomie, universität, gabrieli, hörsaal

Ausführlich

Sie stehen vor der Alten Anatomie. Von außen sieht dieses Gebäude aus wie ein kleines Schloss, und das ist Absicht. Es wurde zwischen 1723 und 1736 nach Plänen des Eichstätter Hofbaudirektors Gabriel de Gabrieli erbaut, im Auftrag der Medizinischen Fakultät der Universität Ingolstadt unter dem damaligen Anatomie-Ordinarius Johann Adam Morasch. Warum wurde es überhaupt gebaut? Weil die Universität zu eng war, und das schon lange. Bereits im 16. Jahrhundert reichten die Räumlichkeiten der Hohen Schule nicht mehr aus, und die medizinische Fakultät wich für Sektionen in andere Gebäude aus. Ende des 17. Jahrhunderts lag ein kompletter Universitätsneubau auf dem Tisch und wurde abgelehnt, nicht zuletzt aus Kostengründen. Daraufhin tat die medizinische Fakultät, was eine Fakultät tun kann, wenn die Universität nicht baut: sie kaufte selbst. Sie erwarb das Grundstück zwischen der Hohen Schule und der Stadtmauer. Es entstanden Pläne eines Gebäudes im Stil einer Orangerie beziehungsweise eines kleinen Schlösschens, in dessen Mitte sich der große Hörsaal befindet. Lesen Sie diese Bauaufgabe einmal nüchtern: gesucht war ein Raum, in dem man menschliche Körper öffnet und darüber lehrt, und gebaut wurde ein Schlösschen mit Arkaden. Weil die Flügel aufgestockt und weitere Ergänzungen vorgenommen wurden, zog sich der Bau bis 1736 hin. Dann war der amphitheaterähnliche Hörsaal mit dem barocken Deckenfresko von Melchior Puchner fertig. Amphitheater: ringsum aufsteigende Sitze, in der Mitte der Tisch. Darüber ein gemalter Himmel. Benutzt wurde das Haus bis 1800 als Universitätsinstitut. Dass die Festungsstadt auch ihre Gelehrtenhäuser bezahlen ließ, zeigt eine Jahreszahl: im Österreichischen Erbfolgekrieg wurde das erst zehn Jahre alte Gebäude 1745 stark beschädigt, und erst in den 1750er Jahren konnten die gröbsten Schäden beseitigt werden. Kurz darauf war es vorbei: die Universität wurde nach Landshut verlegt. Und dann geschah mit diesem Haus das, was mit leerstehenden Häusern geschieht. Nach dem Wegzug der Universität verfiel das Gebäude und wurde unter anderem sogar als Bauernhof genutzt. Ein Hörsaal mit Deckenfresko, in dem Vieh steht. Halten Sie das neben die anderen Umnutzungen dieses Rundgangs: das Priesterseminar wurde Lazarett und Offizierskasino, der Herzogspalas wurde Getreidespeicher, das Schloss wurde Museum. Diese Stadt hat ihre Häuser nicht gepflegt, sie hat sie gebraucht. Deshalb stehen sie noch. Gerettet wurde die Alte Anatomie durch ein Jubiläum. Anfang der 1970er Jahre kaufte die Stadt Ingolstadt das Gebäude aus Anlass des fünfhundertjährigen Bestehens der Universitätsgründung von 1472 und restaurierte es. 1971 beschloss der Stadtrat, hier das Deutsche Medizinhistorische Museum unterzubringen, das das Haus bis heute beherbergt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Alten Anatomie, einem barocken Profanbau. Erbaut wurde er 1723 bis 1736 nach Plänen des Eichstätter Hofbaudirektors Gabriel de Gabrieli, im Auftrag der Medizinischen Fakultät der Universität Ingolstadt. Bis 1800 war das Haus Universitätsinstitut.

Für Kinder

Du stehst vor einem Haus, das wie ein kleines Schloss aussieht. Es ist aber keins. Hier lernten früher Medizinstudenten, wie der menschliche Körper innen aussieht. Gebaut wurde es von 1723 bis 1736. In der Mitte liegt ein runder Hörsaal: Die Sitze steigen ringsum an, wie in einem Zirkus, und unten stand der Tisch des Professors. An der Decke ist ein Himmel gemalt. Als die Universität 1800 wegzog, wusste niemand mehr, was man mit dem Haus machen soll. Eine Zeit lang war hier sogar ein Bauernhof mit Tieren drin. Heute ist es wieder ein Museum.

Quellen

Koordinaten: 48.762536111, 11.419327777 · auf der Karte

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