Sie stehen am Hohen Ufer, in Höhe der Pferdestraße. Die Plattform unter Ihnen ist mittelalterlich stilisiert, also im Stil des Mittelalters gestaltet, ohne mittelalterlich zu sein. Sie ersetzt den Kopf einer Brücke, die hier nicht mehr ist. Die Sommerbrücke führte über die Leine. Sie verband die Altstadt in Höhe des Beginenturms mit der Leineinsel, die den Namen Klein-Venedig trug, und darüber hinaus mit der Calenberger Neustadt, wo wir vorhin standen. Die erste Brücke Hannovers lag woanders. Seit dem Mittelalter gab es den ältesten bekannten Übergang zwischen dem Gallentor an der Roßmühle auf der einen und der Burg Lauenrode auf der anderen Seite des Flusses. Diese Brücke soll zu Verteidigungszwecken als Zugbrücke konstruiert gewesen sein. Zur Burg Lauenrode kommen wir an der vorletzten Station, dann wird klarer, warum eine Brücke dorthin hochziehbar sein musste. Mitten im Dreißigjährigen Krieg wurde, wiederum zu Verteidigungszwecken, das Zeughaus gebaut, wodurch die Straße Roßmühle zur Sackgasse wurde. Deshalb legte man 1646 weiter südlich eine neue Holzbrücke für Fußgänger an. Und jetzt kommt der Grund, der in der Quelle steht und den man sich schwer ausdenken könnte. Sie diente vor allem dem Fürstlichen Statthalter Friedrich Schenck von Winterstädt. Der wohnte in der Bäckerstraße, auf dem Hof des herzoglichen Vogts, und durch diese Brücke konnte er nachts in das Leineschloss und wieder heraus gelangen, ohne erst die Wächter das Leintor öffnen lassen zu müssen. Eine öffentliche Brücke, gebaut, damit ein hoher Beamter nachts ungestört ein und aus gehen kann. Dann wurde sie verlegt. Ab 1680 ließ Herzog Ernst August von Braunschweig-Lüneburg zweiundvierzig Häuser auf der Leineinsel abreißen, die dem Leineschloss gegenüberstanden und in denen vor allem Färber und Gerber wohnten und arbeiteten, und in den beiden folgenden Jahren neu errichten. Um diese Neue Straße besser zu erschließen, ließ der Herzog die alte Sommerbrücke an den nördlichen Teil der Leineinsel verlegen, in Höhe des Beginenturms. Laut dem hannoverschen Chronisten Johann Heinrich Redecker war die neue Sommerbrücke 1682 fertig, nun stabiler und breit genug für Pferde und Kutschen. Nach den Luftangriffen des Zweiten Weltkrieges war sie noch funktionsfähig, aber einsturzgefährdet. 1956 wurde sie abgebrochen, im Zuge der Neuanlage der Uferpromenaden durch Heinz Wolff. Ein Nachspiel gehört dazu. Aus einem Architekturwettbewerb zur Neugestaltung dieses Bereichs ging ein Entwurf als Sieger hervor, der Treppen und Rampen vorsieht und vor allem eine sehr niedrige, furtähnliche Brücke: Sie soll die unteren Ebenen am Wasser wieder erlebbar machen und die Verbindung zwischen Altstadt und Calenberger Neustadt neu herstellen. Eine Furt. Also ungefähr das, was hier vor allen Brücken war.
Sie stehen am Hohen Ufer, in Höhe der Pferdestraße. Hier lag der Kopf der Sommerbrücke über die Leine, erstmals im 17. Jahrhundert angelegt. Sie verband die Altstadt mit der Leineinsel Klein-Venedig und mit der Calenberger Neustadt. 1956 wurde sie abgebrochen. An ihrer Stelle steht heute eine Aussichtsplattform.
Du stehst auf einer Plattform am Flussufer. Früher begann hier eine Brücke über die Leine, die Sommerbrücke. Sie führte zu einer Insel im Fluss, die Klein-Venedig genannt wurde. Die erste Brücke an dieser Stelle war aus Holz und wurde 1646 gebaut. Und der Grund dafür ist lustig: Ein hoher Beamter wohnte auf der anderen Seite und wollte nachts ins Schloss gehen, ohne jedes Mal die Wächter zu wecken, damit sie ihm das Stadttor aufmachen. 1956 wurde sie abgerissen. Jetzt soll hier eine neue, sehr flache Brücke entstehen, fast wie eine Furt zum Durchwaten.
Koordinaten: 52.371636, 9.730958 · auf der Karte