Stadtohr

Stadtrundgang Heidelberg · Station 5 von 16

Heiliggeistkirche

1398 · kirche, gotik, kurfürsten, universität

Heiliggeistkirche
Foto: Detlef Huhn, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor der Heiliggeistkirche. Sie ist die größte und bedeutendste Kirche Heidelbergs und steht mit der Apsis zum Marktplatz. Ihr Turm prägt mit dem achteckigen Glockenturm des Schlosses das Stadtbild. Es ist eine gotische Hallenkirche aus rotem Neckartäler Sandstein, mit barockem Dach und barocker Turmhaube. Gebaut wurde sie von 1398 bis 1515. Dass die Kirche so groß wurde, hat mit dem Rang der Stadt zu tun. Im 14. Jahrhundert hatte Heidelberg sich als Hauptstadt der Kurpfalz durchgesetzt. 1356 hatte die Goldene Bulle den Pfalzgrafen bei Rhein die Kurwürde verliehen, seither hießen sie Kurfürsten von der Pfalz. Eine solche Residenzstadt sollte eine große und repräsentative Kirche erhalten, auch als künftige Grablege der Kurfürsten. Ruprecht III. ließ ab 1398 einen hohen, lichten Hallenchor bauen. Im Jahr 1400 wurde er zum deutschen König gewählt, und der Chor sollte einmal das Grab eines Königs aufnehmen. Vermutlich 1410 war er für die Beisetzung Ruprechts vollendet. Das Langhaus wurde 1441 fertig, genauso hoch wie der Chor. Mit dem Westturm begann man wahrscheinlich im selben Jahr. Dann ruhten die Arbeiten bis 1508, und wahrscheinlich 1515 war der Turm vollendet. Als Baumeister nennen die Urkunden den Heidelberger Bürger Arnold Rype. Gemeint war damals der Finanzkoordinator, nicht der Architekt. Die Kirche hat auch mit der Universität zu tun. Die Universität wurde 1386 von Ruprecht I. gegründet, nach Prag und Wien als dritte im Heiligen Römischen Reich. Sie ist die älteste in Deutschland. Ruprecht III. erreichte beim Papst, dass die Heiliggeistkirche zur Stiftskirche erhoben wurde. Ihre Pfründen finanzierten die junge Universität, und deren Professoren waren zugleich Stiftsherren. Die Gründung der Universität wurde mit einer Messe in der damaligen Heiliggeistkirche gefeiert, und die Kirchentür diente als Schwarzes Brett. Dann der 22. Mai 1693, im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Französische Truppen sperrten eine große Menschenmenge in der Kirche ein und steckten sie in Brand. Erst als schon Glocken, Balken und Gewölbeteile herabstürzten, wurde auf Bitten des jungen reformierten Pfarrers Johann Daniel Schmidtmann eine Tür geöffnet. Bei der Flucht wurden viele Menschen erdrückt. Beim Wiederaufbau erhielt die Kirche von 1698 bis 1700 ein Dach in gebrochener Form. Es gehört zu den frühesten noch komplett erhaltenen Mansarddächern in Deutschland. 1709 folgte die barocke Turmhaube. Von 1706 bis 1936 teilte eine Scheidemauer die Kirche. Das Langhaus war protestantisch, der Chor katholisch. Seit 1936 gehört die gesamte Kirche zur Evangelischen Landeskirche in Baden. Dass die katholische Gemeinde später eine eigene Kirche bekam, erfahren Sie an der nächsten Station.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Heiliggeistkirche, der größten und bedeutendsten Kirche Heidelbergs. Die gotische Hallenkirche aus rotem Sandstein wurde von 1398 bis 1515 gebaut. Von 1706 bis 1936 trennte eine Mauer das Langhaus vom Chor: Das eine war protestantisch, das andere katholisch.

Für Kinder

Das ist die Heiliggeistkirche, die größte Kirche Heidelbergs. Sie besteht aus rotem Sandstein, und man hat über hundert Jahre an ihr gebaut, von 1398 bis 1515. Von 1706 bis 1936 stand mitten in der Kirche eine Mauer. Auf der einen Seite feierten die Protestanten ihren Gottesdienst, auf der anderen die Katholiken. An der Kirchentür hing das Schwarze Brett der Universität. Was würdest du an so eine Tür hängen?

Quellen

Koordinaten: 49.412083333, 8.70975 · auf der Karte

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