Sie stehen am Clevertor, und ein Tor werden Sie hier nicht finden. Geblieben ist der Name, und der gehört einem Bäcker. Das Clevertor war Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung Hannovers. Es entstand als nördlicher Ausgang der Calenberger Neustadt, nachdem diese 1650 in den Befestigungsring einbezogen worden war, und hieß zunächst Brühler Tor, weil der Weg von hier in Richtung einer Wüstung namens Brühl führte. Umbenannt wurde es nach Heinrich Cleve, einem Bäcker, der in der Nähe wohnte und über hundert Jahre alt wurde. Ein langes Leben, direkt am Tor, und der Name blieb an der Stadt hängen. Es gab drei Toranlagen hier, und ihre Geschichte ist eine Geschichte vom Verschieben. Die erste Anlage war eine gewölbte, in der Mitte abgeknickte Durchfahrt durch den Wall. 1712 wurden im Zuge der Erweiterung des Marstalls der Wall und der Graben zwischen dem Steintor und dem Clevertor nach außen verschoben, und das Tor dabei neu angelegt; damals entstand auch ein äußeres Torgebäude. 1780 wurde dieses Tor abgebrochen und 1781 auf der anderen Leineseite wieder aufgebaut, am heutigen Standort des Arbeitsamtes. Ein Stadttor als Umzugsgut. Die dritte Anlage entstand im Zuge der Entfestigung der Stadt an der Brühlstraße, vor der Einmündung der Escherstraße, und sie war kaum noch ein Tor: vier Steinpfosten und Gittertore dazwischen. 1859 wurde sie abgerissen. Nun das Stück, das Sie hier tatsächlich noch ansehen können. 1790 wurde vor der Clevertorbrücke rechts ein neues Wachhaus in klassizistischen Formen errichtet. Es stand bis 1885, dann wurde es abgebrochen. Und 1980 kam das Giebeldreieck dieses Wachhauses, mit dem Monogramm von König Georg III., überraschend im Hof des Niedersächsischen Landesmuseums wieder zum Vorschein. Es wurde dort ausgegraben. Nach einem Entwurf von Hartmut Millarg hat man es anschließend wieder aufgestellt, gegenüber seinem ursprünglichen Platz, vor dem heutigen Arbeitsamt, und zwar in einem Tor, das als Metallrahmen stilisiert ist. Ein echtes Giebelstück in einem angedeuteten Tor. Das ist eine ehrliche Lösung: Sie zeigt das Original und erfindet den Rest nicht nach. Das Monogramm gehört Georg III., und damit sind wir bei dem Faden, der durch diesen ganzen Rundgang läuft. Von 1714 bis 1837 bestand die Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover: Die Monarchen Hannovers waren gleichzeitig Könige Großbritanniens. Ein Wachhaus an einem hannoverschen Stadttor trug deshalb das Monogramm eines Königs, der in London regierte. Diesem Umstand begegnen wir heute noch dreimal, einmal in einem Haus, einmal in einem Laden und einmal in einem Wirtshausnamen. Eine Kleinigkeit noch, aus dem Adressbuch von 1907. Im Parterre des Gebäudes Clevertor 2g saß die Schlosserei von Rudolf Bemba. Sie hat die schmiedeeisernen Geländer der Maschpark-Brücke geschaffen.
Sie stehen am Clevertor. Das Stadttor war Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung und entstand als nördlicher Ausgang der Calenberger Neustadt, nachdem diese 1650 in den Befestigungsring einbezogen worden war. Zuerst hieß es Brühler Tor. Abgerissen wurde die letzte Toranlage 1859.
Du stehst am Clevertor. Ein Tor findest du hier aber nicht. Früher war Hannover von einer Mauer und einem Wall umgeben, und wer hinein wollte, musste durch ein Tor. Dann bekam es einen neuen Namen, und zwar nach einem Bäcker: Heinrich Cleve wohnte gleich daneben und wurde über hundert Jahre alt. Damals war das sehr selten. Zuletzt riss man es 1859 ab. Daneben stand ein Wachhaus. Von dem fand man 1980 beim Graben in einem Museumshof ein großes Stein-Dreieck wieder. Es steht heute in einem Rahmen aus Metall, der ein Tor andeutet.
Koordinaten: 52.3744, 9.7289 · auf der Karte