Stadtohr

Stadtrundgang Hildesheim · Station 4 von 16

Tintenfassmadonna

· madonna, spätgotik, skulptur, dom

Eine farbig gefasste, aufrechte Marienfigur steht auf einer kleinen Konsole an einem hellen Steinpfeiler. Sie trägt eine goldene, zackige Krone, langes, welliges Haar und einen blauen Mantel mit goldenem Saum. Auf dem linken Arm sitzt das nackte Kind mit lockigem Haar und hält einen dünnen Stift. In ihrer Hand liegt ein kleiner, dunkler Gegenstand.
Foto: Arnoldius (changes by Rabanus Flavus), CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Was Sie vor sich sehen

Eine farbig gefasste, aufrechte Marienfigur steht auf einer kleinen Konsole an einem hellen Steinpfeiler. Sie trägt eine goldene, zackige Krone, langes, welliges Haar und einen blauen Mantel mit goldenem Saum. Auf dem linken Arm sitzt das nackte Kind mit lockigem Haar und hält einen dünnen Stift. In ihrer Hand liegt ein kleiner, dunkler Gegenstand.

Ausführlich

Sie stehen vor der Tintenfassmadonna im Hildesheimer Dom. Es ist eine spätgotische Skulptur der Muttergottes, um 1430 von einem niedersächsischen Bildschnitzer geschaffen. Die farbig gefasste Holzstatue ist lebensgroß. Sie zeigt die Merkmale des Weichen oder Schönen Stils: Zartheit der Gesichter, eine gelöste Haltung, einen fließenden Faltenwurf des Gewandes. Schauen Sie auf die Kleidung. Maria trägt über einem weißen Unterkleid ein kostbares blaues Gewand mit goldenem Saum, das von der rechten Schulter herabfällt. Auf dem Kopf trägt sie eine hohe goldene Krone mit fünf dreiblättrigen Lilien. Auf ihrem linken Arm sitzt der unbekleidete Jesusknabe. Er beugt sich, von der Mutter weg, in gleicher Blickrichtung mit ihr zum Betrachter herab. Nun zum Namen. Die Besonderheit der Darstellung ist das Motiv des Schreibens. Das Kind hält in der Rechten eine Schreibfeder, auf seinen Knien liegt eine Buchrolle, die bis zu seinen Füßen entrollt ist. Die Mutter hält ihm in der Rechten das Tintenfass bereit. Naheliegend ist die Deutung, dass das Jesuskind, freilich noch sehr jung, von der Mutter das Schreiben lernt. Darüber hinaus ist an das Buch des Lebens zu denken, in dem die Namen der Erlösten eingeschrieben sind. Der Sohn Gottes und Marias verzeichnet die Gläubigen im Buch des Heils. Maria wirkt dabei mit, indem sie den Stoff liefert. Ursprünglich befand sich die Statue im Kapitelsaal des Hildesheimer Domkapitels. Heute ist sie das wichtigste Muttergottesbild des Mariendoms. Von 1960 bis 2010 hatte sie ihren Platz am südwestlichen Vierungspfeiler, seit 2014 steht sie am nordwestlichen.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Tintenfassmadonna im Hildesheimer Dom. Die lebensgroße Holzstatue der Muttergottes entstand um 1430. Das Jesuskind hält eine Schreibfeder, und Maria reicht ihm das Tintenfass. Heute ist sie das wichtigste Muttergottesbild des Mariendoms.

Für Kinder

Du stehst vor einer Statue von Maria mit dem Jesuskind. Sie ist so groß wie ein Mensch und aus Holz geschnitzt, vor fast sechshundert Jahren. Schau dir das Kind genau an. Es hält eine Schreibfeder in der Hand, und auf seinen Knien liegt eine Schriftrolle, die bis zu den Füßen reicht. Maria hält ihm das Tintenfass hin. Deshalb heißt die Statue Tintenfassmadonna. Vielleicht lernt das Kind gerade schreiben. Maria trägt eine goldene Krone mit fünf Lilien. Kannst du alle Lilien finden? Und was würdest du aufschreiben?

Quellen

Koordinaten: 52.1489, 9.9464 · auf der Karte

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