Stadtohr

Stadtrundgang Hannover · Station 1 von 16

Neue Synagoge

· synagoge, juedische geschichte, novemberpogrome

Ausführlich

Willkommen in Hannover. Wir fangen an einer Stelle an, an der nichts mehr steht, und das ist Absicht. Hier stand die Neue Synagoge. Zuerst die Frage, warum sie hier stand und nicht in der Altstadt. Seit 1588 gewährte ein Statut nur Lutheranern das Wohnrecht in der hannoverschen Altstadt. Die jüdischen Einwohner zogen deshalb in die damals selbständige Calenberger Neustadt. Was dann folgte, lesen Sie am besten als Reihe von Daten. 1593 wurde ihr Gebetshaus, so die Formulierung der Quelle, destruiert und abgeschafft, sie selbst wurden aus der Neustadt vertrieben. 1608 durften sie zurückkehren, 1609 war die neue Synagoge fertig, 1613 wurde sie erneut niedergerissen. 1703 durften sie wieder bauen, an der Stelle der 1613 beseitigten Synagoge: ein abgeschiedener, für die Öffentlichkeit nicht einsehbarer Platz in einem Hinterhof. Nach einhundertzwanzig Jahren war dieser Bau baufällig; an derselben Stelle entstand ein klassizistischer Ziegelbau, 1827 eingeweiht. Mitte des 19. Jahrhunderts war der Anteil der jüdischen Einwohner auf knapp zwei Prozent der Stadtbevölkerung gestiegen, und der Ziegelbau reichte nicht mehr. Für den Neubau erwarb die Gemeinde ein Grundstück auf dem ehemaligen Posthof, in der Nähe der Hof- und Stadtkirche St. Johannis. Der Architekt Edwin Oppler schrieb dazu einen Satz, den Sie hören sollten: Das Gebäude in seiner ganzen Anlage auf einem freien Platz neben einer christlichen Kirche wird der Triumph des Judentums im 19. Jahrhundert sein. Oppler war ein assimilierter Jude, der einen deutschen Baustil pflegen wollte. Den damals beliebten maurischen Stil lehnte er ab: Der gehöre in den Orient und habe allenfalls Bezüge zum Islam, nicht zum Judentum. Also setzte er seinen Bau aus deutschen und europäischen Vorbildern zusammen. In den 1930er Jahren gab es mehrere Anschläge: Am 6. März 1933 ein erster Brandanschlag, 1935 wurden das Tor und dann Fenster beschädigt. Bei den Novemberpogromen am 9. November 1938 wurde die Synagoge in Brand gesteckt und brannte aus. Die SS sperrte sie ab. Um zwei Uhr fünfunddreißig gab die Staatspolizei Feueralarm. Die spät alarmierte Feuerwehr beschränkte sich darauf, die umliegenden Häuser zu schützen. Später wurde das Gebäude gesprengt und abgetragen. Um 1940 entstand an seiner Stelle ein Tiefbunker, der nach dem Krieg in eine Tiefgarage umgewandelt wurde. 1958 wurde eine Gedenktafel angebracht, 1978 eine Gedenkstätte eingerichtet, 1993 erweitert. Sie steht in der Roten Reihe, weil die Bergstraße kriegsbedingt nicht mehr besteht. Auf dem Opernplatz steht seit 1994 ein Mahnmal von Michelangelo Pistoletto für die ermordeten Juden Hannovers; es erinnert an sechstausendachthundert Menschen, die aus dieser Stadt deportiert wurden. Von der Bergstraße wird heute noch einmal die Rede sein, an der vorletzten Station.

Kurzfassung

Sie stehen in der Straße Rote Reihe in der Calenberger Neustadt. Hier stand die Neue Synagoge, erbaut von 1864 bis 1870 nach Plänen von Edwin Oppler. Sie bot elfhundert Menschen Platz. Am 9. November 1938 wurde sie in Brand gesteckt, später gesprengt und abgetragen. Hier beginnt der Rundgang.

Für Kinder

Wir fangen an einem leeren Ort an. Hier stand früher eine Synagoge, ein Gotteshaus für jüdische Menschen. Sie war aus gelbem Backstein gebaut, mit zwei Türmen und einer großen Kuppel, die innen blau bemalt war. Er war selbst jüdisch und wollte, dass sein Bau mitten in der Stadt steht und nicht in einem Hinterhof versteckt. Vorher war das nämlich so gewesen. Am 9. November 1938 haben Nationalsozialisten die Synagoge angezündet. Danach wurde das Gebäude ganz abgerissen. Heute steht hier eine Gedenkstätte, damit niemand das vergisst.

Quellen

Koordinaten: 52.372, 9.7281 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.