Stadtohr

Stadtrundgang Hildesheim · Station 6 von 16

St. Michael

1010 · kirche, ottonisch, bernward, weltkulturerbe

St. Michael
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Ausführlich

Sie stehen vor der Michaeliskirche, auf dem Michaelishügel am nordwestlichen Rand des historischen Stadtkerns. Sie ist eine ottonische, also vorromanische Kirche und gehört seit 1985 gemeinsam mit dem Dom zum Weltkulturerbe. Bischof Bernward ließ nach seinem Amtsantritt 993 auf diesem Hügel eine Kapelle errichten, die er am 10. September 996 dem Heiligen Kreuz weihte. Eine Partikel davon hatte er von Otto III. geschenkt bekommen. Im Laufe seiner Amtszeit erweiterte er die Stiftung zu einem großen Benediktinerkloster. Einen 1908 unter dem südwestlichen Treppenturm gefundenen Steinblock mit der Jahreszahl 1010 sieht man als Grundstein der Abteikirche an. Die Westkrypta bestimmte Bernward zu seiner Grablege, er weihte sie am Michaelistag 1015. Am 20. November 1022 starb er im Michaeliskloster und wurde in der Krypta bestattet. Die ganze Kirche weihte 1033 sein Nachfolger Godehard. Wie viel Bernward selbst als Architekt leistete, wird diskutiert. Einig ist man sich, dass seine Leistung weit über die eines Bauherrn hinausgeht. Der Bauhistoriker Hartwig Beseler nannte ihn den geistigen Schöpfer des Raumgedankens. Als ausführenden Baumeister nennt man oft den ersten Abt Goderam. Die Kirche hat sechs Türme, vier Treppentürme und zwei Vierungstürme. Sie ist doppelchörig und hat zwei Querhäuser. Das Vorbild war der karolingische Kölner Dom. Schauen Sie auf die Bögen: Verschiedenfarbige Steine beleben den Innenraum. Die bemalte Holzdecke im Langhaus entstand um 1230. Hinter dem Kreuzaltar stand hier einst die Christussäule. Am 12. November 1542 wurde die Kirche nach Einführung der Reformation evangelisch-lutherisch. Der Benediktinerkonvent blieb bis 1803 und durfte die Bernwardskrypta weiter nutzen. Sie ist bis heute katholisch. Damit ist St. Michael eine von 65 Simultankirchen in Deutschland. Von 1827 bis 1943 bestand im Kloster eine Heil- und Pflegeanstalt. 1941 wurden etwa 440 Patienten im Zuge der Aktion T4 abtransportiert und ermordet. Im Zweiten Weltkrieg blieben von der Kirche nur 30 Prozent der Bausubstanz erhalten.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Michaeliskirche, einer ottonischen Kirche auf dem Michaelishügel. Bischof Bernward gründete hier ein Benediktinerkloster, ein Stein mit der Jahreszahl 1010 gilt als Grundstein. In der Krypta liegt sein Grab. Seit 1985 gehört die Kirche zum Weltkulturerbe.

Für Kinder

Du stehst vor einer sehr alten Kirche. Bischof Bernward hat sie gegründet. Unter einem Turm fand man einen Stein mit der Zahl 1010, wohl der Grundstein. Bernward liegt hier begraben, in der Krypta, einem Raum unter der Kirche. Die Kirche hat sechs Türme. Zählst du sie alle? Drinnen gibt es eine Decke aus Holz, die um 1230 bemalt wurde. Die Kirche gehört heute zwei Gemeinden: Oben sind die Protestanten, in der Krypta die Katholiken. Solche Kirchen gibt es in Deutschland nur 65. Wo, glaubst du, ist die Grenze?

Quellen

Koordinaten: 52.1529, 9.9435 · auf der Karte

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