Sie stehen am Leineschloss. Unmittelbar daneben stand das Schlossopernhaus, auch Schlosstheater genannt, und es war kein kleines Hoftheater. Erbaut von 1687 bis 1689, barock, mit eintausenddreihundert Plätzen, galt es bis ins 18. Jahrhundert als eines der größten und zugleich schönsten Theater seiner Zeit. Zwei Dinge daran sind bemerkenswert. Erstens wurde seine Errichtung schon im Briefwechsel mit Gottfried Wilhelm Leibniz diskutiert, der zu dieser Zeit in Hannover wirkte. Zweitens nennt die Quelle den Zweck ganz offen: Das Gebäude sollte mit dem Opernhaus in Wolfenbüttel konkurrieren und die Italienreisen des Herzogs reduzieren. Lassen Sie diesen zweiten Grund einen Moment wirken. Ein Opernhaus mit eintausenddreihundert Plätzen, gebaut, damit der Landesherr seltener verreist. Die bautechnische Besonderheit saß oben, und Sie hätten sie von unten nicht gesehen. Das Dachtragwerk war kunstvoll konstruiert und freitragend, also ohne Stützen im Raum darunter. In diesem Dachwerk war zugleich ein Teil der Theatermaschinerie untergebracht: die Technik, mit der Kulissen und Wolken bewegt wurden. Der hannoversche Baumeister Johann Friedrich Jungen zeichnete das Haus 1746 unter dem Titel Seiner Großbritannischen Majestät Schloß Opera Hauß in Hannover. Auch hier wieder der Thron in London, in der Beschriftung eines hannoverschen Plans. Und es hatte einen Hauskomponisten, der geliefert hat. Der Kapellmeister Agostino Steffani schrieb nicht nur die Eröffnungsoper Henrico Leone für das Jahr 1689, sondern fast jährlich ein neues Werk. Zählen Sie mit: Im Eröffnungsjahr 1689 kam noch La lotta d'Ercole con Acheloo dazu, 1690 La superbia d'Alessandro, 1691 Orlando generoso, 1692 Le rivali concordi, 1693 La libertà contenta, 1695 Baccanali und I trionfi del fato. Sieben Jahre, acht Opern. Später war dieses Haus auch Schauplatz von Uraufführungen: im Februar 1838 der Oper Der Bäbu und im Januar 1852 der Oper Austin, beide von Heinrich Marschner. Bespielt wurde das Schlossopernhaus bis 1852, abgerissen wurde es 1854. Seine Funktion übernahm das klassizistische Opernhaus am heutigen Opernplatz, errichtet nach Plänen von Georg Ludwig Friedrich Laves. Diesen Namen kennen Sie von der Schlosskirche, wo er 1839 die gotisierende Umgestaltung abschloss. In Hannover begegnet man denselben Baumeistern immer wieder. An der Stelle des Schlossopernhauses befindet sich heute der Plenarsaal des Niedersächsischen Landtages, errichtet von 1958 bis 1961 nach Plänen von Dieter Oesterlen. Halten wir also fest, was auf diesem einen Gelände nacheinander stand: ein Franziskanerkloster, eine Klosterkirche, die viermal die Konfession wechselte, ein Residenzschloss, ein Opernhaus für eintausenddreihundert Menschen, und jetzt ein Parlament. Gesprochen wird hier immer noch.
Sie stehen am Leineschloss. Unmittelbar daneben stand das Schlossopernhaus, auch Schlosstheater genannt, erbaut von 1687 bis 1689. Der barocke Bau fasste eintausenddreihundert Plätze. Bespielt wurde er bis 1852, abgerissen 1854. An seiner Stelle steht heute der Plenarsaal des Niedersächsischen Landtages.
Neben dem Schloss stand früher ein großes Opernhaus. Es wurde von 1687 bis 1689 gebaut und war eines der größten Theater seiner Zeit: Eintausenddreihundert Menschen hatten darin Platz. Und weißt du, warum der Herzog es bauen ließ? Er fuhr dauernd nach Italien, um dort Opern zu hören. Ein eigenes Opernhaus sollte diese weiten Reisen ersparen. Besonders klug war das Dach: Es trug sich selbst, und oben im Dach steckte die Technik, mit der man Kulissen und Wolken über die Bühne bewegte. Heute steht hier der Saal, in dem das Landesparlament tagt.
Koordinaten: 52.37012, 9.73391 · auf der Karte