Sie stehen am Leibnizufer vor den drei Nanas von Niki de Saint Phalle. Aus Polyester und Fiberglas, bunt bemalt, zwei von ihnen fünf Meter hoch, die dritte drei Meter fünfundsiebzig. Schauen Sie die drei einmal einzeln an, denn jede hat einen Namen und eine Geschichte. Die weiße Nana mit den hellen Armen und Beinen heißt Sophie. Sie tanzt auf einem Bein und hebt die Arme. Benannt ist sie nach Sophie von der Pfalz, Kurfürstin, die den Großen Garten in Herrenhausen ausgestaltete. Die zweite steht auf dem Kopf und hat grüne Arme und Beine. Sie heißt Caroline, nach Caroline Herschel, die 1750 in Hannover geboren wurde: Astronomin, Violinistin und Sängerin. Sie folgte in jungen Jahren ihrem Bruder Wilhelm nach England und unterstützte dort seine astronomischen Beobachtungen als wissenschaftliche Assistentin. Die dritte, die kunterbunte, heißt Charlotte, nach Charlotte Buff. Sie war der Schwarm Johann Wolfgang von Goethes und das Vorbild für die Lotte in seinem Roman Die Leiden des jungen Werthers; kennengelernt hatte er sie 1772 auf einem Ball, als sie bereits verlobt war. Und die Namen sind nicht in einer Sitzung festgelegt worden. Sie entstanden spontan, während der Aufstellung, indem man Schaulustige nach bekannten Frauen aus Hannover fragte. Jetzt zu dem Teil, der heute kaum zu glauben ist. Die Stadt hatte die drei Figuren als Auftragsarbeit für einhundertachtzigtausend Mark erworben. Im Vorfeld der Aufstellung sammelte eine Bürgerinitiative Unterschriften gegen sie: fünfzehntausend, nach anderen Angaben zwanzigtausend. In Leserbriefen an die Hannoversche Allgemeine Zeitung wurden die Nanas als Ekelhafte Scheußlichkeiten bezeichnet, als Kulturschande und als Umweltverschmutzung. Sie seien, so ein Brief, die Schnapsidee einer besoffenen Ratsherren-Stammtischrunde. Der damalige Stadtimagepfleger Mike Gehrke musste wegen der Proteste unter Polizeischutz gestellt werden. Lassen Sie das einen Moment stehen: Polizeischutz, wegen drei bunter Figuren am Fluss. Der Protest hatte eine Folge, die niemand geplant hatte. Er löste die erste Diskussion über Kunst im öffentlichen Straßenraum in dieser Stadt aus, und am Ende eine intensive Auseinandersetzung darüber, dass Kunst eine Form der Alltagskultur sein kann. Die Aufstellung war der Abschluss des Programms Experiment Straßenkunst der frühen 1970er Jahre unter dem damaligen Oberstadtdirektor Martin Neuffer. Später wurden die Nanas zum Grundstein der Skulpturenmeile Hannover. Ein Gutachten bewertete die Figurengruppe 2018 mit 3,5 Millionen Euro. Die Stadt setzt sie zur Stadtwerbung ein und sagt, sie stünden für eine sinnliche Weiblichkeit und seien Sinnbild des Feminismus. Samstags stehen hier die Verkaufsstände des Altstadt-Flohmarkts zwischen ihnen, dazu kommen wir später.
Sie stehen am Leibnizufer vor den drei Nanas von Niki de Saint Phalle. Installiert wurden sie am 14. Januar 1974. Zwei sind fünf Meter hoch, die dritte drei Meter fünfundsiebzig. Sie heißen Sophie, Caroline und Charlotte, nach drei bekannten Frauen aus Hannover. Heute sind sie der Grundstein der Skulpturenmeile.
Du stehst vor drei bunten Figuren. Sie heißen Nanas und wurden von der Künstlerin Niki de Saint Phalle gemacht. Eine tanzt auf einem Bein, eine steht sogar auf dem Kopf. Jede hat einen Namen: Sophie, Caroline und Charlotte. Caroline ist nach einer Frau benannt, die vor über zweihundert Jahren Sterne beobachtet hat. Als die Figuren 1974 aufgestellt wurden, waren viele Leute wütend. Tausende schrieben ihren Namen auf eine Liste gegen die Nanas. In der Zeitung nannten manche sie Kulturschande. Hat dir schon einmal etwas erst später gefallen?
Koordinaten: 52.37219, 9.72995 · auf der Karte